Meldungen | Finanzmarkt, Marktkommentar
14.10.2011

Nachhaltige Lösungen für die Euro-Krise

Der Markt würde gerne eine einheitliche europäische Lösung und kein einzelstaatliches Vorgehen sehen, schreibt Thomas Steinemann, Chefstratege der Vontobel-Gruppe.

"Fixkurssysteme und Währungsunionen sind Schönwettersysteme. Sind nationale Probleme oder Veränderungen nur groß genug, neigen diese Systeme zur Instabilität oder gar zum Zusammenbruch. Dies zeigt auch ein Blick auf Währungsunionen in der Vergangenheit. Diese waren nur dann erfolgreich, wenn eine kleine Anzahl Länder daran teilnahm, ein dominantes Land eine hegemoniale Funktion einnahm und eine starke wirtschaftliche Integration vorhanden war. Für das langfristige Überleben einer Europäischen Währungsunion (EWU), wird deshalb eine politische Union zur notwendigen Bedingung."

Diese Aussage stammt aus meinem Buch "Währungskooperation und Europäische Währungsunion" von 1992. Ist sie aber aus heutiger Perspektive noch richtig? Grundsätzlich ja, Ergänzungen sind aber angebracht – insbesondere was die Forderung nach einer politischen Union anbelangt. Diese klingt aus heutiger Sicht noch utopisch und wird auch zehn Jahre nach der Einführung der Gemeinschaftswährung noch lange nicht Realität sein. Dennoch gibt es Zwischenschritte, die bei glaubwürdiger Umsetzung, für Stabilität in der Eurozone sorgen können. Dazu gehört kurzfristig eine Rekapitalisierung des Bankensystems. Der Fall der Bank Dexia zeigt, dass einige Banken trotz angeblich bestandener Stresstests unterkapitalisiert sind. Bei Dexia springen Frankreich und Belgien ein. Wer allerdings für alle anderen Institute bürgen wird, ist noch unklar. Der Markt würde gerne eine einheitliche europäische Lösung und kein einzelstaatliches Vorgehen sehen. Die Verankerung der Maastricht-Kriterien oder zumindest einer Schuldenobergrenze in der Verfassung wären erste wichtige Schritte. Durch das wiederholte Verletzen der Maastricht-Kriterien, nicht zuletzt auch durch Deutschland und Frankreich, konnte es überhaupt zu dieser Schuldenmisere kommen. Unabdingbar ist ebenfalls die Stabilisierung Italiens und Spaniens, damit das Zinsniveau sinkt. Beide Länder können sich die aktuellen Zinsen langfristig nicht leisten. Die Emission gemeinsamer Eurobonds wäre bei Erfüllung der Maastricht-Kriterien relativ problemlos möglich und würde ein starkes Zeichen nach außen setzen. Dadurch könnten gemeinsame Aktivitäten finanziert werden – zum Beispiel im Bereich Sicherheit oder Infrastruktur. Zweifellos ist eine nachhaltige Lösung der Probleme der Europäischen Währungsunion nur über eine verstärkte Integration von wirtschafts- und finanzpolitischen Fragen und am Ende über eine staatenübergreifende Lösung erreichbar. Es liegt in der Hand der Politik, dies zu erkennen, den Bürgern zu vermitteln und schließlich umzusetzen.