Meldungen | Marktkommentar
11.09.2019

"Weitere EZB-Anleihekäufe sind unwahrscheinlich"

Volker Schmidt, Senior Portfolio Manager bei Ethenea, vermutet bei der EZB-Sitzung am Donnerstag eher eine Verschiebung der Diskussion auf später. Eine Zinssenkung hätten nur geringe Auswirkungen auf die Konjunktur.

Volker Schmidt, Senior Portfolio Manager Ethenea

Volker Schmidt, Senior Portfolio Manager Ethenea

Foto: Ethenea

Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone ist nach wie vor relativ schwach. Während Frankreich und Spanien in diesem Jahr vergleichsweise gute Ergebnisse erzielt haben, entwickelten sich sowohl Deutschland als auch Italien eher unterdurchschnittlich. Darüber hinaus liegen die Inflationszahlen in der Eurozone trotz eines soliden Beschäftigungs- und Lohnwachstums immer noch deutlich unter den angestrebten zwei Prozent.

Obwohl Mario Draghi auf der Juli-Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) erklärte, dass die EZB "bereit ist, all ihre Instrumente anzupassen", lassen jüngste Kommentare mehrerer EZB-Mitglieder darauf schließen, dass die Meinung darüber, ob ein zusätzliches Quantitative Easing (QE)-Programm gerechtfertigt wäre, im Rat geteilt ist. Aus unserer Sicht wird die EZB daher auf ihrer bevorstehenden Sitzung kein weiteres Anleihekaufprogramm ankündigen, sondern jede Diskussion zu diesem Thema auf spätere Sitzungen verschieben. Angesichts der günstigen Refinanzierungsbedingungen im Euroraum – sowohl für Staaten als auch für die meisten Großunternehmen – besteht derzeit kein Bedarf an weiterer Unterstützung. Das neue TLTRO (Targeted Longer-Term Refinancing Operations) hingegen soll Banken dabei unterstützen, kleineren Unternehmen Kredite zu attraktiven Konditionen anzubieten.

Insgesamt ist die Kreditversorgung in der Eurozone kein großes Problem. Stattdessen leidet die Wirtschaft aufgrund neuer Zölle vor allem unter einem schwachen internationalen Handel, wobei dieses Problem durch die Unsicherheiten um den Brexit noch verstärkt wird. Da die EZB keinen Einfluss auf Handelshemmnisse hat, kann sie nur versuchen, die Folgen abzumildern. In dieser Hinsicht ist die Zentralbank erfolgreich. Obwohl die bereits von der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde vorgeschlagene steuerliche Unterstützung zusätzliche wirtschaftliche Entlastung bringen könnte, werden wir eine deutliche Verbesserung der Wirtschaft der Eurozone erst dann sehen, wenn eine dauerhafte Lösung für die verschiedenen Handelskonflikte gefunden ist. Dies bedeutet, dass eine mögliche Zinssenkung durch die EZB nur geringe oder gar keine Auswirkungen haben wird. Ein prosperierender Dienstleistungssektor in der Eurozone sowie ein nachhaltiges Beschäftigungs- und Lohnwachstum werden die Wirtschaft jedoch erheblich stützen und eine deutliche Abschwächung verhindern.