Meldungen | Marktkommentar
09.12.2016

"Politische Unsicherheit in den USA und Europa sorgt für höhere Volatilität"

James Bateman, Global Chief Investment Officer für Multi Asset bei Fidelity International, rechnet weder für Anleihen noch für Aktien mit einem ruhigen Jahr 2017.

James Bateman, CIO Multi Asset Fidelity

James Bateman, CIO Multi Asset Fidelity

Foto: Fidelity

Auch 2017 könnte ein Jahr voller Überraschungen werden, die sich per definitionem nicht vorhersagen lassen. Aber einige Themen sollten Anleger im Hinterkopf behalten. Dazu gehört – nach Trumps Wahlsieg – eine Wiederaufnahme fiskalpolitischer Stimulusmaßnahmen, um die Wirtschaft in den Industrieländern anzukurbeln. Wenn es so kommt, könnte das das Ende der Blase an den Anleihemärkten bedeuten. Anleger sollten mit stärkerem Wachstum und höherer Inflation rechnen, auch wenn ich zu bedenken gebe, dass die Zinsen weniger schnell steigen könnten als vom Markt erwartet. Denn aller Voraussicht nach werden die Regierungen Druck auf ihre „unabhängigen“ Zentralbanken ausüben, vorübergehend höhere Inflationsraten als Preis für eine Belebung ihrer schleppenden Wirtschaft zu tolerieren. Bis auf weiteres mag die Duration der erklärte Feind sein, aber dennoch gibt es nach wie vor Bereiche mit Wertpotenzial an den Anleihemärkten. Hierzu gehören vor allem Schwellenländeranleihen in Landeswährung. Sie könnten Anlegern ähnliches Aufwärtspotenzial wie Emerging-Markets-Aktien bieten, jedoch bei deutlich weniger Abwärtsrisiko und ausgestattet mit erheblichem Renditepuffer.

Auf der Aktienseite dürften Dividendentitel, die den Bullenmarkt seit 2009 kräftig angetrieben haben, viel von ihrem Glanz verlieren, wenn die Zinsen den Nullpunkt hinter sich lassen. Denn damit kehrt sich auch die Suche nach Rendite um, die Anleger dazu zwang, immer höhere Risiken einzugehen. Value-Aktien mussten seit der Finanzkrise erheblich Federn lassen. Ihnen könnte nun ein Comeback bevorstehen. Ob über aktive oder Smart-Beta-Strategien: Eine Anlage in Value-Aktien dürfte verglichen mit dem Gesamtmarkt bessere Resultate hervorbringen.

Ganz gleich, wie sich die Wirtschaftspolitik Trumps mittelfristig auswirkt: Schon heute sollten wir mit höherer Volatilität rechnen. Denn Trump und die Geopolitik insgesamt werden die Märkte zwischen Angst und Gier schwanken lassen. Von den möglichen politischen Umwälzungen in Europa im Zuge der Neuverhandlung der Beziehung zwischen Großbritannien und der Eurozone und den Wahlen in Frankreich und Deutschland ganz zu schweigen. Sie könnten eine kurzzeitige Trendumkehr an den Aktien- und Anleihemärkten sowie bei den Sektoren bewirken. Für Anleger ist es daher vermutlich sinnvoll, sich gegen Extremereignisse etwas abzusichern – beispielsweise über Engagements am Gold- und Ölmarkt. Zudem dürfte sich aktives Management ebenso auszahlen wie der Kauf von Risikoanlagen nach Schwächephasen und deren Reduzierung nach Erreichen von Bestmarken. Eine statische Allokation ist in 2017 aus heutiger Sicht jedenfalls nicht zu empfehlen.