Meldungen | Marktkommentar
11.04.2012

Nordeuropa bleibt „sicherer Hafen“ – unter Vorbehalten

Für viele Investoren galten die nordischen Länder Europas – mit Ausnahme Finnlands – in den zurückliegenden Monaten als „sichere Häfen“. Begründet lag dies, nach Einschätzung von Nordea Investment, in den soliden öffentlichen Finanzen und den erheblichen Leistungsbilanzüberschüssen. „Dies wird auch in Zukunft der Fall sein“, meint deren globaler Chefvolkswirt Helge J. Pedersen, verweist aber gleichzeitig auf teils bestehende wirtschaftliche Risiken. 

Helge J. Pedersen, Nordea Investment

Helge J. Pedersen, Nordea Investment

Zum nordischen Wachstumskometen ist Norwegen geworden, nicht zuletzt dank einer starken Entwicklung der Inlandsnachfrage, heißt es in der Analyse: Ein sprunghafter Anstieg neuer Arbeitskräfte, die auf den Markt drängen, wird einen erheblichen Rückgang der Arbeitslosigkeit verhindern. Die Inflation wird bei relativ moderatem Lohnwachstum auf geringem Niveau verbleiben. Daher kann die norwegische Zentralbank die Zinssätze bis ins Jahr 2013 niedrig halten und so eine drastische Aufwertung der norwegischen Krone verhindern. Auch die dänische Wirtschaft überzeugt nach Einschätzung Pedersens: Die Arbeitslosenquote fällt, die Verbraucher sind positiver eingestellt, die Erwartungen in Bezug auf die Zukunft des Verarbeitenden Gewerbes steigen ständig und die Exporte sind höher denn je. „Vor diesem Hintergrund prognostizieren wir eine allgemeine Expansion der dänischen Wirtschaft von 1,25 Prozent in diesem sowie 1,75 Prozent im kommenden Jahr.“ Trotz des drastischen Rückgangs der Immobilienpreise im vierten Quartal 2011 geht der Chefvolkswirt von einer Stabilisierung des Immobilienmarktes im Jahresverlauf aus.

 

Noch Vorbehalte in Dänemark und Finnland

 

Nach zuletzt schrumpfenden Exporten und einer Abflachung der Investitionen stehen hingegen die Konjunktursignale in Dänemark, nach Einschätzung des Chef-Volkswirten, noch nicht auf „grün“. Erst im weiteren Jahresverlauf werde die verbesserte globale Nachfrage die Exporte erhöhen. Ab Mitte dieses Jahres könne die Wirtschaft wieder expandieren und passable Wachstumszahlen sowie eine erhöhte Beschäftigung im Jahr 2013 erzielen – vorausgesetzt, die Riksbank beginne wieder mit der Anhebung der Zinsen. Aufgrund des moderaten Inflationsdrucks wird sie, laut Analyse, zunächst aber das Gegenteil tun, um die wirtschaftliche Verlangsamung abzumildern. Auch die finnische Wirtschaft werde erst in der zweiten Jahreshälfte wieder an Schwung gewinnen. Pedersen: „Das Risiko einer erneuten Rezession hat sich verringert, weshalb wir unsere Wachstumsaussichten leicht auf 0,5 Prozent für dieses und auf zwei Prozent für nächstes Jahr erhöht haben.“ Nach Meinung des Chef-Volkswirten hängt das gedämpfte Wachstum in diesem Jahr insbesondere mit der Inlandsnachfrage sowie dem leicht angestiegenen Verbrauch zusammen. Im Jahr 2013 sollen aber die Nettoexporte aufgrund der vorhergesagten Erholung in den meisten Exportbereichen ansteigen und die Wirtschaft zusammen mit der Inlandsanfrage stärken. Zunächst werde jedoch das moderate Wachstum die Beschäftigungszahlen abschwächen und durch sinkende Steuereinnahmen den Abbau des öffentlichen Finanzdefizits.