Meldungen | Anleihen
05.02.2015

Staatsanleihenmarkt im Umbruch

2014 konnten geschickte Anleihemanager noch zweistellige Renditen aus den Euro-Staatsanleihen herausholen. Nach dem Eingreifen der Notenbank müssen sich Anleger in diesem Jahr mit weit weniger begnügen, sagt Olivier de Larouzière, von Natixis Global Asset Managers.

Olivier de Larouzière, Head of Interest Rates, NGAM

Olivier de Larouzière, Head of Interest Rates, NGAM

Foto: Natixis

Mit Staatsanleihen reale Erträge zu erzielen, ist nicht leicht dieser Tage. Die Zinsen sind auf einem absoluten Tiefpunkt, kürzere Laufzeiten haben mitunter sogar negative Erträge. Gekauft werden sie trotzdem, weil einerseits die Regularien nicht viele Alternativen zulassen und andererseits, weil ein Anstieg der Zinsen erwartet wird. Früher oder später. Was können Fondsmanager tun, um doch mehr aus den „langweiligen“ Papieren herauszuholen, ohne sich riskante bis exotische Länder ins Portfolio zu legen? Olivier de Larouzière, Head of Interest Rates und Senior Portfolio Manager bei Natixis Global Asset Managers, hat es 2014 immerhin geschafft, rund 13 Prozent mit den „Govies“ zu machen. Wie das geht, erklärte er vor Journalisten bei einem Wien-Besuch anhand eines Beispiels: „Angenommen ich bekomme für eine 10-jährige Anleihe 0,5 Prozent. Nach einem Jahr beträgt die Restlaufzeit 9 Jahre und die Zinsen sind 15 Basispunkt geringer. Die Rendite beträgt dann nach einem Jahr aber nicht 0,5 Prozent, sondern 1,46 Prozent“. Möglich sei das durch den Effekt, der als „Rolling down the yield curve“ bezeichnet wird. Dabei macht sich der Fondsmanager die Veränderung des Anleihekurses zu Nutze. Dieser steigt zunächst an und fällt dann wieder bis er am Ende der Laufzeit den Nennwert der Anleihe erreicht hat („Pull-to-par“).

 

Sekundärmarkt ist trockengelegt

 

Der Anleihen-Experte ist auch davon überzeugt, dass es mit den Zinsen noch weiter runter geht. Sogar die 10-jährigen Staatsanleihen könnten bei einigen Emittenten negativ werden: „Das liegt vor allem an der Notenbankpolitik, die so aggressiv ist wie nie zuvor. Die EZB hat die ganz große Bazooka ausgepackt und leitet massiv Liquidität in den Markt. Anleihen ohne Risiko haben praktisch eine Null-Performance. Die Anleger sollen dadurch zu riskanteren Investments motiviert werden.“ Ein anderer Effekt des Quantitative Easing ist, dass der Anleihemarkt immer illiquider wird, d.h. man bekommt die wünschten Papiere nicht oder finden für die eigenen keine Käufer. „Die Anleihen am Sekundärmarkt werden mit dem EZB-Geld aufgekauft. Das heißt ich muss auf den Primärmarkt, was für Anleihemanager bisher unüblich war“, sagt de Larouzière. „Um einen Vergleich zu geben: Die 60 Milliarden Euro pro Monat, die die EZB angekündigt hat, sind das doppelte Volumen der neuen Anleihe-Emissionen, die die Euro-Länder jedes Monat begeben.“ Die Möglichkeit nocheinmal zweistellig zu performen sieht er für seinen Fonds derzeit nicht. Mehr als 4 Prozent sei 2015 auch mit Duration-Management realistischerweise nicht zu erwarten. Überraschungen seien, wenn überhaupt, am ehesten noch aus den USA zu erwarten.