Meldungen | Exchange Traded Funds, Recht
29.09.2016

MiFID II trifft auch Anlage-Fintechs

Die neue EU-Richtlinie trifft ab 2018 auch Finanzanlagenvermittler mit einer Erlaubnis nach der Gewerbeordnung. Das hat insbesondere Bedeutung für Fintechs, sagen Juristen.

Philipp Hendel, Kanzlei Dr. Roller & Partner

Philipp Hendel, Kanzlei Dr. Roller & Partner

Foto: DRRP

Die Umsetzung der europäischen Finanzmarktrichtlinie MiFID II in deutsches Recht mit Anfang 2018 beschäftigt die Finanzbranche seit Jahren. Die neuen Regelung betreffen nicht nur Banken und Vermögensverwalter, sondern auch Finanzanlagenvermittler mit einer Erlaubnis nach Paragraf 34f der Gewerbeordnung, die mit teilweise massiven Änderungen zu rechnen haben. Dies betrifft u.a. die digitalen Start-ups der Branche, die sogenannten Fintechs. Allein im Anlagebereich sind laut Barkow Consulting 46 von ihnen registriert, im Vorjahr waren es 34. „Für ETF-basierende Anlagestrategien bedarf es derzeit keiner Erlaubnis der BaFin, es reicht eine gewerberechtliche Erlaubnis nach 34f GewO“, erklärt Rechtsanwalt Philipp Hendel von der Kanzlei Dr. Roller & Partner in München. Aus diesem Grund verfügen viele Betreiber sogenannter „Robo-Advice-Plattformen“ lediglich über eine solche Erlaubnis.

Die MiFID II-Richtlinie sieht nun vor, dass die für Banken geltenden Wohlverhaltenspflichten in vielen Teilen gleichwertig auch für Finanzanlagenvermittler mit einer 34f-GewO-Erlaubnis eingeführt werden, warnt der Jurist Dies bedeutet unter anderem erweiterte Informationspflichten, Aufzeichnung von Telefongesprächen („Taping“), Vorgaben für Kundeninformationen und Marketing-Maßnahmen und Regelungen zur Mitarbeitervergütung. „Außerdem wird das Zulassungsverfahren erschwert, indem künftig z. B. ein Geschäftsplan vorgelegt werden muss“, sagt Markus Köppl, Gründer der MK Anleger Gesellschaft. „Anleger und Finanzdienstleister, die auf Robo-Advisor-Lösungen zurückgreifen, wollen nicht nur gutes Portfoliomanagement, sondern auch Fintech-Partner, die gute Chancen haben, sich rechtlich und betriebswirtschaftlich langfristig durchzusetzen.“