Meldungen | Marktkommentar
06.10.2015

Turbulenter Quartals-Auftakt bietet Chancen f├╝r Emerging Markets

Der Ausblick der Saxo Bank ist vorsichtig optimistisch für die Zeit nach dem „Sturm“ und der Klärung der US-Zinspolitik. Devisengeschäfte seien das Mittel der Wahl, um von der derzeitigen Situation zu profitieren.

Steen Jacobsen, Chefökonom Saxo Bank

Steen Jacobsen, Chefökonom Saxo Bank

Foto: Saxo Bank

Die purzelnden Preise für Erdöl und andere Rohstoffe haben den Druck auf zahlreiche Emerging Markets (EM) massiv erhöht. Und dennoch sieht die Saxo Bank hier die interessantesten Gelegenheiten. Die Risiken für das Weltwirtschaftswachstum steigen. Gleichzeitig wirft die anstehende Zinserhöhung in den USA einen Schatten über die aufstrebenden Volkswirtschaften. Die dadurch hervorgerufene Volatilität eröffne ihrerseits attraktive Trading-Chancen, heißt es im Quartals-Kommentar „Essental Trades“. Die Emerging Markets haben momentan mit einer Reihe von Negativfaktoren zu kämpfen. Schuldeninduzierter „perfekter Sturm“, US-Dollar im Höhenflug und bröckelnde Rohstoffpreise. Der Ausblick der Saxo Bank für das vierte Quartal zeige allerdings auf, dass trotz des „Extend-and-Pretend“-Kreislaufs der Verdrängung, Perspektiven und interessante Anlagemöglichkeiten bestehen, sagt Steen Jakobsen, Chefökonom der Saxo Bank: „Die Extend-and-Pretend-Politik hat eine Negativspirale angestoßen, bei der dollardenominierte Schwellenländeranleihen in Lokalwährungen konvertiert wurden. Doch jetzt steigt durch den stärkeren Dollar die Schuldenlast, während gleichzeitig die Preise für Rohstoffe – für viele EM das wichtigste Exportgut – sinken. Für die Emerging Markets bedeutet das einen Nachfrageeinbruch und damit geringeres Wachstum. Dieser Prozess findet in einem von Fiatwährungen, Dollarreserven sowie dollardenominierten Rohstoffen und Schulden geprägten weltwirtschaftlichen Umfeld statt“. Hinzu komme der starke Dollar. „Es wundert daher nicht, dass die Weltwirtschaftsleistung dramatisch schrumpft. Was jedoch verwundert ist, dass sich die politisch Verantwortlichen darüber wundern“, so Jakobsen. Der „Sturm“ sei aber zugleich auch eine der größten Chancen seit Jahrzehnten: Diese lässt sich im Hinblick auf Liquidität und Marktzugang am besten über Devisengeschäfte nutzen. Viele Emerging Markets haben nicht genug Markttiefe, um robuste Aktienmärkte sicherzustellen. Zudem haben wissenschaftliche Studien ergeben, dass über 80 Prozent aller Erträge an den EM durch Devisentransaktionen und nicht durch das Halten von Aktien bzw. Anleihen erwirtschaftet werden. Gleichwohl ist Jakobsen überzeugt, dass die EM insgesamt eine gute Kaufgelegenheit sind. Seiner Ansicht nach sollte die Tatsache, dass wir uns inmitten eines perfekten Sturms befinden, nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich auch wieder aufklaren wird.

Anleihen und Aktien

Nach Ansicht von Simon Fasdal, Leiter Fixed Income Trading bei der Saxo Bank, ist die Furcht, die sich im dritten Quartal an den Märkten ausbreitete, nach wie vor ein Faktor, den man auch an der Schwelle zum vierten Quartal nicht ignorieren sollte. Nach seiner Einschätzung befinden sich die Emerging Markets derzeit an einem Punkt des Übergangs zu einem chancenreicheren Umfeld. Durch die Verlagerung des Anlegerinteresses weg von EM-Assets ist die Renditedifferenz zwischen den entwickelten Märkten und den Emerging Markets signifikant gestiegen. Zweitens spielt das mangelnde Wachstum eine zu große Rolle.

Für Peter Garnry, leitender Aktienstratege bei der Saxo Bank, war das dritte Quartal 2015 die turbulenteste Periode an den weltweiten Aktienmärkten seit der Finanzkrise von 2008, gemessen an der Volatilität, und somit ein deutliches Warnsignal. Während die Titel entwickelter Märkte in diesem Quartal 6,2 Prozent einbüßten, erlebten die EM-Aktienmärkte einen massiven Einbruch um 16,2 Prozent. Garnry ist der Überzeugung, dass im Hinblick auf die Marktkräfte an vielen Emerging Markets ein Wandel von rein exportabhängigen Rohstofferzeugern zu ausgewogeneren Volkswirtschaften stattfindet. Mit der Zunahme der Mittelklasse wird das Wachstum zunehmend von steigendem Inlandsverbrauch befeuert. Dieser Übergangsprozess findet bereits statt. Entsprechend werden sich die Kapitalströme wieder in Richtung Emerging Markets wenden, sobald Klarheit über die weitere US-amerikanische Zinspolitik besteht.