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11.10.2012

Saxo Bank: Chefvolkswirt fordert „Mikro statt Makro“

Der Ausblick auf das 4. Quartal sieht Hoffnungsschimmer auf Ebene der Unternehmen, die nach wie vor gute Renditen einfahren.

Die dänische Saxo Bank kommt in ihrem Ausblick für das 4. Quartal zu dem Schluss, dass die Geldschwemme zur Bekämpfung der Schuldenkrise vor allem der reichen Bevölkerung und den Banken nützt. Die Experten werfen die Frage auf, wie lange und zu welchen Kosten die sozialen Unruhen in Ländern wie Spanien, Griechenland und Portugal noch in Schach gehalten werden können. Besonders beunruhigend sei die Tatsache, dass die EZB jetzt von den „Club-Med“ Ländern angeführt werde. Das Versagen der Makropolitik werde vor allem deutlich an der Rekordarbeitslosenquote von 11,2% in der EU sowie der schwachen Wachstumsprognose für Europa in diesem Jahr. „Was wir brauchen, ist ein echtes Mandat für den Wandel, damit wir den Kreislauf aus niedriger Produktivität, hohen Steuern, Kreditflaute und stagnierendem Arbeitsmarkt hinter uns lassen“, fordert Steen Jakobsen, Chefvolkswirt der Saxo Bank. Es sei nun endlich an der Zeit, das große Potenzial der Mikroökonomie auszuschöpfen. Die S&P500-Unternehmen seien – vom Finanzsektor abgesehen – gute Beispiele für eine funktionierende Mikroökonomie: „Ihre Eigenkapitalrenditen liegen in diesem Jahr bereits bei 20%. Das ist beachtlich, wenn man dies etwa der lahmen US-Gesamtwirtschaft gegenüberstellt, die zudem noch einer Fiskalklippe entgegensteuert“, so Jakobsen weiter, der zweckoptimistisch bleibt: „Die Situation ist so düster und trostlos, dass es eigentlich nur noch aufwärts gehen kann, denn sowohl in Europa als auch in den USA dürfte die Talsohle bereits erreicht sein.“

Aktien: Mit Small-Caps groß punkten

 

Das Wachstum in den entwickelten Volkswirtschaften liegt unter ihrer Trendrate, und die Saxo Bank Analysten prognostizieren weiterhin ein auf absehbare Zeit gedämpftes Wachstum. In solch einem Umfeld sind dem Gewinnwachstum der Großunternehmen gleichsam natürliche Grenzen gesetzt. Kleineren Unternehmen fällt es dagegen leichter, ihr Geschäft auszubauen. Das war bereits während der Finanzkrise zu beobachten, als viele kleine und mittelständische Unternehmen trotz der schweren Rezession zulegen konnten.
Das die Devisen betrifft so sieht sich die EU auch nach der von Draghi durchgeboxten lockeren Geldpolitik immer noch großen Herausforderungen gegenüber. Trotz der beachtlichen Rallye wird sich der Gehalt von Draghis Aussage, die Gemeinschaftswährung sei „irreversibel“, erst auf längere Sicht herausstellen. Soll der Euro in der jetzigen Form bestehen bleiben, muss entweder die Peripherie abwerten oder Deutschland Inflation in Kauf nehmen. Der EUR/USD-Wechselkurs wird jedenfalls im kommenden Jahr weiter fallen. Die Saxo Bank geht auch davon aus, dass im November weitere QE-Maßnahmen der Bank of England in Höhe von mindestens 25 Mrd. britische Pfund – eventuell sogar 50 Mrd. – angekündigt werden. Möglicherweise wird man eine Senkung des Leitzinses auf 0,25% debattieren, doch davon wird das Monetary Policy Committee (MPC) wohl Abstand nehmen, da der wirtschaftliche Nutzen eher gering sein dürfte und die Annäherung an eine Nullzinspolitik die ordnungsgemäße Funktion des Geldmarkts gefährdet.

Rohstoffe: Schwache Fundamentaldaten sorgen für Gegenwind


Die Wirkung der letzten QE-Runde wird abebben, und der Dollar dürfte wieder etwas Rückhalt finden, was auf die Rohstoffpreise insgesamt drücken wird. Die Saxo Bank-Analysten sehen weiter Gold im Aufwind, da die gestiegenen Inflationserwartungen sowie die bis 2015 wohl weiterhin niedrigen US-Zinsen dafür sorgen werden, dass die realen Anleiherenditen negativ bleiben. Die Energiepreise, die im dritten Quartal eine neue Dynamik entwickelten, konnten sich angesichts schwacher Fundamentaldaten nicht behaupten. Im Ergebnis fielen bzw. stagnierten die Preise. Dies dürfte in Q4 anhalten, sofern es nicht zu größeren geopolitischen Verwerfungen kommt.
Was das Riesenreich China anbelangt, so sei sein „Geschäftsmodell“ veraltet. Was in den ersten 33 Jahren noch gut funktionierte, passt jetzt nicht mehr zum Anspruch, sich zu einer Industrienation zu entwickeln. Das Land braucht ein Gesundheitssystem, Wettbewerb, Förderung von Erfindungs- und Innovationstätigkeit sowie einen gut funktionierenden Finanzmarkt. Aber vorerst wird China in den nächsten Jahren zwar stetiges, doch etwas niedrigeres Wachstum erzielen, während es gleichzeitig den Anpassungsprozess vorantreibt. Die Weltkonjunktur wird dies belasten, denn auf China und Asien entfallen mehr als 60 Prozent des globalen Wachstums. Die gute mikroökonomische Nachricht sei, dass dies die globalen Ungleichgewichte bei Leistungsbilanzen und Handel verringern wird.

Den vollständigen Ausblick für das 4. Quartal der Saxo Bank auf Englisch finden Sie hier.