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29.04.2019

Wahlen in Indien: Durchwachsene Bilanz nach fünf Jahren Modi

Manish Shah, Analyst und Portfolio Manager der Indien-Strategie von Comgest, zur Wirtschaftspoltik von Premier Narendra Modi und zum Stock Picking bei indischen Qualitätsaktien.

Indiens Premierminister Narendra Modi

Indiens Premierminister Narendra Modi

Für Indien, eines der bevölkerungsreichsten Länder der Welt, werden die nächsten Wochen eine demokratische Bewährungsprobe der Superlative. Denn die etwas über 900 Millionen Wahlberechtigten in den 36 Staaten und Unionsterritorien des Landes sind derzeit dazu aufgerufen, bis zum 19. Mai ihre Stimme an den 1,04 Millionen Wahlstationen abzugeben.

Die wohl größte Leistung des indischen Premierminister Narendra Modi war bisher das Zurechtstutzen eines Dickichts unterschiedlicher Steuern auf staatlicher und nationaler Ebene durch die Einführung einer landesweiten Güter- und Dienstleistungssteuer. Diese Maßnahme hat die meisten Handelsbarrieren zwischen den Staaten ausgeräumt und zu einer Verringerung der Logistikkosten geführt. Eine weitere Leistung des Premiers sind Investitionen in die Infrastruktur. Zudem hat Modi den Versuch unternommen, dem Bau- und Wohnsektor durch neue Gesetze und Subventionen für bezahlbaren Wohnraum neues Leben einzuhauchen und die Inflation zu begrenzen, um die Kreditaufnahmekosten zu senken.

Seit 2014 liefert Modis Amtszeit durchwachsene Ergebnisse. Einerseits konnte er sich einen Ruf als vertrauenswürdiger Politiker erwerben und hat sich durch die Verteilung von Fördergeldern über den so genannten „Unique Identity Scheme“ um die Bekämpfung der Korruption auf nationaler Ebene bemüht. Andererseits war sein versprochener Plan zur Arbeitsplatzbeschaffung nicht von Erfolg gekrönt, da die Arbeitslosigkeit in den vergangenen fünf Jahren zugenommen hat. Die Demonetarisierung hat zeitweilige Spannungen hervorgerufen und die Konjunktur kurzfristig belastet, wirkte sich durch die Verschiebung von Ersparnissen in Bargeldform in den Finanzbereich jedoch günstig auf Banken und Investmentfonds aus. Zwar hat Modi den Schwerpunkt seines Wahlprogramms auf die Themen Grenzsicherung, Terrorismusbekämpfung und die hinduistische Mehrheit gelegt, doch seine Botschaft wirtschaftlicher Entwicklung und seine Reformmaßnahmen sind für Indiens wachsende junge Bevölkerung, für die die Schaffung von Arbeitsplätzen ein entscheidender Faktor ist, ausschlaggebend. Der Markt will eine stabile Regierung. Ob Modi und seine Bharatiya-Janata-Partei (BJP) das leisten können, bleibt der Wählermeinung überlassen. In den aktuellen Meinungsumfragen schneidet die bisherige Regierung im Vergleich besser ab als zuvor erwartet.

Aus Sicht des an hochwertigen Wachstumsaktien interessierten Anlegers hat Indien zahlreiche exzellente Unternehmen aus verschiedenen Branchen zu bieten. Obwohl die bevorstehenden Wahlen für jede Menge Turbulenzen sorgen, versuchen wir, dieses Hintergrundrauschen einstweilen auszublenden und uns auf Unternehmen zu konzentrieren, deren Erfolg konjunkturzyklischen oder politischen Schwankungen trotzt. Trotz der hohen Bewertung des Aktienmarktes und der zyklischen Konjunkturverlangsamung gibt es in Indien viele starke Unternehmen mit erstklassigen langfristigen Wachstumsaussichten. Beispielsweise konnten wir im Infrastrukturbereich positive Veränderungen beobachten, was teilweise daran liegt, dass das Land seinen Fokus vom Energie- zum Transportausbau verschoben hat. Container Corp of India beispielsweise wird vom so genannten „Dedicated Freight Corridor“ profitieren, einer separaten Zugstrecke für Containerfracht, die ab März 2020 befahrbar sein soll. Ein weiterer interessanter Titel ist HDFC, Indiens größter Hypothekengeber mit einem Wachstum von 17% p.a. und darüber hinaus einem Anteil von 22% an der HDFC Bank, der nach Marktkapitalisierung größten Bank des Landes.