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03.06.2014

Trotz Problemen besser dran als 1997

Die Angst vor einer Asienkrise wie 1997 sei unbegründet, schließt eine Studie von Allianz Global Investors aus den Fundamentaldaten der Schwellenländer. Langfristig könnten der Währungen sogar wieder aufgewertet werden.

Martin Bruckner, CIO Allianz Gruppe Österreich

Martin Bruckner, CIO Allianz Gruppe Österreich

Foto: Allianz Gruppe Österreich

Rund ein Drittel des seit Ende 2008 in Schwellenländeranleihen investierten Kapitals wurde in den letzten neun Monaten abgezogen, in erster Linie von Privatanlegern, welche die Situation an den Märkten mit der Asienkrise 1997 zu vergleichen schienen. Zu Unrecht, wie eine aktuelle Studie von Allianz Global Investors zeigt. „Die fundamentale Situation in den meisten Schwellenländern ist heutzutage nicht vergleichbar mit der Situation Mitte der 1990er Jahre. Viele Wachstumsländer haben größtenteils ihre Leistungsbilanzdefizite in Leistungsbilanzüberschüsse verkehrt und ausreichend Devisenreserven angehäuft“, kommentiert Martin Bruckner, Vorstandsmitglied der Allianz Investmentbank und Chief Investment Officer der Allianz Gruppe in Österreich, die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung.

Devisenreserven mehr als verdoppelt

Wirft man einen Blick auf volkswirtschaftliche Indikatoren, so lassen sich bei den Emerging Markets einige positive Entwicklungen seit 1997 feststellen: Das Wirtschaftswachstum der Schwellenländer liegt deutlich über jenem der Industrieländer, auch der Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt hat sich von 1997 auf 2013 auf knapp 40 Prozent verdoppelt. Verfügten die aufstrebenden Staaten noch Mitte der 1990er Jahre über lediglich rund 30 Prozent der weltweiten Devisenreserven, so sind es mittlerweile knapp 70 Prozent. Ebenso stellt sich die Situation bei der Auslandsverschuldung dar: Lag die gesamte Auslandsverschuldung vieler Emerging Markets bei 36 Prozent des BIP, liegt sie aktuell auf 25 Prozent des BIP, nahe einem 30-Jahrestief. Länderbezogen weist beispielsweise Thailand eine Auslandsverschuldung von 36 Prozent des BIP aus, nach über 70 Prozent im Jahr 1997. Ähnlich Indonesien, wo sich die Auslandsverschuldung im selben Zeitraum von über 60 Prozent auf unter 30 Prozent mehr als halbiert hat. Nicht verbessert haben sich hingegen die Leistungsbilanzen bei einigen großen Ländern. Insbesondere Indonesien und Indien fallen hier aus der Reihe: Sie weisen laut IWF nach wie vor ein Leistungsbilanzdefizit aus, das sich im Vergleich zu Mitte der 1990er Jahre sogar noch ausgeweitet hat. Ähnlich sieht es auch mit den Leistungsbilanzen Brasiliens, Südafrikas und der Türkei aus.

Private Verschuldung trübt das Bild

Die Staaten haben zwar ihre relative Verschuldung reduziert, allerdings haben die privaten Haushalte und Unternehmen bei Krediten ordentlich zugegriffen: So erhöhte sich die Privatverschuldung beispielsweise in der Türkei von Ende 2007 bis zum zweiten Quartal 2013 um 24 Prozentpunkte auf 65 Prozent des BIP. Eine ähnliche Entwicklung wurde auch in Brasilien und Malaysia (Anstieg um jeweils 28 Prozentpunkte auf 74 Prozent bzw. 137 Prozent des BIP), Thailand (Anstieg um 26 auf 123 Prozent des BIP), Singapur (Anstieg um 29 Prozentpunkte auf 136 Prozent des BIP) sowie in China und Hongkong beobachtet. Bei den beiden Letzteren stieg die private Verschuldung gar um 63 Prozentpunkte auf über 180 Prozent bzw. 67 Prozentpunkte auf über 260 Prozent des BIP, so die Studie.

Anleihe-Renditen sind auf Augenhöhe mit US-Aktien

Aufgrund der von Land zu Land unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklungen sollte man bei Investments innerhalb der Emerging Markets sehr selektiv vorzugehen, empfiehlt Stefan Scheurer, Studienautor bei Allianz Global Investors: „Aktives Management ist entscheidend. Schwellenländeranleihen stellen eine gute Ergänzung in jedem Anlegerportfolio dar.“ Vor allem institutionelle Anleger scheinen die Vorteile von Schwellenländeranleihen erkannt zu haben: Von 2003 bis 2013 haben Staatsanleihen und Unternehmensanleihen aus Schwellenländern eine durchschnittliche jährliche Rendite von 10,36 Prozent bzw. 8,43 Prozent erwirtschaftet, die maximalen Verluste pro Jahr lagen bei 10,91 Prozent bzw. 16,81 Prozent. „Damit ähneln Schwellenländeranleihen vom Renditepotenzial von US-Aktien oder US-Hochzinsanleihen, sind aber deutlich defensiver in schlechten Marktphasen“, erklärt Scheurer.

Wirft man einen Blick auf künftige Entwicklungen, sollte die Entscheidung der US-Notenbank, ihr Anleiheaufkaufprogramm sukzessive zurückzufahren („Tapering“), auch als ein Zeichen der konjunkturellen Erholung gesehen werden. „Eine wirtschaftliche Belebung in den USA und auch in Europa kann positiv für die globalen Wachstumsländer in Asien, Lateinamerika und Osteuropa sein. Das lässt auch mittel- bis langfristig eine reale Aufwertung vieler globaler Emerging Markets-Währungen gegenüber dem US-Dollar erwarten“, meint Scheurer.