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11.11.2012

Versicherer sind auf Solvency II noch nicht ausreichend vorbereitet

Die kommende Versicherungsrichtlinie fordert mehr Eigenkapital, was kleineren Anbietern am meisten Schwierigkeiten bereitet, so eine deutsche Umfrage.

Solvency II wird mit großer Wahrscheinlichkeit nun frühestens ein Jahr später und damit nicht vor dem 1. Jänner 2015 verbindlich in Kraft treten. Die Erleichterung in der Branche dürfte groß sein, denn laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag von AXA Investment Managers unter 50 deutschen Versicherungsunternehmen und 12 Pensionskassen fühlen sich 46% der Versicherer und 75% der Pensionskassen zum ursprünglich geplanten Umsetzungstermin nicht gerüstet. Solvency II regelt vor allem die Eigenmittelausstattung von Versicherern.

Die Mehrheit der kleineren Versicherungsunternehmen mit Bruttoprämieneinnahmen unter 1 Mrd. Euro wäre zum ursprünglichen Termin nicht ausreichend vorbereitet (57%). Hier ist der Wunsch nach Verschiebung größer als bei Versicherungsunternehmen mit einem Prämieneinkommen von über 1 Mrd. Euro (32%). Bei einem Blick auf die unterschiedlichen Versicherungsanbieter zeigt die Umfrage, dass sich Schaden- und Unfallversicherer am besten gerüstet sehen. Lediglich 29% sehen sich noch nicht ausreichend vorbereitet. Lebens- und Krankenversicherer sehen sich gleich gut bzw. schlecht vorbereitet. Gut die Hälfte meint, zum ursprünglichen Umsetzungszeitpunkt bereit zu sein. Dazu Christina Böck, Head Solution Strategists Central Europe bei AXA Investment Managers: „Das Ergebnis mit Blick auf die Größe von Versicherungsunternehmen ist nicht wirklich überraschend. Kleinere Unternehmen haben kaum die Möglichkeit, ein eigenes Modell zu entwickeln, das ihnen geringere Kapitalanforderungen als im Standardmodell ermöglichen würde. Somit müssen sie für die gleichen Risiken vergleichsweise mehr Kapital bereitstellen als größere Versicherer, die sich ein internes Modell leisten können.“

 

Risikomanagement und Reportingpflichten bereiten die größten Sorgen

 

Sorge bereiten den Versicherungsunternehmen vor allem die neuen Anforderungen an das Risikomanagement (Säule 2) sowie die Reportingpflichten (Säule 3). Im Bereich des Risikomanagements gaben 65 Prozent der befragten Unternehmen an, in ihren Vorbereitungen lediglich auf einem befriedigenden oder schlechten Stand zu sein. Hinsichtlich der Transparenzanforderungen und Reportingpflichten liegt dieser Wert sogar bei 93 Prozent. Versicherungsunternehmen und Pensionskassen wünschen sich neben einer zeitlichen Verschiebung von Solvency II vor allem auch eine Übergangsfrist für Altverträge (75 Prozent). Für Pensionskassen wird es eine gesonderte Regelung geben. Sie wird nach derzeitigem Stand die Solvency-II-Richtlinie wohl nicht 1:1 abdecken. Auch ist davon auszugehen, dass diese Richtlinie noch später eingeführt wird als Solvency II.

 

Unterstützung der Fondsgesellschaften

 

Auf die Frage, welche Erwartungen Versicherer und Pensionskassen an die Fondsgesellschaften und Banken haben, zeigt sich, dass die meiste Unterstützung im Bereich des Asset Managements (61% haben hier hohe/sehr hohe Erwartungen) und Asset Liability Managements (40% hohe/sehr hohe Erwartungen) gesehen wird. Allerdings haben 60& der befragten Unternehmen insgesamt nur durchschnittliche bis geringe Erwartungen an Fondsgesellschaften und Banken. Dazu Christina Böck: „Hier dürfte sich die Spreu vom Weizen trennen: Gut aufgestellte Kapitalanlagegesellschaften sollten sehr wohl in der Lage sein, Versicherungsunternehmen bei den Säulen 2 und 3 zu unterstützen.“