Meldungen | Marktausblick
07.08.2014

Peripherie könnte das europäische Wachstum retten

Die Finanzmarkt- und Wirtschaftsprognose von Swiss Life Asset Managers geht von langfristig höheren Zinsen in den USA und Europa aus und von einem schwächelnden Kerneuropa.

Die Renditen langfristiger Staatsanleihen sind im Juli erneut gesunken. Sie sind seit Anfang 2014 in der angelsächsischen Welt, Kontinentaleuropa und Japan auf einem Abwärtskurs. In Deutschland und der Schweiz war der Rückgang seit Jahresbeginn jedoch ausgeprägter als in den USA, dem Vereinigten Königreich und Japan. Aufgrund der weiteren wirtschaftlichen Erholung und weniger expansiven Zentralbanken gehen wir immer noch von steigenden langfristigen Zinsen in allen hier besprochenen Regionen aus. Was die Geldpolitik anbelangt, erwarten wir im Jahr 2015 divergierende Ausrichtungen, d.h. Leitzinserhöhungen im Vereinigten Königreich und den USA und eine ultralockere Geldpolitik in der Eurozone. Trotzdem rechnen wir nicht nur in der angelsächsischen Welt, sondern auch in Europa mit höheren langfristigen Zinsen. Die deutschen und US-amerikanischen Leitzinsen bewegten sich das letzte Mal Mitte der 90er Jahre in entgegengesetzte Richtungen. Damals senkte die deutsche Bundesbank die Zinsen, um die schwache Wirtschaft zu stützen und das Fed erhöhte seinen Leitzins. Die Renditen deutscher Staatsanleihen waren trotz der lockeren Geldpolitik der Bundesbank angestiegen. Die langfristigen Zinsen müssen sich also nicht in unterschiedliche Richtungen bewegen, wenn dies bei den Leitzinsen der Fall ist. Für Anleihen in Emerging Markets erwarten wir in der nahen Zukunft aufgrund der vielen Liquidität eine weitere Verengung der Kreditspannen. Mittelfristig sind wir jedoch wegen (geo-)politischen Unsicherheiten und teils mäßigen ökonomischen Fundamentaldaten vorsichtiger.

Eurozone: Die Peripherie holt die Kastanien aus dem Feuer

Die schwachen Daten zur Industrieproduktion im Mai mitsamt der nach unten revidierten Vormonatszahlen veranlassten viele Beobachter dazu, ihre Prognosen zum BIP-Wachstum im zweiten Quartal zu senken. Tatsächlich stellen sich nach der Verlangsamung im Industriesektor Fragen zum Wachstum in den großen Mitgliedsländern Deutschland, Frankreich und Italien. In dieselbe Richtung deuten andere Indikatoren, wie der leicht rückläufige Wert des kombinierten Einkaufsmanagerindex aus dem verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor, der auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten fiel. Auch Deutschlands wichtiger ifo-Geschäftsklimaindex befand sich zuletzt im Abwärtsgang. Gleichwohl sehen wir von einer Prognoseänderung ab. Es zeichnet sich ab, dass Länder aus der Peripherie dazu in der Lage sind, kurzfristig zu einem beträchtlichen Teil die Schwäche der großen Kernländer wettzumachen. Spanien und Irland sind besonders herauszustreichen. Offensichtlich können dort erste Früchte früherer Reformschritte geerntet werden.

Wir rechnen in der Eurozone für 2014 mit einer Inflation von 0,7%, für 2015 mit 1,8%. Die Konsensusschätzung für 2015 geht von 1,2% aus. Deflationsängste machen weiterhin die Runde. Dabei wird übersehen, dass der Rückgang der Inflation von 3% auf 0,5% seit November 2011 zu einem großen Teil auf die Austeritätsmaßnahmen in der Peripherie und die sechs Quartale dauernde Rezession zwischen Oktober 2011 und März 2013 zurückgeht. Die Rückkehr zu Wachstum und eine vergleichsweise geringere fiskalische Last in den kommenden Jahren lassen erwarten, dass auch in der Eurozone der Tiefststand der Inflation erreicht wurde. Zum Verständnis der Prognose für 2015 hilft die Betonung des Basiseffekts von immerhin 0,8% „vererbter Inflation“ aus dem Vorjahr. Wenn die Konsensusprognose bei lediglich 1,2% liegt, bleibt in den nächsten 18 Monaten nur sehr wenig Raum für steigende Preise.