Meldungen | Immobilien, Marktausblick
16.01.2020

Was für Logistikimmobilien spricht

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka Bank, sieht das anhaltende Zinstief als wichtigen Nachfragetreiber, aber auch den weltweit wachsenden Paketversand.

Ulrich Kater, Chefvolkswirt, Deka Bank

Ulrich Kater, Chefvolkswirt, Deka Bank

Deka Bank

Das globale Wirtschaftswachstum hat sich in Folge der Schwäche im Industriesektor abgekühlt. Die Handelskonflikte und die Unsicherheit in Bezug auf den Brexit belasten auch den Ausblick. Eine Rezession ist unwahrscheinlich, doch gut drei Prozent für 2020/21 sind keine wirkliche Offenbarung für die globale Konjunktur. Die US-Wirtschaft ist aufgrund ihrer Größe und Geschlossenheit im Gegensatz zum Euroraum sehr robust gegenüber weltwirtschaftlichen Einflüssen. Im Euroraum stabilisieren die binnenwirtschaftlichen Kräfte die Konjunktur, auch dank der hervorragenden Lage am Arbeitsmarkt. Hiervon profitieren die Büromärkte. Nach zum Teil kräftigen Mietzuwächsen rechnen wir für die kommenden Jahre aufgrund der schwächeren Konjunktur allerdings mit einer verhaltenen Entwicklung. Darüber hinaus kommen mehr Neubauflächen auf den Markt und Umnutzungen nehmen ab. Der Einzelhandel profitiert zwar vom lebhaften Konsum, wird jedoch durch den Online-Boom massiv unter Druck gesetzt und muss den Strukturwandel hin zur Kombination beider Welten meistern.

Steigendes Paketaufkommen

Ein zunehmender Anteil der Konsumausgaben fließt in Dienstleistungen und Freizeit. Dies beflügelt die Hotelmärkte, die im langfristigen Vergleich hohe Auslastungsquoten aufweisen und weiter steigende Zimmerpreise erzielen. Die global vernetzte Logistikwelt leidet unter der politischen Unsicherheit, hat aber mit dem Online-Boom einen nachhaltigen Treiber gefunden. Der Bedarf verschiebt sich in Richtung City-Logistik, um die Verteilung des massiven Paketaufkommens an die Endkunden zu optimieren.

 

Nach einer kurzen Phase des geldpolitischen Rückzugs ist spätestens seit Mitte 2019 klar: Der neuerliche ultralockere geldpolitische Kurs der Notenbanken bleibt bis auf Weiteres eingeschlagen. Vor Mitte der Zwanzigerjahre ist kaum mit einer ersten Zinserhöhung der EZB zu rechnen. Die Notenbanken heizen dadurch die Nachfrage nach Immobilien weiter an. Durch die Negativzinsen im Euroraum hat sich die relative Attraktivität von Immobilien erhöht. Wegen des Nachfrageüberhangs nach Core-Produkten und den immer höheren Preisen erweitern Anleger ihren Investmenthorizont z.B. mit Pflegeimmobilien.

Nachhaltigkeit auch bei Immobilien

Vermehrt im Fokus steht auch das Thema Nachhaltigkeit. Der Abwärtsdruck auf die Anfangsrenditen hält an. Eine Ausnahme sind Handelsimmobilien und insbesondere Einkaufszentren, die in der Gunst der Anleger angesichts des Online-Booms und schwacher Mietwachstumsperspektiven gesunken sind. Auch mittelfristig muss insgesamt jedoch von extrem niedrigen Renditeniveaus ausgegangen werden. Renditeanstiege sind in Euroland in weite Ferne gerückt. Dadurch bleiben die Ertragsperspektiven gut. Die erneute Verlängerung des Immobilienzyklus‘ durch die Notenbanken birgt jedoch Gefahren durch Fehlallokationen wie die Inkaufnahme höherer Risiken auf der Suche nach Rendite. Auch die Gefahr der Überhitzung der Wohnungsmärkte hat zugenommen. Wir sehen jedoch weiterhin keine flächendeckende Blasenbildung.