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10.11.2017

Platz 8 für Deutschland im OECD-Nachhaltigkeits-Ranking

Der Assetmanager Degroof Petercam sieht Stärken bei Umwelt, Hochschulbildung, Innovation und Wirtschaft und Aufholbedarf bei Langzeitarbeitslosigkeit, Bildungssystemen und Erneuerbaren Energien.

Ophélie Mortier, Responsible Investment Strategist bei Degroof Petercam AM

Ophélie Mortier, Responsible Investment Strategist bei Degroof Petercam AM

Degroof Petercam AM

Bereits seit 2007 bewertet Degroof Petercam AM neben den Schwellenländern auch OECD-Staaten anhand ihrer Nachhaltigkeitsprofile. Fünf Kriterien stehen dabei im Fokus der eigenen Methodologie: „ransparenz und demokratische Werte, Umwelt, Bildung und Innovation, Gesundheit und Vermögensverteilung der Bevölkerung sowie Wirtschaft. Bei Umwelt, Innovationen, Wirtschaft und Hochschulbildung kann sich Deutschland von anderen führenden OECD-Staaten, wie Dänemark oder der Schweiz, in einzelnen Aspekten abheben. Das resultiert im aktuellen OECD-Nachhaltigkeits-Ranking von Degroof Petercam AM in einem 8. Platz, wie auch schon im ersten Halbjahr 2017.

Vorreiter bei Umweltinnovationen aber nicht fit für die Energiewende

In der Nachhaltigkeitsanalyse von Degroof Petercam AM schneidet Deutschland unter allen europäischen OECD-Staaten wirtschaftlich am stärksten ab. Überdurchschnittlich sind folglich auch die technischen Innovationen in der deutschen Wirtschaft. „Besonders gut ist das deutsche Scoring im Bereich der Umweltinnovationen“, sagt Ophélie Mortier, Responsible Investment Strategist bei Degroof Petercam AM. „13 Prozent aller angemeldeten Patente entfallen aktuell auf die Umwelt. In der Schweiz, einem der weltweit innovativsten Länder, sind dies im Vergleich nur 8 Prozent.“ Im Bereich Umwelt und Ökologie erzielt Deutschland ebenfalls Topwerte und muss sich lediglich Spitzenreiter Dänemark geschlagen geben. Dort sind zum Beispiel Luftqualität, die biologische Vielfalt und der Anteil Erneuerbarer Energien am gesamten Energiemix noch etwas besser. „Allerdings sollte Deutschland die Erneuerbaren Energien noch stärker fördern. Mit Einnahmen aus einer höheren Besteuerung traditioneller Energiequellen, wie zum Beispiel der Braunkohle, könnte der Staat Anreize schaffen für eine noch höhere Nachfrage nach erneuerbaren Energien. Nur so lässt sich eine wirkliche Energiewende bewirken. Während Umweltsteuern erst 2 Prozent des deutschen Sozialproduktes ausmachen, vereinnahmt der deutsche Fiskus Einkommensteuern in Höhe von 24 Prozent der Bruttowertschöpfung“, sagt Ophélie Mortier.

Bildungssystem neu ausrichten und Langzeitarbeitslosenquote senken

Während die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland mit 7 Prozent einen der niedrigsten Werte aller OECD-Staaten aufweist – zum Vergleich: In Frankreich ist fast ein Viertel der jungen Bevölkerung ohne Job – könnte es um die Langzeitarbeitslosigkeit besser bestellt sein. Der Anteil der arbeitslosen Deutschen, die länger als ein Jahr unbeschäftigt sind, liegt mit 44 Prozent zwar noch unter dem EU-Durchschnitt. In Finnland beispielsweise liegt dieser Wert mit nur 25 Prozent jedoch deutlich darunter. „Dies zeigt, dass auch Deutschland zusätzliche Anstrengungen unternehmen kann und muss, um Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, kommentiert Ophélie Mortier. Die Nachhaltigkeitsexpertin verweist zudem darauf, dass Deutschland sein Bildungssystem stärker auf den voranschreitenden Trend der Deindustrialisierung ausrichten sollte. Deutschland strebt einen überdurchschnittlichen Qualifizierungsgrad seiner Erwerbstätigen an. Während die Quote der Deutschen mit Hochschulabschluss bei 42 Prozent liegen soll, liegt dieser Richtwert EU-weit bei 40 Prozent. „Ein sehr hoher Qualifizierungsgrad eines Landes ist solange hilfreich, wie die Nachfrage aus den Wirtschaftssektoren besteht. Hierbei spielt die Industrie noch eine bedeutende Rolle. Deutschland ist derzeit deutlich stärker industrialisiert wie zum Beispiel Italien, Frankreich oder Großbritannien. Doch im Zuge schrumpfender Industrien muss Deutschland sein Bildungssystem auf einen möglicherweise veränderten, ausgewogeneren Bedarf bei den Qualifizierungen von Arbeitern und Angestellten ausrichten. Deutschland steht in dieser Hinsicht mit seinem aktuellen Bildungssystem vor Herausforderungen“, sagt Ophélie Mortier.