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13.12.2011

Umfrage: Verunsicherte Sparer meiden weiterhin Wertpapiere

Trotz regionaler Unterschiede bei den Präferenzen, ist das Sparkonto bei den Europäern insgesamt am beliebtesten, gefolgt von Aktien und Fonds.

Kerstin Behnke,  Vertriebsleiterin Fidelity Worldwide Investment in Deutschland

Kerstin Behnke, Vertriebsleiterin Fidelity Worldwide Investment in Deutschland

Sicherheit steht nach wie vor bei den europäischen Sparern an erster Stelle, unabhängig vom Zinsniveau. Das ist eines der Ergebnisse der zweiten repräsentativen Studie zur Qualität der Finanzberatung, die TNS Sofres im Auftrag von Fidelity Worldwide Investment unter mehr als 12.000 Privatanlegern in 14 europäischen Ländern durchgeführt hat. So war das gering verzinste Sparkonto bei Europas Anlegern in den zwölf Monaten bis August 2011 mit 40% das beliebteste Anlageprodukt. Insbesondere die wirtschaftlich leidgeprüften Briten (58%) setzten auf diese Form des Sparens. Auch in den Niederlanden (58%), Polen (51%), Belgien (49 Prozent), Frankreich (43%) und Österreich (41%) wurde das Sparkonto bei Neuanlagen am meisten nachgefragt.
In Deutschland vertrauten 35% der Sparer auf die Spareinlage bei der Hausbank. Damit ist diese Anlageform zwar weniger verbreitet als im europäischen Durchschnitt, überzeugt aber dennoch mehr Sparer als direkte Aktieninvestments (31%), Fondsanlagen (29%) oder die private Vorsorge (14%). "Das starke Verlangen der europäischen Anleger nach Sicherheit ist absolut verständlich. Unter Renditegesichtspunkten ist der hohe Anteil festverzinslicher Spareinlagen allerdings wenig zielführend. Jeder Prozentpunkt Rendite, den Sparer heute verschenken, reduziert ihr Ausgabenbudget und im Alter ihre Rente", meint Kerstin Behnke, Vertriebsleiterin und Mitglied der Geschäftsführung von Fidelity Worldwide Investment in Deutschland. Dabei müssen sich das Bedürfnis nach Sicherheit und Renditeerwartungen trotz der schweren Turbulenzen an Europas Kapitalmärkten nicht ausschließen. "Wir haben eine Staatsschulden-, keine Unternehmenskrise. Viele Unternehmen sind hervorragend aufgestellt und werden weiter wachsen. Um ihr Vermögen zu mehren, müssen Anleger sich also deutlich stärker am Wachstum der Unternehmen beteiligen als bislang – entweder über Unternehmensanleihen oder über Aktien und Aktienfonds, wobei Dividenden gerade in volatilen Märkten einen Puffer darstellen können. Anleger sollten beim Aktienkauf nicht nur auf Kursgewinne, sondern auf die Gesamtrendite abstellen."


Staatsanleihen sind in Italien beliebt, in Deutschland geschmäht

Langfristig müssen Anleger ihre bisherigen Vorstellungen von Sicherheit überdenken, ist Behnke überzeugt: "Wir erleben derzeit einen grundlegenden Wandel von Risiko: Während das Staatsschuldendesaster in Europa jahrzehntelang als sicher geltende Anlagen immer stärker in Frage stellt, kristallisieren sich ganz neue Stabilitätsanker heraus. Dazu zählen Unternehmens- und Hochzinsanleihen gesunder Unternehmen ebenso wie Anleihen von Schwellenländerstaaten". Dieses Wissen scheint bei den Anlegern noch nicht angekommen zu sein, denn nur 6% der Deutschen und 7% der Europäer investieren in Unternehmensanleihen. Zumindest bei den Deutschen liegt diese Assetklasse in der Gunst fast gleich auf mit Staatsanleihen – obwohl die Anleihen vieler Unternehmen heute deutlich höhere Renditen und mehr Sicherheit versprechen als die Anleihen einiger Staaten. Trotzdem konnten sich 5% der deutschen Anleger in den zwölf Monaten bis August 2011 für Staatsanleihen erwärmen. Damit sind die Deutschen dennoch deutlich skeptischer als ihre europäischen Nachbarn. Vor allem in Italien ist der Hang zum Kauf von Staatsanleihen besonders stark ausgeprägt – obwohl Staatsanleihen mit wachsenden Sorgen um die Finanzkraft Italiens, Spaniens oder gar Frankreichs längst nicht mehr als grundsätzlich sicherer Hafen gelten: 21% der italienischen Sparer geben an, bis August 2011 in Staatspapiere investiert zu haben. Neben den Italienern haben auch die polnischen (14%), dänischen (12%) und spanischen (9%) Sparer mehr auf diese Anlageklasse gesetzt als der Durchschnitt der Befragten (8%) in Europa.

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isikofreudiger Norden

Dass es auch anders geht, machen die Skandinavier deutlich: Offensichtlich unbeeindruckt von der europäischen Staatsschuldenkrise, zeigen sich die nördlichen Nachbarn auffallend risikofreudig. So geben die Hälfte aller Dänen an, zuletzt direkt in Aktien investiert zu haben. Auch bei Kapitalanlagen in Investmentfonds sind die Nordeuropäer Spitzenreiter: 54% der Norweger haben inmitten der Kapitalmarktturbulenzen in Fonds investiert – gefolgt von ihren finnischen (53%) und schwedischen (47%) Nachbarn. Dazu passt, dass in keiner anderen Region Europas weniger Anleger Schutz vor Kapitalverlust für ein wesentliches Anlagekriterium halten als in Norwegen (21%), Schweden (17%) und Finnland (15%). Übrigens: In beiden Kategorien Aktien und Fonds bilden die häufig als kapitalmarktaffin beschriebenen Briten mit 17% bzw. 6% das Schlusslicht.