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30.07.2020

Sind EM-Hartwährungsbonds noch attraktiv?

Die Credit-Spreads der Schwellenländer böten immer noch Investitionsmöglichkeiten, findet Leo Hu, Co-Lead Portfolio Manager EMD HC bei NNIP. Die Schwellenländer profitierten von unterstützenden Kreditprogrammen.

Leo Hu, Portfoliomanager, NNIP

Leo Hu, Portfoliomanager, NNIP

NNIP

Seit ihrem Zehnjahreshoch im März und April 2020 haben sich die Credit Spreads der Schwellenländer wieder deutlich verengt. Die schnelle Trendwende wurde durch das Erreichen des Tiefpunkts bei den Fundamentaldaten, die unterstützenden Maßnahmen der Fed und die äußerst attraktiven Bewertungen ausgelöst. NN Investment Partners (NNIP) ist davon überzeugt, dass selbst nach der starken Erholung Hartwährungsanleihen von Schwellenländern bei den derzeitigen Spread-Niveaus eine interessante Investitionsmöglichkeit bieten. Die Entwicklungsländer werden von unterstützenden Kreditprogrammen und Zinssätzen nahe Null in den entwickelten Märkten profitieren. Außerdem könnte vor dem Hintergrund der historischen Renditeentwicklungen die Zeit der Spread-Einengung noch lange nicht vorbei sein.

Die Corona-Krise war für die weitesten Credit-Spreads in den Schwellenländern seit der globalen Finanzkrise verantwortlich. Wie NNIP seinerzeit anmerkte, stellte diese Spread-Ausweitung für Emerging Market Debt Investoren eine bedeutende Investmentgelegenheit dar. Trotz rekordverdächtiger Emissionen stiegen die Spreads rasant an. Zwar befinden sie sich nicht mehr auf extremen Niveaus, orientieren sich aber an dem Niveau kleinerer Krisen wie der griechischen Schuldenkrise 2011. Auch im derzeitigen Umfeld glaubt NNIP, dass aus dieser Anlageklasse noch immer Wert zu schöpfen ist.

Vergangenheitswerte zeigen, dass sich die Spreads wahrscheinlich weiter verengen werden. „Während der globalen Finanzkrise, in dem Jahr, das acht Wochen nach dem Höchststand der Spreads begann, lagen die Renditen von Staatsanleihen aus Schwellenländern bei fast 30 Prozent“, sagt Leo Hu, Co-Lead Portfolio Manager EMD HC bei NNIP. „Ähnliche Trends lassen sich nach weniger schwerwiegenden Ausverkäufen wie der griechischen Schuldenkrise beobachten.“ Angesichts des attraktiven Risiko-Ertrags-Verhältnisses sollte man in den Kreditmärkten der Schwellenländer investiert bleiben, da ein richtiger Zeitpunkt schwer vorherzusagen ist und die Liquidität schwanken kann. Emerging Market Credit wird in einer Welt, in der die Zinssätze in den entwickelten Märkten über einen längeren Zeitraum nahe Null liegen, auch weiterhin einen bedeutenden Carry generieren.

Noch keine wirtschaftliche Erholung

Die Schwellenländer sind noch weit von einer wirtschaftlichen Erholung entfernt. Die Erdölexporteure haben nach wie vor mit den negativen Auswirkungen gesunkener Preise und Mengen zu kämpfen – die Brent-Rohöl-Futures für das bisherige Jahr sind um 30,9 Prozent gesunken, während Urlaubsreisen zu beliebten Destinationen vor 2021 wahrscheinlich nicht wesentlich zunehmen werden. Zudem sind die Schwellenländer durch potenzielle „Tail-Risks“, wie ein Wiederanstieg von Virusinfektionen, gefährdet. Viele Menschen in ärmeren Volkswirtschaften müssen sich dem Virus aussetzen, um zu überleben, was eine Ausbreitung erleichtert. Weitere Lockdowns könnten verheerende soziale und wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen. „Nichtsdestotrotz entwickelt sich die Gesamtlage allmählich positiv“, sagt Hu. „Die Länder verzeichnen Fortschritte bei der Behandlung, den Testmöglichkeiten, den Lieferketten für medizinische Ausrüstung, der sozialen Distanzierung und dem Tragen von Masken. Diese kleinen Fortschritte tragen zur Konsolidierung der Märkte bei.“

Die Schwellenländer profitieren auch von der Unterstützung durch den IWF und andere multilaterale Organisationen, die ihnen durch die Krise helfen dürften. Der IWF setzt erhebliche finanzielle Mittel ein, um den Ländern in dieser Notlage beizustehen. Die G20-Debt Service Suspension Initiative (DSSI) hat sogar die Rückzahlungen für die ärmsten Mitgliedstaaten der Internationalen Entwicklungsorganisation bis Ende 2020 ausgesetzt. Dieser Aufschub bedeutet, dass diese Länder nicht auf die Eurobond-Märkte zurückgreifen müssen und die bestehenden Schulden besser bewältigen können. NNIP hat Angola, Kamerun und Mosambik als Eurobond-Emittenten identifiziert, die von dieser Initiative profitieren könnten.


China – der größte bilaterale Kreditgeber für die Schwellenländer – zeigt ebenfalls ermutigende Anzeichen für mehr Transparenz und Entspannung. Das Land schloss sich der DSSI-Initiative der G20 an, um den ärmsten Ländern eine Erleichterung zu verschaffen. Präsident Xi Jinping sprach sich dafür aus, unverzinsliche Staatsdarlehen zu streichen und einige Handelsverpflichtungen der afrikanischen Länder zu überarbeiten. Angola ist ein erster Kandidat für diese Initiative. „Angolas Wirtschaft steht wegen Covid-19 und des Ölpreiseinbruchs unter Druck. Außerdem sind etwa 50 Prozent seiner gesamten Auslandsschulden gegenüber China geschuldet“, erklärt Hu. „Lokalen Presseberichten zufolge hat sich China auf ein dreijähriges Schuldenmoratorium geeinigt, was dazu beiträgt, den Liquiditätsdruck zu mindern und Barmittel freizumachen.“

US-Notenbank als wichtige Stütze

Die vielleicht größte Unterstützung für die Schwellenländer kam von der US-Notenbank, die die Zinssätze schnell auf Null senkte und ein offensives Kaufprogramm einleitete. Dies trug zur Stabilisierung der globalen Kreditmärkte bei und verhalf den US-Primärkreditmärkten zu einer Wiedereröffnung. Dies trug wiederum zur Öffnung der Schwellenländer-Primärmärkte bei und bot ihnen eine dringend benötigte Finanzierungsquelle. „Wenn die kurzfristigen US-Zinsen auf Null gesetzt sind, können bestimmte Schwellenländer-Zentralbanken ihre eigenen lokalen Zinssätze deutlich senken, um zur Wiederbelebung ihrer Volkswirtschaften beizutragen“, sagt Hu. „Nachdem die Fed das Modell des groß angelegten Anleihekaufs eingeführt hat, war es für die Schwellenländer leichter, die Monetisierung zu nutzen, um sich in dieser Krise selbst zu finanzieren und ihre heimische Wirtschaft zu schützen.“

NNIP hat folgende „Tail Risks“ für die Schwellenländer ausgemacht: ein Wiederanstieg der Virusinfektionen, Spannungen zwischen den USA und China sowie politische Verwerfungen in den USA. Dennoch stimmen starke technische Faktoren und attraktive Bewertungen den Vermögensverwalter auf kurze Sicht positiv gegenüber der EMD-Hartwährungsanleihen. Darüber hinaus zeigen die historischen Renditeentwicklungen, dass die EMD-Hartwährungsanlageklasse auch mehrere Monate nach einer Krise weiterhin positiv überraschen kann.