Meldungen | Marktkommentar
31.05.2013

Ohne Gewinnwachstum kein Aktienanstieg – Besser auf Erfolgsunternehmen als auf Märkte setzen

Sanjay Natarajan, Institutional Equity Portfolio Manager von MFS hinterfragt den bisherigen Kursanstieg an den Aktienmärkten auch fundamental. Wo die Börsenampel weiterhin auf Grün stehen sollte, legt er ebenso dar. 

Sanjay Natarajan

Sanjay Natarajan

Im zweiten Quartal 2013 fragen sich Investoren Folgendes: Hat die Aktienmarktrallye noch eine Zukunft? Wo bestehen Renditechancen? Und sollten jetzt japanische Aktien gekauft werden? - Längerfristig scheinen die Märkte aufgrund der besseren Wirtschaftslage, der günstigen Bewertungen und der anhaltend expansiven Geldpolitik attraktiv. Kurzfristig raten wir hingegen zur Vorsicht.

 

Die technischen Indikatoren stehen seit Monaten bestenfalls auf gelb. Die Investoren machen sich mehr und mehr Sorgen und die Volatilität steigt. Der AII Sentiment Survey, der die Marktstimmung in den kommenden sechs Monaten prognostiziert, ist auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren gefallen. Bei Unternehmensinsidern überwiegen noch immer die Verkäufe.

 

Nur in Japan steigen die Gewinne

 

Hinzu kommt, dass die Gewinnmeldungen der amerikanischen Unternehmen für das erste Quartal nur mittelmäßig waren. Sie sind aber noch immer besser als die Meldungen aus Europa und den Emerging Markets. Anhaltend schwach sind Energie-, der Grundstoff- und der Technologiesektor. Damit die Märkte weiter deutlich zulegen, müssen die Unternehmensgewinne steigen. Doch in den meisten Ländern ist ein Gewinnanstieg bislang ausgeblieben, mit Ausnahme von Japan.

 

Vielen Investoren machte der Rückgang der Anleiherenditen aufgrund des Quantitative Easing Sorgen. Sie kauften daher mehr und mehr Aktien. Die jüngste Lockerung der japanischen Geldpolitik hat die Befürchtungen rückläufiger Renditen weiter verstärkt. Anders als sonst, wenn die Markterholung bereits weit fortgeschritten ist, interessieren sich die Investoren jetzt für Aktien mit einem anleiheähnlichen Profil. Sie suchen stabile Cashflows beziehungsweise Dividenden und Schutz vor Verlusten. Daher setzen sie auf die Sektoren Konsumverbrauchsgüter, Gesundheit und Versorger. Währenddessen sind Titel mit höherem Beta sowie zyklische Aktien im letzten Jahr deutlich hinter dem Gesamtmarkt zurückgeblieben.

 

Konjunktursensitive Sektoren werden interessanter

 

Uns interessiert hingegen weniger die laufende Rendite als der Gesamtertrag. Wir berücksichtigen deshalb Fundamentaldaten wie den Cashflow, den Verschuldungsgrad, die Wachstumsperspektiven und die Erträge. Nach wie vor sind wir der Meinung, dass der Konsumverbrauchsgüter- und der Gesundheitssektor interessante Chancen bieten. Alles in allem halten wir aber den Barbell-Ansatz für interessant, der auch zyklische Titel und Industrieaktien nicht ausspart. Trotz der unsicheren Aussichten für die Weltwirtschaft dürfte der positive Langfristtrend der amerikanischen Haushalts- und Unternehmensfinanzen das Interesse an konjunktursensitiven Sektoren steigen lassen.

 

Unterdessen werden japanische Aktien immer teurer. Bislang war Japan eine politische Börse, doch jetzt achten die Investoren zunehmend auf die Fortschritte der Unternehmen. Konsens ist heute, dass die Gewinne je Aktie um 45 % bis 50 % steigen, nachdem kürzlich noch ein deutlich geringerer Zuwachs erwartet worden war. Nach Angaben von Morgan Stanley ist der Markt aus technischer Sicht um fast drei Standardabweichungen überkauft. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) entspricht heute dem 8,7-fachen des KBV der Industrieländer insgesamt. Der Wert hat seinen 20-Jahres-Durchschnitt erreicht und ist so hoch wie seit fast zehn Jahren nicht mehr. Die Zeit der einfachen Gewinne geht zu Ende.

 

Wir halten es deshalb für sinnvoller, nach erfolgreichen Unternehmen statt nach vielversprechenden Märkten Ausschau zu halten. Die immer volatileren Konjunkturdaten bestärken uns darin.

 

 


Über MFS:

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