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26.09.2017

Lange Koalitionsverhandlungen können Börsen belasten

Carsten Mumm, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel, rechnet mit langen und zähen Verhandlungen zwischen der Union, der FDP und den Grünen.

Carsten Mumm, Privatbank Donner & Reuschel

Carsten Mumm, Privatbank Donner & Reuschel

Foto: Donner&Reuschel

Das Ergebnis der Bundestagswahl sorgt an den Börsen kurzfristig kaum für Auswirkungen. Alle schauen jetzt auf die anstehenden Koalitionsverhandlungen, die aufgrund der teilweise sehr weit auseinander liegenden Standpunkte der potenziellen Koalitionäre komplex werden und voraussichtlich lange dauern dürften. Die CDU/CSU geht zwar mit den meisten Stimmen, aber geschwächt in die Verhandlungen. Grüne und vor allem die FDP hingegen starten mit "breiten Schultern". Alle Beteiligten sind darauf angewiesen, zwecks Profilschärfung möglichst viele Ihrer Standpunkte durchzusetzen und dürften zunächst wenig kompromissbereit sein. Lange Verhandlungen aber bedeuten Unsicherheit über die Zusammensetzung und Standpunkte der neuen Regierung, wodurch die Börsen tendenziell belastet werden.

Welche Impulse die neue Regierung schlussendlich für die Kapitalmärkte bringt, kann daher derzeit nur gemutmaßt werden. Entscheidend ist die exakte Ausgestaltung des Koalitionsvertrages und damit das Verhandlungsgeschick bzw. die Kompromissbereitschaft der beteiligten Partner. Wenn die Regierungsbildung zügig erfolgt, und es gelingt, sich auf die gemeinsamen Themen zu fokussieren, dürften die Aktienmärkte profitieren. Grundsätzlich wollen nämlich alle Beteiligten Steuern senken, in Infrastruktur, Digitalisierung und Bildung investieren und Europa voranbringen. Alle Aspekte wirken über einen anziehenden Konsum, steigende Investitionen und Kostensenkungen grundsätzlich positiv auf die Konjunktur und damit auch auf die Aktienmärkte. Unterschiedliche Ansichten gibt es "nur" in Umsetzungsdetails.