Meldungen | Marktanalyse, Marktausblick
15.09.2020

Überfällige Korrektur

Bis Jahresende dürfte die Volatilität immer wieder zunehmen, meint Ulrich Urbahn, Leiter Multi Asset Strategy & Research bei der Berenberg Bank. Das sollte Anleger aber nicht abschrecken.

Ulrich Urbahn, Berenberg Bank

Ulrich Urbahn, Berenberg Bank

Berenberg Bank

Die jüngste Korrektur im heiß gelaufenen und teils ambitioniert bewerteten US-Technologiebereich halten wir für gesund, meint Ulrich Urbahn, Leiter Multi Asset Strategy & Research bei der Berenberg Bank. Neben Gewinnmitnahmen nach der starken Rallye war dafür der Optionsmarkt verantwortlich. US-Privatanleger haben mit ihren Call-Wetten auf steigende Kurse die Market Maker dazu gezwungen, sich gegen weiter steigende Märkte in Form von Aktienkäufen abzusichern.

Das hat die Rallye verstärkt und zu einer erhöhten Volatilität geführt. Als es dann zu der Umkehrbewegung kam, wurden diese Hedges reduziert – die Feedback-Schleife wirkte verstärkend nach unten. Wir halten das weitere Abwärtspotenzial für begrenzt, denn die Optionspositionierung ist nun nicht mehr so extrem und Anleger verfügen über Unmengen an trockenem Pulver. Bis Jahresende dürfte es zwar immer wieder Volatilitätsspitzen geben (Fed-Sitzung, US-Wahlen, Brexit, Handelskonflikt, Impfstoff- News). Wir bleiben trotzdem konstruktiv, denn die Konjunkturerholung setzt sich fort, Aktien sind attraktiver als Anleihen und Euphorie herrscht nicht.

Kurzfristiger Ausblick

Am 24. und 25. September findet zudem ein EU-Sondergipfel statt. Besprochen werden Fragen zum Binnenmarkt, zur Industriepolitik, zur digitalen Transformation sowie zu Außenbeziehungen, insbesondere die Beziehungen zur Türkei und zu China. Nach dem EZB-Treffen vorige Woche halten diese Woche die Fed (16.09.) und die Bank of England (17.09.) ihr Septembertreffen ab. Bei der Bank of England dürfte zunehmend das wirtschaftliche Risiko eines harten Brexit in den Fokus rücken.