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27.02.2020

Künstliche Intelligenz wird den Fondsmarkt transformieren

Die Entwickler und Portfoliomanager Pablo Hess und Michael Günther von Tungsten TRYCON gehen davon aus, dass es künftig vor allem zwei Einsatzgebiete für KI in der Kapitalanlage geben wird.

Pablo Hess und Michael Günther, Tungsten TRYCON

Pablo Hess und Michael Günther, Tungsten TRYCON

Tungsten TRYCON

In vielen wirtschaftlichen Bereichen und Branchen in Deutschland besteht der Wunsch, die Potenziale von Künstlicher Intelligenz (KI) stärker zu nutzen. Zwar lässt sich die Leistungsfähigkeit von Mensch und Maschine nur schwer vergleichen – zahlreiche Aufgaben, für die der Computer speziell trainiert wurde, kann dieser aber hocheffizient, rund um die Uhr, schnell und mit konsistenten Ergebnissen erledigen. Die Unternehmensberatung McKinsey geht etwa davon aus, dass die Wirtschaftsleistung der Europäischen Union durch KI bis 2030 um rund 19 Prozentpunkte gesteigert werden könnte.

In zahlreichen Industrien in Deutschland wird KI bereits erfolgreich eingesetzt, etwa in der Fertigung, in der Medizintechnik oder in der Automobilindustrie. Es spricht also vieles dafür, dass entsprechende Technologien auch im Asset Management Anwendung finden. Die Realität zeichnet jedoch ein etwas anderes Bild. Mal abgesehen von Themenfonds mit Schwerpunkt auf Unternehmen, deren Geschäftsmodell stark KI-getrieben ist, sehen wir in zwei wesentlichen Bereichen noch Aufholbedarf: 1.) KI zur strategischen Unterstützung von Anlageentscheidungen 2.) KI zur Effizienzsteigerung und Teilautomatisierung im Portfoliomanagement.

Nur rund drei Dutzend Fonds weltweit

Tatsächlich sind nach unserer Einschätzung weltweit nur etwa drei Dutzend Investmentfonds emittiert, die KI zentral zur Fondssteuerung nutzen. Deutlich weniger, als man aufgrund des „Market Noise“ rund um das Thema annehmen mag. Dieser Anwendungsbereich für KI wird in den nächsten drei bis fünf Jahren deutlich wachsen, sofern der Wertbeitrag gegenüber traditionellen Ansätzen die Anleger überzeugt.

Wir sehen im Einsatz von KI die konsequente Evolution systematischer Handelsstrategien. Basierend auf unserer eigenen Forschungs- und operativen Arbeit mit rund 30.000 Börsentransaktionen innerhalb der letzten sechs Jahre können wir sagen: Dies lässt sich jedoch nicht als einfaches „plug & play“ umsetzen. Die KI-basierte Strategie ist in Abgrenzung zu bisherigen computerbasierten Modellen gekennzeichnet durch ein Vielfaches an Daten. Die Rechenleistung für KI-Signale kann den Aufwand eines herkömmlichen quantitativen Handelssignals leicht um das 100.000-fache übersteigen. Zudem bedarf es einer performanten Technologie, um die Informationen auszuwerten und Handelssignale aus den erkannten Mustern abzuleiten. Die schnelle Analyse großer Datenmengen ist eine Paradedisziplin für KI. Ziel ist es, jenseits der Marktrendite (Beta) andersartige Handelsgelegenheiten sowie einen entsprechend marktunabhängigen Ertrag (Alpha) für den Anleger zu generieren.

Viele Investoren möchten sich die Vorteile der Digitalisierung in ihren Portfolien zunutze machen. Insofern gehen wir davon aus, dass die Nachfrage dort steigen wird, wo moderne KI-Algorithmen ihre Stärke ausspielen: Bei der fortlaufenden Verarbeitung von Daten und nüchternen Auswertung von Wahrscheinlichkeiten, als Werkzeug zur Auslagerung von Komplexität und zur Unterstützung von Allokationsentscheidungen.

Weitere Innovationsschübe erwartet

In der Automatisierung IT-seitiger und vertrieblicher Prozesse ist der digitale Wandel innerhalb der Fondsindustrie schon etwas weiter vorangeschritten. Dies legt auch die jüngste Herbstumfrage des BVI vom November 2019 nahe. 65 Prozent der befragten 320 Führungskräfte messen Investitionen in die Digitalisierung von Prozessen in der Fondsadministration hier eine hohe Priorität bei. Wir gehen davon aus, dass weitere Innovationsschübe sowie Maßnahmen zur Rationalisierung und Effizienzsteigerung –mittels Robotic Process Automation und maschineller Intelligenz – stattfinden werden.

KI kann durch diversifizierende Renditequellen Vorteile bieten

Der Anspruch an die Leistungsfähigkeit des aktiven Asset Management steigt. Die Unterstützung durch Künstliche Intelligenz kann – etwa durch diversifizierende Renditequellen oder in der Ablaufoptimierung – Vorteile bieten. Viele Kapitalverwaltungsgesellschaften und Vermögensverwalter beschäftigen sich derzeit mit dem Thema. Aufgrund der Eigenheiten der Finanzmärkte ist die Kapitalanlage als besonders komplexes Feld für den Einsatz von KI anzusehen. Es ist davon auszugehen, dass KI in den kommenden Jahren im Asset Management in der Breite zum Einsatz kommt und den Fondsmarkt ein Stück weit transformieren wird. Mithin ein logischer Schritt – so wie GPS-gesteuerte Mähdrescher oder das autonome Fahren als konsequente nächste Evolutionsstufe vorhergehender Technologien zu verstehen sind.

Die Befürchtung, dass die Industrie schon bald von KI dominiert wird, ist eher unbegründet. Dem Menschen kommt weiterhin – als Entwickler, Portfoliomanager und Risiko-Controller – eine zentrale Rolle zu.

Das Tungsten TRYCON-Team um die beiden Portfoliomanager Pablo Hess und Michael Günther forscht seit dem Jahr 2000 am Themenfeld „Künstliche Intelligenz“ sowie an deren Anwendung auf die Finanzmärkte. Der KI-basierte Fonds „Tungsten TRYCON Basic Invest HAIG“ der Investmentgesellschaft wurde mehrfach ausgezeichnet.