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10.10.2018

"Vorerst kein Ende des Aktienbullenmarktes in Sicht"

Mittelfristig sei eine Rezession möglich, aber die fairen Aktienbewertungen und die Notenbank-Unterstützung würden derzeit gegen eine Trendwende an den Börsen sprechen, meint man bei der Allianz Invest.

Martin Bruckner, CIO Allianz Gruppe Österreich

Martin Bruckner, CIO Allianz Gruppe Österreich

Foto: Allianz Gruppe Österreich

Zwar zeige sich das globale Wirtschaftswachstum momentan weiterhin stark, doch erste volkswirtschaftliche Frühindikatoren und die Vielfalt an vorhandenen Risiken könnten mittelfristig auf eine neuerliche Rezession hindeuten, so die Experten der Allianz Invest. Die Finanzkrise habe nachhaltige Spuren hinterlassen, auch in den Köpfen der Anleger. „Konservativ anlegen ist das Credo hierzulande: Das liebste Buch der Österreicher ist und bleibt das Sparbuch“, konstatierte Martin Bruckner, Chief Investment Officer der Allianz in Österreich bei seinem Quartalsausblick. Das Argument der Krisen-Skepsis lässt Bruckner nicht gelten: „Denn hätte man selbst wenige Tage vor Ausbruch der Finanzkrise 2008 in einen konservativ ausgerichteten Investmentfonds der Allianz investiert, hätte man aus damals 100 Euro rund 160 Euro mit einer durchschnittlichen Rendite von 5,1 Prozent pro Jahr erzielt.“

Öffentliche Schulden, boomende Aktien

Während sich die öffentliche Verschuldung der westlichen Länder als Folge der Krise deutlich erhöhte und die Wirtschaftsleistung einzelner Staaten noch immer unter jener aus 2007 liegt, gehen die Kapitalmärkte klar als Sieger der Finanzkrise vor zehn Jahren hervor. „Vor allem an den US-Märkten war seit 2008 einiges zu holen“, kommentiert Christian Ramberger, Geschäftsführer der Allianz Invest Kapitalanlagegesellschaft, die langfristig betrachtete Entwicklung der Märkte. Die höchsten Erträge konnten im 10-Jahresvergleich mit US-Aktien, darunter etwa der S&P mit über 10 Prozent Rendite, und High Yield-Anleihen, gefolgt von Emerging Markets-Assets erzielt werden. Eine unterdurchschnittliche Entwicklung hingegen verzeichneten im Gegensatz dazu europäische Aktien. „Eine stärkere Orientierung hin zu Kapitalmärkten zahlt sich aus“, empfiehlt Ramberger. Trotzdem dürften aktuelle Risiken, wie etwa aus geopolitischer Sicht oder protektionistische Maßnahmen, nicht vernachlässigt werden. „Die Volatilität scheint an die Märkte zurückgekehrt zu sein. Ein Ende des Aktienbullenmarktes ist trotzdem nicht in Sicht“, so Ramberger.

Stabilisierung im Euroraum, China verlangsamt

Ein Blick auf die volkswirtschaftlichen Prognosen zeigt: Auch wenn sich der Ausblick der globalen Wirtschaft zuletzt geringfügig abgeschwächt hat, sollte die Weltwirtschaft im kommenden Jahr nahezu gleich stark wie 2018 wachsen. Unverändert stark präsentiere sich laut Allianz-Ausblick die US-Wirtschaft, die auch 2019 von den Maßnahmen der Trump-Regierung unterstützt werde. Im Euroraum hätten sich nach der Talfahrt im ersten Halbjahr die Frühindikatoren stabilisiert, so die Experten. Eine signifikante Verlangsamung der Wirtschaftsaktivität verzeichnet hingegen China – nicht zuletzt wegen der hohen Verschuldung der Unternehmen sowie dem Ende des Immobilienbooms. Die Inflationsentwicklung verlaufe trotz globalem Wachstum und Ölpreisanstieg weiterhin verhalten, so die Allianz. Die Geldpolitik sei noch unterstützend. Diese werde jedoch im kommenden Jahr restriktiver werden, nachdem die US-Notenbank Fed ihren Zinserhöhungspfad fortsetzen und die Europäische Zentralbank ihre Anleihenkäufe mit Jahresende beenden wird. Mit einer ersten Zinsanhebung rechne man somit erst im 2. Halbjahr 2019.

Japanische und US-Aktien übergewichten

„Im aktuellen Umfeld raten wir Anlegern, Aktien gegenüber Anleihen überzugewichten“, erklärt Bruckner die Anlagestrategie der Allianz für das kommende Quartal. Für diese Asset-Klasse spreche die traditionell im vierten Quartal und üblicherweise auch gegen Ende des Wirtschaftszyklus starke Performance. Aktienseitig empfiehlt die Allianz, USA und Japan überzugewichten, Europa neutral zu halten und Emerging Markets unterzugewichten. US-Aktien seien relativ gesehen weiterhin günstig. Ein Rekordjahr bei Aktienrückkäufen wirke weiterhin unterstützend für US-amerikanische Aktienmärkte. In Japan habe sich nach dem Einbruch im zweiten Quartal die Wirtschaft im Sommer wieder erholt. Auch die politische Situation sei weiterhin äußerst stabil. Europäische Aktien seien im Vergleich zu US-Aktien deutlich günstiger bewertet. Die Abwertung des Euros in den letzten Wochen werde sich jedoch positiv auf die Gewinne, die bislang hinter anderen Regionen zurückblieben, auswirken. Unsicherheiten bezüglich des Brexit und der italienischen Haushaltssituation würden jedoch dazu führen, dass der Markt weiterhin mit Abflüssen zu kämpfen habe. Aktien von Schwellenländern litten heuer massiv unter den sich abschwächenden Währungen. Das Sentiment sei laut Allianz weiterhin äußerst schwach.

Vorsichtige Positionierung im Anleihen-Segment

Auf der Anleihenseite empfiehlt die Allianz, Anleihen aus den Emerging Markets leicht überzugewichten, Euroland-Anleihen neutral zu halten und US- sowie Unternehmensanleihen unterzugewichten. Aufgrund des Anstiegs der US-Dollar-Zinskurve, einer allgemeinen Zunahme der Risikoaversion der Investoren und massiver Abflüsse aus dieser Asset-Klasse mussten in Hartwährung notierende Emerging Markets-Anleihen seit Jahresanfang herbe Kursverluste hinnehmen. „Der laufende Ertrag von aktuell 6,3 Prozent ist dadurch noch attraktiver geworden“, erklärt Bruckner. Neben Staatsanleihen investiere man auch in Unternehmensanleihen, weiterhin ausschließlich in Hartwährungen. Im Euroraum verzeichneten deutsche Staatsanleihen aktuell wieder eine sehr niedrige Rendite von 0,55 Prozent im 10-jährigen Bereich, während bei italienischen Papieren wesentlich mehr Bewegung stattfand: Die 10-jährigen Zinsen kletterten auf 3,5 Prozent. In den USA liegen die 10-jährigen Zinsen mittlerweile bei 3,2 Prozent. Grundsätzlich bieten US-Treasuries eine durchaus attraktive Rendite, für Euro-Investoren sind jedoch Hedgingkosten zu hoch. Vorsichtig positioniert zeigt man sich im Bereich der Unternehmensanleihen: „Wir sehen die Spreadausweitungen seit Jahresanfang als Beginn einer längerfristigen Korrektur“, so Bruckner.