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07.05.2020

Utopia veröffentlicht Trendstudie 2020

„Nachhaltiger Konsum wird immer mehr zu einer Frage der Haltung“ - Ein Beitrag von Silvio Schmidt, Senior Sustainability Analyst bei ÖKOWORLD

Silvio Schmidt, Ökoworld

Silvio Schmidt, Ökoworld

Ökoworld

Utopia, die Internetplattform für nachhaltigen Konsum, hat ihre zweite Studie zum Konsumverhalten veröffentlicht. Die Studie untersucht die Einstellungen, Erwartungen und Verhaltensweisen nachhaltigkeitsbewusster Konsumentinnen und Konsumenten. Im Vergleich mit der ersten Untersuchung von 2017 zeigt sich, Nachhaltigkeit gewinnt in nahezu allen Konsumbereichen an Bedeutung.

Für die Studie wurden im Herbst 2019 mehr als 14.400 Nutzerinnen und Nutzer der Plattform befragt. Damit ist die Studie zwar nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung in Deutschland. Sie ermöglicht aber einen guten Einblick in die Gruppe der Nachhaltigkeitsbewussten.

Für diese Konsumentinnen und Konsumenten sind Lebensmittel weiterhin der Bereich, in dem sie ganz besonders auf Nachhaltigkeit achten. Auch bei Körperpflege und Kosmetik sowie Haushaltsartikeln, Energie und Kleidung ist den Anwenderinnen und Anwendern wichtig, dass diese umweltfreundlicher sind oder fair hergestellt werden. Deutlich zugelegt haben seit 2017 die Bereiche Reisen und Urlaub, Elektrogeräte sowie Mobilität im Alltag.



(Quelle: Utopia, 2020)

Die Unzufriedenheit mit dem „immer mehr“ und „weiter so“ nimmt zu

Nachhaltigkeit manifestiert sich zunehmend in den Einstellungen der Menschen. Sie sind zwar nicht gegen Konsum, fragen aber immer mehr nach dessen rechten Maß („Brauche ich das wirklich?“). Mit 45 Prozent stimmen sie heute weniger der Aussage zu „Ich gehe gerne einkaufen“ als noch 2017 mit 51 Prozent. Zudem achten bewusste Konsumentinnen und Konsumenten beim Einkauf auf Qualität und Langlebigkeit. 94 Prozent der Befragten geben an, lieber wenige, dafür aber langlebige Dinge zu kaufen. Die Studie stellt eine „neue Nachdenklichkeit“ fest, wenn es um Nachhaltigkeit, Lebensstil und Kaufverhalten geht. Für viele Menschen wird nachhaltiger Konsum immer mehr zu einer Frage der Haltung, die über Kaufentscheidungen hinausgeht.

Umdenken bei der jüngeren Generation

Dies zeigt sich ganz besonders bei jungen Menschen. Die Mehrheit der befragten 18- bis 24-Jährigen ernähren sich vegetarisch oder vegan. 53 Prozent essen nach eigenen Angaben kein Fleisch. Über alle Altersgruppen hinweg sind es 36 Prozent. Damit zeigt sich heute, was beim Fleischkonsum morgen Mainstream sein wird. Auch die Vermeidung von Verpackungen, insbesondere aus Plastik, ist den jungen Konsumentinnen und Konsumenten besonders wichtig.



(Quelle: Utopia, 2020)

Bank- und Versicherungsprodukte haben bei den Befragten (noch) keine Priorität

Keine Veränderung stellt die Studie darin fest, wie wichtig der Aspekt der Nachhaltigkeit beim Thema Finanzen ist. Doch gerade die Finanzen sind ein Bereich für den mehr Nachhaltigkeit im Sinne einer gesellschaftlichen Veränderung sehr wichtig wäre. Was Banken und Versicherungen mit dem investierten Geld machen, hat bei den Befragten aber (noch) keine Priorität. Nur jedem Fünften ist dies wichtig.

Geldanlage unter Beachtung ethisch-ökologischer Kriterien ist möglich

Ein Blick in die Anlageuniversen der ÖKOWORLD-Fonds zeigt, dass sich die Erwartungen an sinnvolle sowie fair hergestellte und umweltverträglichere Produkte auch bei der Geldanlage realisieren lassen. Das Anlageuniversum definiert, in welche Unternehmen das Fondsmanagement der ÖKOWORLD ausschließlich investieren darf. Bei der Auswahl der Unternehmen steht stets im Mittelpunkt, welchen Nutzen die Produkte stiften und welchen Beitrag sie zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise leisten.

Bewusste und gesündere Ernährung

Bei Lebensmitteln sind dies beispielsweise mehrere amerikanische Bio-Supermarktketten. Diese setzen auf ein saisonales Angebot und bieten vor allem naturbelassene und Bio-zertifizierte Produkte an. Zudem erwarten sie von ihren vorzugsweise regionalen Zulieferern hohe Umwelt- und Sozialstandards. Die Angebote richten sich teilweise explizit an Familien mit niedrigerem Einkommen, um auch ihnen eine gesunde und nachhaltige Ernährung zu ermöglichen und ein stärkeres Bewusstsein für gesunde, natürliche Lebensmittel zu schaffen. Auch eine Schnellrestaurantkette für mexikanische Gerichte ist im Universum. Sie verwendet überwiegend vegetarische Zutaten und darüber hinaus ausschließlich Fleisch von Tieren aus artgerechter Tierhaltung und nachvollziehbarer Herkunft, die ohne Antibiotika und Wachstumshormone aufgezogen werden.

Naturkosmetik

Bei Körperpflege und Kosmetik findet sich u.a. der brasilianische Marktführer im Portfolio. Dieser stellt seine Produkte auf Basis natürlicher Inhaltsstoffe her. Die Rohstoffe stammen aus nachhaltigem Anbau mit fairen Lieferbeziehungen. Dazu kooperiert das Unternehmen mit lokalen Gemeinschaften, vor allem in der Amazonasregion. Diese gewinnen die natürlichen Inhaltsstoffe, ohne dabei Lebensraum zu zerstören. Gleichzeitig ermöglicht ihnen die Geschäftsbeziehung ein geregeltes Einkommen. Die Produkte tragen damit zum Erhalt der biologischen Vielfalt Brasiliens und zur Weitergabe des Wissens innerhalb der lokalen Gemeinschaften bei.

Windkraft- und Solaranlagen

Zahlreiche Hersteller von Windkraft- und Solaranlagen, einschließlich der dazugehörigen Komponenten und auch Betreiber sind Bestandteil in allen Fonds. Gerade bei Betreibern von Anlagen in Entwicklungsländern wird besonders darauf geachtet, dass die Bevölkerung vor Ort eingebunden ist. Ausgeschlossen sind hingegen in allen Fonds die Energieerzeugung aus Kohle, Erdöl oder Atomkraft sowie die Ausrüster und Zulieferer für derartige Kraftwerke.

Nachhaltige Mobilität

Zum Bereich Mobilität finden sich Anbieter des Öffentlichen Nahverkehrs in den Anlageuniversen, beispielsweise in Großbritannien oder Hong Kong. Genauso wie eine Internet-Plattform, die den Kauf internationaler Bahnfahrkarten vereinfacht. Automobilhersteller oder Fluggesellschaften sind hingegen tabu.

Bewusster Konsum

Die Bereiche Kleidung sowie Reisen und Urlaub sind nicht in den Anlageuniversen vertreten. Beide stehen für einen überwiegend sehr hohen Ressourcenverbrauch. Daher kommen sie für ÖKOWORLD-Fonds grundsätzlich nicht in Frage.

Somit kann nicht nur der bewusste Konsum, sondern auch die Geldanlage unsere Welt ein Stückchen besser machen. Beides muss nur richtig eingesetzt werden.

Eine Frage der Haltung

Die Fonds der ÖKOWORLD haben in den vergangenen Jahren hohe Mittelzuflüsse erfahren. Dies sehen wir als Zeichen dafür, dass für immer mehr Anlegerinnen und Anleger auch ihre Geldanlage eine Frage der Haltung wird. Entsprechend gehen wir davon aus, dass das Thema Finanzen noch an Bedeutung gewinnen wird. Und sich dies auch im nächsten Trendbericht von Utopia zeigen wird.

Dr. Silvio Schmidt, Senior Sustainability Analyst

Silvio Schmidt ist gelernter Versicherungskaufmann, hat Internationale Volkswirtschaftslehre und Sinologie studiert und in Umweltökonomie zu ökonomischen Kosten des Klimawandels promoviert. Silvio hat Arbeitserfahrung in der Erst- und Rückversicherung sowie dem Lebensmittelhandel. Über neun Jahre war er für Munich Re, zunächst in der Kredit- und Kautionsversicherung, später im Nachhaltigkeitsmanagement tätig. Als Group Environmental Manager betreute er das konzernweite Umweltmanagementsystem und entwickelte die Klimaneutralitätsstrategie mit. Für den Lebensmittelgroßhändler METRO koordinierte er die Beantwortung von ESG-Ratings, entwickelte die strategische Ausrichtung zu Klimaschutz und Wasser und war für die Umweltbilanzierung und -berichterstattung zuständig. Silvio ist seit März 2019 im Research Team bei ÖKOWORLD.