Meldungen | Beratung
20.07.2015

"Rahmenbedingungen für Honorarberatung müssen sich verbessern"

Das deutsche Honoraranlageberatungsgesetz ist seit einem Jahr in Kraft. Karl Matthäus Schmidt, Vorstand der Berliner quirin bank zieht Bilanz und sieht das britische Provisionsverbot als Vorbild.

Karl Matthäus Schmidt, quirin bank

Karl Matthäus Schmidt, quirin bank

Foto: quirin bank

Das Inkrafttreten des Gesetzes zur Förderung und Regulierung einer Honorarberatung über Finanzinstrumente ("Honoraranlageberatungsgesetz") jährt sich am 1. August 2015 zum ersten Mal. Aus Sicht von Karl Matthäus Schmidt, Vorstandschef der auf Honorarberatung spezialisierten quirin bank AG in Berlin, ist das Gesetz nur ein erster Schritt zur Stärkung der unabhängigen Finanzberatung in Deutschland: "Das Honoraranlageberatungsgesetz war ein wichtiger Schritt, um den Boden für die Honorarberatung in Deutschland zu bereiten. Das Gesetz stärkt die unabhängige Finanzberatung. Gleichzeitig hat sich aber gezeigt, dass das Gesetz in einigen wichtigen Punkten zu kurz greift." Insbesondere kritisiert Schmidt, dass das Gesetz noch nicht auf sämtliche Anlageprodukte angewendet wird: "Nach wie vor umfasst die Honorarberatung keine Versicherungen - für Anleger, die sich ganzheitlich unabhängig beraten lassen möchten, ist dies schwer nachvollziehbar. Wir begrüßen jedoch die Initiative des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz, auch bei der Beratung über und der Vermittlung von Versicherungen die Honorarberatung gesetzlich zu verankern."

Keine Absetzbarkeit

Für Anleger sind Honorare weiterhin nicht steuerlich absetzbar, was ein großer Nachteil für die Honorarberatung sei: "Die steuerliche Gleichstellung von Honoraren und Provisionen ist zwingend zu regeln. Heute wirken sich Provisionen steuermindernd auf die Abgeltungssteuer aus, Honorare dagegen nicht", erklärt Schmidt. Problematisch sei nach Ansicht von Schmidt auch, dass es zwar die geschützten Bezeichnungen "Honorar-Anlageberater" oder "Honorar-Finanzanlagenberater" gebe, der Begriff "Honorarberater" aber ungeschützt sei. Für Verbraucher sei daher überhaupt nicht klar, was sich hinter dem jeweiligen Begriff verberge. "Wir brauchen eine klare Bezeichnungspflicht, die es dem Verbraucher ermöglicht, das jeweilige Vertriebsmodell unmittelbar zu erkennen. Deshalb plädiere ich dafür, dass sich provisionsvergütete Berater als Vermittler ausweisen und sich nur echte Honorarberater als Berater bezeichnen dürfen", sagt Schmidt.

Provisionsverbot führe zu Professionalisierung

In Großbritannien sind Provisionen bei Vorsorge- und Investmentprodukten für Makler bereits 2013 im Rahmen der Retail Distribution Review (RDR) verboten worden. „Nach einer von der britischen Finanzbehörde FCA Ende 2014 veröffentlichten Untersuchung haben sich die Qualitätsstandards in der Beratung seitdem verbessert“, so Schmidt. Mit Blick auf den möglichen Zugang zu Finanzberatung zeige die Untersuchung, dass es zwar eine Konzentration unter den Bankberatern gegeben hat, die Zahl der freien Finanzberater jedoch stabil geblieben ist. Gleichzeitig seien die Erlöse auf Seiten der unabhängigen Finanzberater sogar gestiegen. Eine Studie des Analysehauses Fundscape im Auftrag des Luxemburger Fondsverbands ALFI belegt, dass sich zunehmend unterschiedliche Marktsegmente in Großbritannien herausbilden. So haben sich vor allem Online-Plattformen stark entwickelt, über die Produkte gekauft werden können, wo jedoch in der Regel keine Beratung stattfindet.