Meldungen | Aktien, Marktausblick
03.12.2013

Wie lange bleibt das Zeitfenster für steigende Aktien offen?

Im 1. Quartal 2014 sei die Gefahr für Rückschläge noch gering, meint Gabriel Bartholdi, Aktienstratege bei der Schweizer Bank J. Safra Sarasin. Im 2. Quartal sei aber Vorsicht geboten.

Gabriel Bartholdi, Aktienstratege Bank J. Safra Sarasin

Gabriel Bartholdi, Aktienstratege Bank J. Safra Sarasin

Foto: J. Safra Sarasin

Die Verschiebung der Reduzierung der expansiven Geldpolitik (Tapering) der US-Notenbank Fed im September läutete eine weitere Runde steigender Aktienmärkte ein. Mit der weiterhin expansiven Geldpolitik bleiben die Zinsen auf tiefem Niveau, wodurch die Jagd nach Rendite an den Aktien märkten weitergeht. Aktien bleiben gegenüber Staatsanleihen attraktiv und werden von Investoren als Anlageklasse bevorzugt. Die jüngste Positionierung professioneller Anleger zeigt, dass das Übergewicht in Aktien weiterhin auf hohem Niveau bleibt bzw. im letzten Monat sogar wieder angestiegen ist.

Die aktuelle Aktienmarktrally wird zu einem großen Teil von einer Kombination aus lockerer Geldpolitik und robuster Wirtschaftsindikatoren getragen. Die lockere Geldpolitik hängt aber stark von den Wirtschaftsindikatoren ab. Im Fall der USA bedeutet dies, dass Tapering kein Thema ist, solange die Arbeitslosenrate nicht wesentlich unter 6,5% sinkt und die Inflationserwartungen nicht stark ansteigen. Eine starke Verbesserung der Wirtschaftsindikatoren würde das Thema von Tapering wieder in den Fokus der Investoren rücken und könnte den Aufwärtstrend an den Aktienmärkten stoppen. Die Gefahr, die von der Reduktion der Geldmengenerweiterung ausgeht, ist ein früher als erwarteter Abbruch der Wirtschaftserholung. Zudem würden die Zinserwartungen steigen, wodurch die momentan gesuchten Dividendentitel an Attraktivität verlieren würden. Auch eine starke Verschlechterung der Wirtschaftsindikatoren könnte die Aktienmarktrally zum Halten bringen, da die Risikoaversion stark ansteigen würde. Damit die jetzige Aktienmarkt rally weitergeht müssen die makroökonomischen Indikatoren positiv bleiben, aber nicht zu positiv, weil dadurch Tapering ausgelöst wird.

Wir rechnen mit robusten Wirtschaftsdaten bis ins erste Quartal 2014. Entsprechend bleibt das Zeitfenster für steigende Aktienmärkte noch offen. Auch Tapering dürfte bis Ende des ersten Quartals kein Thema sein, was den Aktienmärkten zugutekommen sollte. Der Konjunkturschwung könnte jedoch sehr bald abnehmen. Viele Wirtschaftsindikatoren befinden sich auf oder nahe an Höchstständen, was eine weitere Verbesserung schwierig macht. Entsprechend dürften positive Wirtschaftsüberraschungen immer schwieriger werden. Die Dynamik des US-amerikanischen Einkaufsmanager Indexes (US ISM manufacturing) beispielsweise hat bereits stark nachgelassen und deutet für die nächsten Monate auf eine schwächere wirtschaftliche Entwicklung hin. Je kleiner das Zeitfenster bis ins erste Quartal 2014 wird bei gleichzeitig weiter steigenden Aktienpreisen desto grösser erscheint uns das Risiko für Rückschläge. Für 2014 rechnen wir im ersten Halbjahr mit einem schwierigen Umfeld für Aktien aufgrund einer abnehmenden Konjunkturdynamik und wiederaufkommenden Tapering-Diskussionen.