Meldungen | Marktanalyse, Marktkommentar
06.02.2020

Warum kranke Börsen kurze Beine haben

Die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus dürften ähnlich wie während des SARS-Ausbruchs begrenzt sein, glauben die Muzinich-Experten. Vor allem der Immobiliensektor dürfte immun sein.

Erick Muller, Muzinich &Co.

Erick Muller, Muzinich &Co.

Muzinich & Co.

Die Folgen des Coronavirus für die chinesische Konjunktur, somit auch für die Weltwirtschaft, sollten nicht unterschätzt werden, meint Erick Muller, Director of Product and Investment Strategy, Muzinich & Co. Denn China repräsentiert 18 Prozent des globalen BIP und ist heute stärker mit dem globalen Tourismus verflochten als 2003, als SARS ausbrach.

 

Dennoch geht Muller davon aus, dass die globalen Auswirkungen moderat sein werden, sofern das Virus schnell eingedämmt wird. Falls die Situation andauert, wird es schwieriger werden, eine Ausbreitung zu vermeiden.

Negative Folgen an den Börsen von kurzer Dauer

Risikoanlagen haben sich während und nach dem Ausbruch gut entwickelt, insbesondere Investitionen in den Industrieländern.

Und wie war es 2003? Amerikanische und europäische Aktien stiegen zwischen Mitte März und September 2003 um 30 bzw. 36 Prozent. Die Kreditspreads verengten sich und der US-High Yield Risikoaufschlag wurden innerhalb von zwei Quartalen deutlich um bis zu 260 Basispunkte reduziert. Staatsanleihen wurden ihre Rolle als sicherer Hafen gerecht: US-Treasuries fielen zwischen Mitte März und Mitte Juni 2003 um fast 100 Basispunkte, und die Rendite von Bundesanleihen ging im gleichen Zeitraum um 81 Basispunkte zurück.

Der Ölpreis fiel um mehr als 30 Prozent, trotz der zweiten Invasion im Irak Mitte März. Der US-Dollar schwächte sich von März bis Mitte Juni 2003 ab und partizipierte von der Lockerung der finanziellen Rahmenbedingungen.

Chancen für eine Neupositionierung?

Doch wie sieht es jetzt aus? Aus Sicht der Marktteilnehmer ist die schnelle Reaktion Chinas positiv zu bewerten. Darüber hinaus glauben wir, dass politische Maßnahmen ergriffen werden, sobald sie einen positiven Effekt auf die Wirtschaft haben, beispielsweise wenn die Reisebeschränkungen aufgehoben werden. Die People's Bank of China könnte weitere Zinssenkungen nutzen und durch Senkung der Anforderungen an die Mindestreserve mehr Liquidität bereitstellen, obwohl der Finanzierungsbedarf für 2020 bereits hoch war, bevor die Krankheit zuschlug.

Mit Blick auf verschiedene Sektoren glauben wir, dass Tourismus, Transportwesen, Offline-Einzelhandel und Offline-Glücksspiel wahrscheinlich beeinträchtigt werden. Dagegen dürften der Gesundheitssektor, Online-Einzelhändler und Online-Glücksspiel dem Druck standhalten.

Der Immobiliensektor mag zwar in geringem Umfang betroffen sein, profitiert unserer Ansicht nach jedoch von seiner geografischen Diversifizierung und der geringen Exposition im Epizentrum des Virusausbruchs.