Meldungen | Anleihen
07.10.2021

Was treibt die Renditen nach oben?

Den Anstieg der Staatsanleiherenditen habe man bereits seit längerer Zeit erwartet, meint Jörn Wasmund, Head of Fixed Income bei der DWS. Wasmund erklärt, was dahinter steckt.

Jörn Wasmund, DWS

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„Hört auf den Anleihenmarkt“, raten alte Hasen an der Wall Street gerne. Wenn es um die Richtung der US-Wirtschaft geht, ist die kollektive Weisheit der Bondtrader tendenziell zuverlässiger als die vieler Wirtschaftsweisen. Bloß ist es nicht immer leicht zu verstehen, was der Anleihenmarkt sagt.

Nehmen wir den Anstieg der Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen, der sich nach derjüngsten Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) der Federal Reserve (FED) stark beschleunigte. Ein klarer Fall, so scheint es: Es ist die Schuld der Notenbank, die ankündigte, dass sie ihre Anleihekäufe etwas früher als erwartet zurückfahren könnte. Dies sollte sich jedoch hauptsächlich in steigenden kurzfristigen Renditen niederschlagen, da dann auch mehr oder frühere Zinserhöhungen wahrscheinlicher würden. Stattdessen fiel der Anstieg bei Renditen 2-jähriger Treasuries moderat aus.

Also, was ist los? Nun, nominale Anleiherenditen können zerlegt werden, insbesondere in reale Renditen und Inflationserwartungen. Die nominalen Renditen 10-jähriger Staatsanleihen und die Inflationserwartungen steigen, gemessen an den Break-even-Inflationsraten, von Sommer 2020 bis März dieses Jahres im Gleichschritt an. Im Frühjahr wurden dann auch die Realrenditen zumindest weniger negativ. All dies scheint mit einer boomenden US-Wirtschaft im Zuge der Wiedereröffnung gut vereinbar.

Drosselung früher als erwartet?

Nach der Sitzung der amerikanischen Zentralbank begann der Markt, sich sowohl auf eine schnellere Rückführung der Anleihekäufe als auch auf eine frühere Zinserhöhung einzustellen. Die Inflationserwartungen sind ebenfalls hochgegangen, wenn auch weniger stark als der Anstieg der Realrenditen. Könnte die Emissionstätigkeit des US-Schatzamts ebenfalls ein Treiber sein? Vielleicht, wobei man im Allgemeinen erwarten würde, dass rationale Marktteilnehmer solche Faktoren im Voraus einpreisen.

Vielleicht wurde der Rentenmarkt von den Schlagzeilen aus Washington über die politischen Kämpfe um die Schuldengrenze und den Haushaltsbeschluss überrascht? Wenn überhaupt, stehen die Zeichen jetzt für ein kleineres Ausgabenpaket, daher weniger Emissionen - und niedrigere Renditen - als noch vor einigen Wochen erwartet. Was die Schuldenobergrenze betrifft, so stiegen die Kosten für die Versicherung gegen den Zahlungsausfall der US-Regierung Mitte September tatsächlich ein wenig – aber nur um wenige Basispunkte und lange bevor diese beängstigenden Schlagzeilen eintrafen. „Einen Anstieg der Staatsanleiherenditen haben wir jedoch schon seit längerer Zeit erwartet. Die jüngste Marktbewegung passt daher gut zu unseren strategischen Prognosen“, erklärt Jörn Wasmund, Head of Fixed Income bei der DWS.