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07.11.2014

Investitionshemmer bayerische Energiepolitik

Ottmar Heinen vom Regensburger Investmenthaus Lacuna kritisiert das Fehlen einer konsequenten Energiepolitik als Gefahr für den Standort Bayern.

Ottmar Heinen, Vertriebsdirektor Lacuna

Ottmar Heinen, Vertriebsdirektor Lacuna

Foto: Lacuna

Laut dem bayerischen Umweltministerium wurden bis Ende September 2014 erst 76 Anträge für neue Windenergieanlagen in Bayern eingereicht. Im Vorjahr waren es insgesamt 540 Anträge. Diese Entwicklung läuft aus meiner Sicht völlig konträr zu den Chancen, die der Windenergiestandort Bayern und die Windenergie an sich bieten. Erst kürzlich wies eine Studie der Agentur für erneuerbare Energien erneut nach, dass Windenergie zu den kostengünstigsten Arten der Energieerzeugung gehört – sie verglich in ihrer Analyse die Stromgestehungskosten verschiedener regenerativer und auch konventioneller Erzeugungstechnologien. Bayern vereint klimatische Voraussetzungen, also gute mittlere Windgeschwindigkeiten, mit hohem Flächenpotenzial. Um Bevölkerung und Industrie langfristig Versorgungssicherheit zu bieten, sollte die Staatsregierung einen verbindlichen Kurs in Richtung Energiewende einschlagen und sich von dem bisherigen „Hin und Her, Vor und Zurück“, zuletzt gekrönt durch Seehofers Diskussion über die Mindestabstandsregelung, verabschieden.


Von welch großer Bedeutung eine zuverlässige Energieversorgung mit stabilen Preisen für die bayerische Wirtschaft ist, machte erst kürzlich der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) deutlich. Der BIHK gab im Rahmen von Ilse Aigners Regierungserklärung zur Energiepolitik bekannt, dass bereits zehn Prozent der Industrieunternehmen im Freistaat aufgrund der hohen Strompreise Betriebsteile ins Ausland verlagert oder Kapazitäten abgebaut hätten. Zwar beklagt sich der BIHK erst einmal ganz grundsätzlich über die Energiepolitik. Da eine funktionierende, zuverlässige Energieversorgung zu fairen und stabilen Preisen allerdings erneuerbare Energien braucht, kann diese Aussage jedoch auch als Signal gegen Bayerns Schlingerkurs in Sachen Energiewende gewertet werden. Dass erneuerbare Energien gute Voraussetzungen mitbringen, um sich im Energiemix zu etablieren, zeigt neben den Studiendaten der Agentur für erneuerbare Energien auch eine aktuelle Prognose von PricewaterhouseCoopers. Die Analysten des Beratungsunternehmens gehen davon aus, dass die EEG-Umlage 2015 von derzeit 6,24 Cent pro Kilowattstunde (kWh) auf 6,22 Cent pro kWh sinken wird. Weitere deutliche Absenkungen für die nächsten Jahre gelten als sehr wahrscheinlich. Im Gegensatz zur Politik sehen sowohl private als auch institutionelle Investoren die Chancen, einerseits nachhaltige sowie am Ende preisgünstigere Energie zu produzieren und zum anderen aufgrund der vorhandenen Rahmenbedingungen ein rentables Investment tätigen zu können. Dies lässt sich auch am erfolgreichen Vertrieb unserer Windenergiebeteiligungen ablesen. Aufgrund der hohen Nachfrage hat Lacuna gerade erst zwei weitere Windprojekte in Bayern – den Windpark Hohenzellig und einen Park in Bucheck – im Vertrieb lanciert. Meine Prognose ist, dass auch Seehofer früher oder später einlenken und wieder deutlich auf erneuerbare Energien setzen wird. Denn die Geduld der ortsansässigen Industrie ist endlich und ihre Forderung nach der notwendigen Energiesicherheit mit der unausgesprochenen Drohung der Verlagerung verknüpft.