Meldungen | Aktien, Emerging Markets
03.03.2015

Investoren kehren wieder an die CEE-Börsen zurück

Erste Asset Management sieht Hoffnungsschimmer nach der Durststrecke an den Aktienmärkten im Osten; selbst in Russland, sofern sich der Ölpreis wieder hinaufbewegt. Das Jahr begann insgesamt positiv mit einem Plus von 13%.

Peter Szopo, Amalia Ripfl, Erste AM

Peter Szopo, Amalia Ripfl, Erste AM

Foto: Erste AM

Die global niedrigen Zinsen und die niedrige Inflationserwartung zwingen die CEE-Notenbanken die Zinsen zu reduzieren. Von diesen Zinserwartungen werden die Börsen heuer teilweise beflügelt, so Peter Szopo, Osteuropa-Experte der Erste Asset Management. Seit Jahresbeginn liegen die Börsen Zentral- und Osteuropas trotz teilweise schwieriger Rahmenbedingungen im Schnitt um 13% im Plus (MSCI Emerging Europe). Die Wirtschaft in Zentral- und Osteuropa (CEE ohne Russland) werde 2015 etwa 3% wachsen und damit etwa doppelt so stark als in der Eurozone. Negative Wachstumseffekte durch den Ukraine-Konflikt würden durch die positiven Effekte niedriger Öl- und Gaspreise ausgeglichen.

Mehr als zwei Jahre waren die CEE-Aktienmärkte in einer Seitwärtsbewegung "hängen geblieben". Nur Rumänien habe sich positiv entwickelt. Auch jetzt gehe Erste Asset Management davon aus, dass die Länder unterschiedlich abschneiden werden. Die Volatilität an den Börsen und bei den Währungen werde hoch bleiben. Mit einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 14 liege die Bewertung über dem Schnitt der letzten Jahre und auch über dem Schnitt der übrigen Schwellenländer. Die Gewinnentwicklung verlaufe unterschiedlich, auch innerhalb der Sektoren. Während Konsum-, Industrie- und Telekomwerte vom niedrigen Ölpreis und den niedrigen Zinsen profitieren, könnten die Gewinne der Banken schrumpfen.

Russland im Banne von Öl und Sanktionen

Weniger gut sieht es laut Szopo für Russland aus. Analysten erwarten einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 4% bis 5%. Negative Faktoren sind der Konflikt in der Ukraine, die Halbierung des Ölpreises, die zweistellige Inflation und die Kapitalflucht der Investoren. Dennoch werde die Rezession milder ausfallen als 2009. Relativ zum Ölpreis verlaufe die Kursentwicklung an der Börse: Das KGV des russischen Aktienmarktes liege bei 6. Eine Fortsetzung der Aktienrally erfordere eine Erholung es Ölpreises und eine Entspannung in der Ukraine mit Aussicht auf Lockerung der Sanktionen.

Türkei bleibt attraktiv

Für die Türkei, die zweitgrößte Position im Espa Stock Europe Emerging Fonds, wirken sich alle negativen Russland-Faktoren genau umgekehrt aus: Die Unternehmen und die Konsumenten profitieren vom fallenden Ölpreis. Das Leistungsbilanzdefizit habe sich auf 5,8% reduziert (Ende 2014, Quelle: Central Bank of Turkey), und die Inflationsrate ist auf 8,4% gesunken. Von der nun erwarteten Zinssenkung werden am meisten die Banken profitieren. An der Börse Istanbul sind die Kurse zwar schon 2014 um 3,5% gestiegen. Türkische Banken könnten noch ein weiteres gutes Jahr vor sich haben", betont Osteuropa-Fondsmanagerin Amalia Ripfl. "Störfeuer" könnten von der Diskussion über eine Verfassungsänderung nach den Wahlen im Juni ausgehen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) an der Börse Istanbul liege mit 10,5 auf dem Niveau der letzten fünf Jahre.

Russland neutral, Rumänien übergewichtet

Russland habe sie neutral gewichtet, erklärt Ripfl: "Wir sehen seit Anfang des Jahres kleinere Mittelzuflüsse in den russischen Markt von internationalen Investoren, die vorher untergewichtet in Russland waren." Russland ist das mit Abstand wichtigste Land im Fonds. Das größte Übergewicht habe der Fonds momentan in Rumänien, das sich außerhalb des Vergleichsindex befindet und in der Türkei. Rumänien hatte das im vierten Quartal 2014 das stärkste Wirtschaftswachstum in Europa und die Anzeichen sprechen dafür, dass der wirtschaftsfreundliche Kurs mit den Privatisierungen weiter gehe, betont die Expertin. Die inländische Nachfrage werde von den privaten Pensionsfonds getragen. Deren Anlagevolumen wachse jährlich 30% bis 40%. Etwa ein Fünftel dieses Kapitals müsse in inländische Aktien investieren werden.Zu erwarten sei, dass Rumänien 2016 in den MSCI Emerging Markets Index aufgenommen wird. Eine entsprechende Gewichtung im Vergleichsindex könnte noch mehr Investoren ansprechen. Das größte Untergewicht nimmt Polen ein. Gegen Polen spreche die relativ hohe Bewertung (KGV von 14) und das relativ schwierige Umfeld für Banken und Versorger, die ein Umstrukturierungsprogramm umsetzen müssen, wo höhere Ausgaben anfallen werden.

Insgesamt zeigen sich Szopo und Ripfl sich optimistisch, dass die Investoren nach mehreren Jahren in der Warteposition an die CEE Börsen zurückkehren werden. "Die globalen Schwellenländer und auch die CEE Aktienmärkte könnten auf die Einkaufliste der großen Investoren kommen". In den letzten zwei Jahren hätten sie sich auf die entwickelten Börsen konzentriert. Auch im Hinblick auf die gute Entwicklung von CEE-Anleihen, sei zu erwarten, dass sich das Kapital von den Anleihen in Richtung Aktien bewege. Der Rendite-Unterschied zwischen Aktien und Anleihen sei so hoch wie nie. Die Anleger des Espa-Fonds mussten jedenfalls seit 2011 einen Verlust von rund 25% hinnehmen. Das habe auch mit dem Run auf die Emerging Marktes in den Jahren zuvor zu tun, erklärt Peter Szopo und bleibt optimistisch: „Jetzt sehen wir die Voraussetzungen für langfristiges Wachstum“.