Meldungen | Aktien, Marktanalyse
12.10.2020

Verfehlt die Fed-Politik ihre Wirkung?

Ernst Konrad, Geschäftsführer von Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement, erklärt, weshalb er im aktuellen Umfeld vor allem Wachstumsaktien weiterhin gute Chancen einräumt.

Ernst Konrad, Eyb & Wallwitz

Ernst Konrad, Eyb & Wallwitz

Eyb & Wallwitz

Seit der Konferenz in Jackson Hole im August setzt die Fed auf eine Adjustierung ihrer bisherigen Strategie, die sich bislang an den beiden Zielen der Vollbeschäftigung und einer Inflationsrate von gut 2 Prozent orientiert hat. „Hintergrund ist, dass zwar vor der Corona-Krise die Arbeitslosenquote auf ein Rekordtief gefallen ist, das Inflationsziel aber bereits seit Jahren kontinuierlich unterschritten wird und damit immer stärker die Glaubwürdigkeit und Geeignetheit der bisherigen Politikmaßnahmen in Frage stellt“, schreibt Ernst Konrad, Geschäftsführer von Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement, in seinen Makroperspektiven.

„Um diesen Mangel zu heilen, will die Fed ab sofort die bisherige Zielverfehlung kompensieren, indem sie in Zukunft eine höhere Preissteigerung temporär tolerieren wird, um längerfristig die 2-Prozentschwelle wirklich zu erreichen. Prinzipiell ist dieses Ziel entweder mit noch größeren Wertpapierkäufen (evtl. auch erstmalig inkl. Aktien) oder aber mit dem Versprechen, die Zinsen noch länger niedrig zu halten („lower for longer“), erreichbar. Die Fed hat sich auf ihrer September-Sitzung für die zweite, konservativere Option entschieden, aber gleichzeitig die Marktteilnehmer gewarnt, ihre Entschlossenheit nicht zu unterschätzen“, so Konrad.

„Ein neuer Wachstumsschub für die Wirtschaft ist eigentlich nur über deutliche Produktivitätsgewinne denkbar. Eine Nebenwirkung der jahrelangen Niedrigzins-Politik ist aber die Entstehung einer Vielzahl von „Zombie-Unternehmen“ nach japanischem Vorbild, die nur angesichts der niedrigen Zinskosten überleben konnten. Dadurch werden zwar kurzfristig Output und Beschäftigung hochgehalten, allerdings auf Kosten des mittelfristigen Trendwachstums, da diese Unternehmen weniger investieren (sie benötigen einfach mehr Liquidität zur Aufrechterhaltung ihres gewöhnlichen Geschäftsbetriebs) und somit auch weniger zum technischen Fortschritt beitragen. Der Prozess der ‚kreativen Zerstörung‘ wird also gebremst. Wachstum bleibt also ein knappes und hochpreisiges Gut“, so Konrad weiter. „Der beschleunigte Preisauftrieb kommt prinzipiell allen „realen Assetklassen“, also Aktien, Gold und Immobilien zugute. Anleihen werden es hingegen schwerer haben, auch wenn der Renditeanstieg aufgrund des Kaufprogramms der Fed allenfalls moderat ausfallen wird. Dadurch bleibt die Realverzinsung weiter deutlich im negativen Bereich bzw. wird eher noch weiter zurückgehen. Davon profitieren wieder im besonderen Maße Wachstumsaktien, selbst wenn wir im „Secular-Stagnation-Modus“ verharren werden“, erklärt Konrad.