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02.02.2011

Templeton Growth Fund: Auf Cindy Sweeting folgt Norm Boersma

 Norm Boersma löst Cindy Sweeting als Manager des Franklin Templeton Growth Fund mit März 2011 ab. Sweeting managte den Fonds seit Ende 2007. Der vorherige Manager war der Schotte Murdo Murchison, der den Fonds im Januar 2001 von Mark Holowesko übernahm. Der Fonds gehört zu den großen Flaggschiffen der Branche. Norm Boersma befand sich am Montag auf Österreich-Stipp-Visite in Salzburg. Im Interview mit Fonds exklusiv erklärt er, was er mit dem Schwergewicht vor hat. 

FONDS exklusiv: Inwiefern wird sich Ihre Strategie von jener von Cindy Sweeting unterscheiden, was möchten oder werden Sie anders tun als Ihre Vorgängerin? 
 
Norm Boersma: Das globale Investmentteam aus 37 Analysten und Portfoliomanagern in Büros in aller Welt richtet sich nach wie vor nach der wertorientierten, langfristigen Bottom-up-Investmentdisziplin, die von Sir John Templeton vor über 50 Jahren eingeführt wurde. Ich werde die bewährte Anlagestrategie in Zusammenarbeit mit der breit aufgestellten Templeton Global Equity Group weiter umsetzen. Die anderen Manager im Portfolioteam in Nassau bleiben, und die Anlageideen werden auch künftig von Templetons globalem Team von Analysten und Investmentexperten kommen, was die Integrität der Investmentdisziplin und eine reibungslose Umstellung sicherstellt.
Unser Teamansatz für Research und Portfoliomanagement, zu dem alle Mitglieder des Teams Research-Ideen und kritisches Feedback beitragen, sorgt im Falle des Fondsmanagerwechsels für Kontinuität. Die Funktion des Portfoliomanagers ist nur ein Element unseres übergeordneten Anlageverfahrens. 
 
FONDS exklusiv: Angesichts von immer ausgeklügelteren Strategien in der Fondswelt wie Absolute Return, Vola-Control etc. welche Daseinsberechtigung haben noch die klassisch gemanagten Fonds wie der Franklin Templeton Growth Fund einer ist? 
 
Norm Boersma: Die oben genannten Begriffe mögen auf raffinierte Strategien verweisen, doch nicht alle "Fondsinnovationen" der letzten Jahre werden langfristig punkten können. Wir glauben, dass unser einfaches Modell - in hochkarätige unterbewertete globale Unternehmen zu investieren ohne komplexe, manchmal auch kostspielige Finanzinstrumente hinzuzufügen - nie seine "License to Exist" verlieren wird. Dafür waren wir in der Vergangenheit zu erfolgreich und wir sind zuversichtlich, dass wir es mit dem aktuellen Portfolio auch wieder sein werden. Ich bin der festen Überzeugung: Substanz- und Finanzstärke werden in der vor uns liegenden Marktperiode die entscheidenden Schlüssel für Erfolg sein.
Erst mit der Zeit entwickeln unterbewertete Aktien ihr volles Potenzial. In den vergangenen Jahren hat sich die Konzentration auf Qualität am Aktienmarkt für die Investoren leider nicht immer ausgezahlt. Dies dürfte sich jedoch in den nächsten Jahren wieder normalisieren. Unseren Analysten und ihre langjährige Expertise für ihre Aktienauswahl sind der Schlüssel zum Erfolg. Nicht viele Asset Manager können den hohen Research-Aufwand betreiben, den wir in der Templeton Global Equity Group verfolgen. Wir sind mit dem Templeton Growth auf einem sehr guten Weg, wissen aber auch, dass wir noch einiges an Wegstrecke vor uns haben. 
 
FONDS exklusiv: Ist die Größe des Fonds nicht auch seit Jahren ein Hemmschuh bei der Flexibilität des Investments? 
 
Norm Boersma: Nein, wir sehen nach wie vor eine große Bandbreite an unterbewerteten Aktien. Sie dürfen nicht vergessen, wir investieren ausschließlich nach dem bewährten Value-Prinzip, d.h. wir kaufen wenn uns aufgrund der negativen Meinung anderer Investoren genug Anteile eines Unternehmens zur Verfügung stehen. Der Value-Investmentstil, so wie wir ihn implementiert haben, bedeutet aber auch zu verkaufen wenn die Begeisterung für einen Titel kurz vor dem Höhepunkt steht. Große Positionen können in solch hitzigen Zeiten relativ einfach wieder verkauft werden.
Wir sind mit unserer Strategie also, wenn Sie wollen, entgegen dem Kauf- und Verkaufsstrom und entgehen somit Engpässen. Von einem Hemmschuh durch Größe kann bis jetzt nicht die Rede sein. 
 
FONDS exklusiv: Der US-Anteil im Fonds ist recht groß, was macht das Fondsmanagement für US-Aktien im Allgemeinen und für jene im Portfolio optimistisch? 
 
Norm Boersma: Obwohl am 31. Dezember 2010 technisch gesehen nach Regionen der größte Anteil am Fondsportfolio auf Europa entfiel, übersteigt dieser unser US-Engagement nur geringfügig. Beide Regionalpositionen stellen jeweils rund 43% des Portfolios. Als Bottom-up-Stockpicker vermeiden wir makroökonomische Projektionen. Unsere regionale Portfolioaufteilung hat weniger mit unserer Perspektive von den Konjunkturaussichten eines bestimmten Landes zu tun als mit der Konzentration auf die Wertchancen, die wir ausfindig machen. Die Vereinigten Staaten sind nach Kapitalisierung der größte Markt der Welt. Daher ist es keine so große Überraschung, dass wir in dieser enorm großen Investmentregion maßgebliche Chancen entdecken. Außerdem liegt der US-Markt in seiner globalen Vergleichsgruppe über fünf und zehn Jahre zurück, was für übersehene Anlagechancen bei unpopulären regionalen Aktien spricht.
Doch trotz seiner enormen Größe und der Performance-Belastungen der letzten Jahre finden wir auf dem US-Markt (im Verhältnis zu seinem Volumen) weniger Wertpotenzial als anderswo. Deshalb sind wir in der Region mit 42,9% gegenüber der Benchmark-Allokation des MSCI World Index von 54,5% auch untergewichtet. Während unser 43%iger US-Anteil am Portfolio darauf hinweist, dass wir auf Einzeltitelebene hier verschiedentlich reizvolles Wertpotenzial erkennen, zeigt unsere Untergewichtung um rund 1.200 Basispunkte gegenüber dem Index, dass wir auf dem US-Markt im Verhältnis zu anderen Regionen eine geringere Wertkonzentration wahrnehmen. 
 
FONDS exklusiv: Ein Blick auf den Fonds belegt weiters einen starken Schwerpunkt auf der EU-Region, insbesondere auf England und Frankreich. Was sind die Gründe für diesen Fokus? 
 
Norm Boersma: Auch unser Engagement in diesen Regionen wird nicht von unseren Erwartungen bezüglich ihrer Wirtschaftswachstumsaussichten bestimmt. Unsere Übergewichtung in Großbritannien und Frankreich zeigt vielmehr, dass wir in diesen Regionen vermehrt Wertchancen wahrnehmen. Vielfach sind die Unternehmen dieser Märkte, deren Aktien wir kaufen, weit über ihre Landesgrenzen hinaus tätig und die Bewertungen sind aufgrund des Unternehmenssitzes gedrückt. Das stellt eher eine Chance dar als ein Problem. Sir John Templeton hat gesagt: "Wer Schnäppchen machen will, muss herausfinden, wo die breite Masse am pessimistischsten ist." Anlagen in Regionen mit geringen Wachstumserwartungen stellen oft die interessantesten Chancen dar, da die Aktienbewertungen übergeordnete Bedenken in Bezug auf regionale Aussichten widerspiegeln und die fundamentalen Merkmale auf Unternehmensebene ignorieren, die am Ende die langfristige Wertentwicklung steuern. 
 
FONDS exklusiv: Die Emerging Markets, die im letzten Jahr besser abgeschnitten haben als die Industrieländer, sind in Ihrem Portfolio untergewichtet. Wann werden die Schwellenländer angesichts ihrer wachsenden Bedeutung für die Weltwirtschaft in Ihrem Fonds eine größere Rolle spielen? 
 
Norm Boersma: Auch das ist eine Frage der Bewertung. Die Schwellenmärkte notierten in der Vergangenheit mit Abschlag auf die Industrieländer, um die Investoren für die mit der direkten Investition in unausgereifte, weniger stabile Märkte verbundenen höheren Risiken zu entschädigen. Dieser Trend hat sich vor kurzem umgekehrt. Viele Schwellenmärkte weisen inzwischen einen Aufschlag auf die Industrieländer auf. Es gilt zu bedenken, dass die am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften oft nicht die gewinnträchtigsten Anlagen bieten. In einer globalisierten Welt, in der die Kapitalflüsse auf Wachstum ausgerichtet sind, sorgen zu viel Kapital und zu hohe Investitionen für fallende Kapitalrentabilität, wenn heftiger Wettbewerb um Marktanteile entbrennt. Dadurch wird nicht nur das zugrundeliegende operative Umfeld für regionale Unternehmen beeinträchtigt, sondern die Kapitalströme treiben auch die Bewertungen dieser Unternehmen in die Höhe. Solche Bedingungen können Spekulationsblasen, Währungskrisen und harsche politische Reaktionen nach sich ziehen - wertvernichtende, häufig mit Kapitalströmen in Schwellenmärkte einhergehende Ereignisse, wie wir sie im Laufe unserer Investmentkarriere schon wiederholt erlebt haben. Wir weisen auch darauf hin, dass die Volatilität in den Schwellenmärkten in der Vergangenheit hoch war. 
 
FONDS exklusiv: Wo sind die Chancen mit Blick auf die globalen Märkte 2011 am größten? 
 
Norm Boersma: Wir erkennen nach wie vor reizvolle Value-Chancen in Sektoren und Regionen in aller Welt, vor allem bei höher kapitalisierten, global diversifizierten Unternehmen aus den Sektoren Gesundheit, Telekommunikation, Informationstechnologie und zyklische Konsumgüter. Aber auch anderswo zeichnen sich vereinzelt Gelegenheiten ab, allen voran unter gut aufgestellten Unternehmen aus den Sektoren Finanzen, Industrie und Energie, die Cashflows generieren.
Der im Fonds am stärksten übergewichtete Sektor ist das Gesundheitswesen. Diese Übergewichtung hat unsere Wertentwicklung in letzter Zeit beeinträchtigt, da europäische Regierungen im Rahmen ihrer Sparmaßnahmen über eine Verringerung der Erstattungssätze für die Pharmaindustrie nachdachten und US-Politiker über weitgreifende Gesundheitsreformen diskutieren. In Bezug auf unsere ausgewählten Positionen sind wir aber weiterhin zuversichtlich.