Meldungen | Emerging Markets, Marktkommentar
13.03.2012

„Putins dritte Amtszeit wird durch ein Reformprogramm geprägt sein“

Marcus Svedberg, Chefökonom des schwedischen Vermögensverwalters East Capital, nennt fünf Gründe, warum die russische Wirtschaft gerade einen Aufschwung erlebt.

Marcus Svedberg, East Capital

Marcus Svedberg, East Capital

Während in den letzten Wochen alles im Schatten der Präsidentschaftswahl stand, war es die russische Wirtschaft, die für Überraschungen sorgte. Das hat im wesentlichen vier Gründe:
1. Die Kombination aus einer differenzierteren Geldpolitik, Kapitalabflüssen und fallenden Lebensmittelpreisen haben die Inflation unter 4% gedrückt. Damit erreichte die Inflation den tiefsten Stand aller Zeiten.
2. Die Binnenwirtschaft ist sehr stark. Besonders im Herbst und im Winter gab es einen starken Einzelhandel. Trotz eines leichten Abschwungs im Januar, bleibt der Konsum der wichtigste Wachstumstreiber.
3. Export und Industrieproduktion waren überraschend stark. Dies hängt teilweise mit den steigenden Ölpreisen zusammen, dennoch ist ein Wachstum der Industrieproduktion um 3,8% im Januar ein Zeichen der Stärke.
4. Seit Anfang des Jahres wertete der Rubel um 10% auf. Die Aufwertung hängt mit den steigenden Ölpreisen zusammen, wahrscheinlich aber auch mit den Kapitalabflüssen, die den Rubel während des letzten Herbstes unter Druck setzten.
5. Es wurden einige strukturelle Änderungen durchgeführt. Drei der markantesten Abzinsungsfaktoren wurden in den letzten Monaten entweder reduziert oder komplett beseitigt. Russland ist der WTO beigetreten, Unternehmen zahlen jetzt eine höhere Dividende und die russische Bevölkerung wächst wieder.
Wie wird Putin nun die Wirtschaft steuern und wie werden Investoren die Entwicklungen in Russland wahrnehmen? Hier kommen wahrscheinlich die Demonstranten ins Spiel. Obwohl sie die Wahl nicht beeinflussen konnten, gibt es Gründe daran zu glauben, dass sie die Politik nach den Wahlen beeinflussen werden. Die Demonstrationen waren stark genug, um den Kreml unter Druck zu setzen. Deshalb glauben wir, dass Putins dritte Amtszeit, wie auch schon seine erste, durch ein selektives Reformprogramm geprägt sein wird. Obwohl sich Geschichte nicht wiederholt, war die Zeit zwischen 2002-2004 die beste für die russischen Aktienmärkte und die Wirtschaft.