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21.05.2019

Trumps langer Schatten

Ziehen am Aktienmarkt durch den Handelskonflikt dunkle Wolken auf? Das fragt sich Wolfgang Ules, Chief Investment Officer der Capital Bank, in seinem aktuellen Beitrag für den Blog der Privatbank zu den involvierten Währungen.

Wolfgang Ules, CIO Capital Bank

Wolfgang Ules, CIO Capital Bank

Foto: Capital Bank

Die Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China ist ein dunkler Schatten über den Aktienmärkten im Allgemeinen und chinesischen Papieren im Speziellen. Die Auswirkungen auf die chinesischen Konjunkturdaten werden sich schnell zeigen. Schon die aktuellen Aprildaten liegen unter den Erwartungen und Ergebnissen des Vormonats. Als Reaktion darauf werden Chinas Wirtschaftslenker weitere unterstützende Maßnahmen ergreifen. Das wird die chinesische Nachfrage wieder ankurbeln. Es wird damit aber auch die stärkste chinesische Waffe im Handelsstreit aktiviert: der Renminbi.

Außenhandel: Zölle und Wechselkurse

Die Währung eines Landes stellt einen wesentlichen Ausgleichsfaktor im Außenhandel dar. Wir machen eine einfache Rechnung: Im September 2018 führte die US-Regierung Sonderzölle in Höhe von 10% auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden US-Dollar ein. Bei unverändertem Warenstrom verteuerten sich die Importe für die USA dadurch um 20 Milliarden US-Dollar. Die Sonderzölle erhielten deshalb zu Recht große mediale Aufmerksamkeit. Seit Jahresbeginn bis Mitte April stieg der Renminbi auf Grund der überraschend starken chinesischen Wirtschaftszahlen um 2,85% zum US-Dollar. Die Vereinigten Staaten importierten chinesische Waren im Wert von 557,9 Milliarden US-Dollar. Durch die Veränderung des Wechselkurses, verteuerte sich die Einfuhr in die USA um 15,9 Milliarden Dollar. Fast ebenso stark wie die Sonderzölle also, allerdings ohne mediales Echo. In Reaktion auf die sich wieder zuspitzenden Handelsgespräche zwischen den beiden Ländern gab der Renminbi diese Kursgewinne bis dato wieder vollständig ab. US-Importe aus China wurden langfristig also wieder um 15,9 Milliarden US-Dollar günstiger. Um die zuletzt von 10% auf 25% erhöhten Zölle auszugleichen, müsste der Renminbi noch weitere 5,5% zum US-Dollar abwerten. Das ist plausibel. Im Vorjahr sackte der Renminbi zum Dollar zwischenzeitlich um mehr als 10% ab. In dieser stark vereinfachten Rechnung wären die Sonderzölle in Höhe von 25% damit wieder vollständig ausgeglichen.

Zölle sind für China kein geeignetes wirtschaftspolitisches Instrument

Die gängige Lesart mag stimmen, dass Chinas verhaltene Gegenreaktion neuer Handelszölle auf US-Waren im Umfang von lediglich 60 Milliarden US-Dollar ein Zeichen des guten Willens war, um die Gespräche mit den USA in Gang zu halten. Für ein Land, dass deutlich mehr in die USA exportiert (557,9 Milliarden US-Dollar) als es importiert (179,3 Milliarden US-Dollar) stellen Zölle aber jedenfalls kein geeignetes wirtschaftspolitisches Instrument dar. Dagegen ist die Währung deutlich wirksamer, da sie aus Sicht Chinas nicht nur die Exporte in die USA subventioniert, sondern auch die Importe aus den Vereinigten Staaten verteuert. Trump behauptete zu Beginn der wirtschaftlichen Auseinandersetzung mit China, dass Handelskriege einfach zu gewinnen seien, wenn du mehr importierst als dein Gegner. Wenn es nur um Zölle ginge, hätte er vielleicht Recht.

Wie mächtig ist der Währungstrumpf der Chinesen?

Der Renminbi ist für die Kapitalmärkte eine ebenso gefährliche Waffe, wie die Handelszölle selbst. Schon die Jahre 2015 und 2016 zeigten, wie deutlich die US-Börsen auf scharfe Abwertungen der chinesischen Währung reagieren. Ein Warnzeichen an den US-Präsidenten, der den Erfolg seiner Politik am Indexstand des Dow Jones abliest.