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11.04.2012

Rothschild Asset Management: Lateinamerika erreicht wirtschaftliche Reife

Dank Ressourcenreichtum, zunehmender politischer Stabilität und der konservativen Wirtschafts- und Finanzpolitik der vergangenen Jahre hat Lateinamerika heute ein solides Fundament, um sein hohes Wachstumstempo zu halten. Dieser Meinung ist Pierre Ciret, Ökonom bei Edmond de Rothschild Asset Management. Ein Schlüsselfaktor für die positive Entwicklung sei insbesondere die Verbesserung der Handelsbilanzen der lateinamerikanischen Länder untereinander und mit Asien gewesen. Die nächste Wachstumsstufe erfordere einen wettbewerbsfähigen Industriesektor, was in einigen Ländern der Fall sei, so die Diagnose. 

Laut Pierre Ciret, Ökonom bei Edmond de Rothschild Asset Management, kommt es in Zukunft darauf an, in welche Richtung die Länder mit ihrer Wirtschaftspolitik steuern. „Auch wenn Rohstoffe eine Bereicherung sind, erfordert die nächste Wachstumsstufe einen wettbewerbsfähigen Industriesektor. Brasilien, Mexiko und Argentinien entwickeln sich in diese Richtung, aber am Fortschritt muss noch gearbeitet werden“, sagt Ciret.

 

Die jüngste und konventionellere Wirtschafts- und Finanzpolitik der Region habe ihre Fehler und Zwischenfälle im Finanzbereich der letzten Jahrzehnte, wie die Krise in Argentinien 2001, die Hyperinflation in Brasilien während der 80er und 90er Jahre sowie die chaotische Abwertung des mexikanischen Peso im Jahr 1994, ausgeglichen.

 

Chile: Unter 10 Prozent staatliche Verschuldungsquote

 

Während der letzten zehn Jahre haben es die meisten größten Länder in der Region geschafft, politische Stabilität zu erlangen, was eine Grundvoraussetzung für eine vernünftige Wirtschaftsregierung ist. Für diese großen Länder bleibt die staatliche Verschuldungsquote unter 50% (beispielsweise in Brasilien) und in Chile sogar unter 10%. In ähnlicher Weise erreichen Defizite, die als Anteil am BIP angegeben werden, höchstens 4,5% (Chile).

 

Während der Handel mit den Vereinigten Staaten weiterhin die Exporte in Lateinamerika dominiert, gelingt es der Region allmählich, den Einfluss der USA insgesamt zu reduzieren. Als Mitglied des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) bleibt Mexiko eine Ausnahme und ist in höchstem Maß von seinem nächsten amerikanischen Nachbar abhängig. Der innergemeinschaftliche Handel sowie der Süd-Süd-Handel mit anderen Schwellenländern, insbesondere in Asien, entwickeln sich schnell.

 

Individuelle Eigenschaften

 

Die Größe Brasiliens im Verhältnis zu den Nachbarländern schafft auf dem Kontinent ein Ungleichgewicht. In vielerlei Hinsicht befindet sich das Land in einer ähnlichen Position wie China in Asien. Mit einem BIP von 2.100 Milliarden US-Dollar liegt Brasilien weit vor Mexiko (1.040 Milliarden USD), Venezuela (392), Argentinien (369), Kolumbien (288), Chile (231) und Peru (157).

 

Die lateinamerikanischen Länder unterscheiden sich erheblich in der Wirtschaftsstruktur (bezüglich der relativen Sektorengewichtung) und in den Ressourcen (Landwirtschaft, verschiedene Erze, Industrie) und haben sehr unterschiedliche Stufen der institutionellen Entwicklung erreicht. Das Maß an Vertrauen in den globalen Wirtschaftszyklus und die weltweiten Aktienmärkte sowie ihre Sprunghaftigkeit variieren erheblich von Land zu Land.

 

Große nationale Unternehmen

 

Obwohl ausländische Investoren bei der industriellen Entwicklung eine bedeutende Rolle gespielt haben – zum Beispiel US-Autohersteller in Brasilien – haben sie der Entstehung und Erweiterung der großen nationalen Unternehmen in den Bereichen Bankwesen, Stahl, Einzelhandel, Nahrungsmittel und Getränke, Kommunikation oder Luftfahrt nicht entgegengestanden.

 

Lateinamerika als Schwellenregion hat viele Eigenschaften, die anderen Schwellenmärkten ähneln. Das Entstehen einer Mittelklasse erhöht die Konsumausgaben, was durch die schnelle Kreditentwicklung verstärkt wurde, auch wenn dies sehr bescheiden angefangen hat. Die Ausdehnung der Bank-Dienstleistungen verläuft genauso. Investitionen in die Industrie oder Infrastruktur sind ein weiterer Hauptwachstumstreiber.

 

Anfang des Jahres hat Rothschild Asset Management den thesaurierenden Aktienfonds Edmond de Rothschild Latin America C lanciert (ISIN:FR0011100965, WKN:A1JUQZ). Die Performance seit Begebung liegt geringfügig unter Wasser.