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29.11.2011

Umfrage: Auch obere Mittelschicht von Rezession betroffen

Nicht nur die breite Mittelschicht hat wieder Verlustängste, die wohlhabenderen Europäer befürchten vor allem bei der Altersvorsorge Abstriche machen zu müssen.

Eine repräsentative Umfrage unter 1.400 wohlhabenden Anlegern, die Schroders unter der Bezeichnung „European Wealth Index“ durchführte, zeigt, dass sich drei von vier wohlhabenden Anlegern in Europa (75%) von der wirtschaftlichen Instabilität der letzten Jahre betroffen fühlen. Mehr als jeder Fünfte (21%) befürchtet, dass der Ruhestandseintritt nach hinten verschoben wird und er somit länger als geplant arbeiten muss.

Die Umfrage untersucht die Finanzprognosen und Investitionseinstellungen wohlhabender Konsumenten in zehn europäischen Ländern. Zum wohlhabenden Mittelstand gehört in diesem Fall, wer unter Ausschluss des Eigenheims 100.000 Euro an investierbarem Vermögen zur Verfügung hat.

Die Folgen des wirtschaftlichen Abschwungs auf Haushalte mit mittlerem und niedrigem Einkommen werden in der Branche derzeit schon eingehend untersucht. Die neue Umfrage macht allerdings Schluss mit der Vorstellung, dass die wohlhabende Mittelschicht gegen die Rezession immun sei. Ganz im Gegenteil: Millionen von europäischen Anlegern spüren einen wachsenden Druck. Sie stehen mittlerweile schlechter da und müssen Schritte zur Umstellung ihrer Altersvorsorgepläne einleiten.

 

Zukunftssorgen

In den zehn europäischen Umfrageländern gab die große Mehrheit der Befragten an, von der wirtschaftlichen Instabilität negativ betroffen zu sein – die Prozentzahl lag in keinem Land unter 69.

Am häufigsten äußerten die Befragten als Folge der wirtschaftlichen Instabilität die Befürchtung, ihre Anlagen und Altersvorsorge würden ihnen nicht mehr den für ihren Ruhestand erhofften Lebensstandard ermöglichen. Das war die größte Sorge in sechs der zehn Umfrageländer (Deutschland 41%, Italien 39%, Spanien 38%, Österreich 30%, Schweden 29% und Belgien 26%) und auch die größte in Europa insgesamt (29%).

Mehr als jeder Fünfte (21 %) befürchtete, später als geplant in den Ruhestand gehen zu können und somit länger arbeiten zu müssen. Diese Befürchtung belegte den ersten Platz auf der Sorgenliste in Spanien (38 %) und war auch in Frankreich (36 %), Italien (33 %) und Deutschland (27 %) weit verbreitet. Als drittgrößte wahrgenommene Folge der wirtschaftlichen Instabilität waren 20 % der Befragten überzeugt, im späteren Leben einen niedrigeren Lebensstandard als ihre Eltern zu haben. Diese Sorge ist ein Zeichen für eine mögliche fundamentale Veränderung der Wohlstandslandschaft in Europa zu einer Zeit, in der der Mittelstand den Schlüssel für das Wirtschaftswachstum und einen soliden Steuerhaushalt darstellt.

 

Schuldenkrise und Inflation

 

Die fünf Hauptsorgen in den europäischen Ländern in Bezug auf persönliche Anlagen waren die Schuldenkrise im Euroraum (49%), steigende Inflation (34%), schwacher oder verzögerter Aufschwung (32%), allgemeine Marktvolatilität (30%) und eine Fortsetzung des derzeit niedrigen Zinsniveaus (29%). Die Studie zeigt, dass sich die Menschen überall in Europa vom wirtschaftlichen Abschwung ähnlich betroffen fühlen. In Bezug auf die persönlichen Investitionssorgen wichen die Meinungen jedoch deutlich voneinander ab. “Unsere Untersuchung verdeutlicht, dass die europäische Mittelschicht die Folgen der wirtschaftlichen Instabilität fühlt und plötzlich eine beunruhigende Altersversorgungslücke vor sich entstehen sieht“, so Achim Küssner, Geschäftsführer der Schroder Investment Management GmbH. Der positive Aspekt daran sei, dass die große Mehrheit der Befragten das Problem erkannt habe. Viele von ihnen haben die damit verbundenen Kosten und Folgen beziffert und sind damit in der Lage, Maßnahmen zur Abhilfe einzuleiten. „Die Asset Management Industrie ist prädestiniert mit Anlagelösungen auf die Ängste und Bedürfnisse zu reagieren. Hier sind aber bisher nur die ersten Schritte getan. Schroders wird zukünftig noch mehr an langfristigen Anlagemodellen arbeiten und hier auch die Zusammenarbeit mit der Versicherungswirtschaft suchen“, so Küssner.