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17.12.2014

Institutionelle fordern innovativere Strategien ein

Bei der Natixis Global-Institutional-Investor-Studie 2014 gaben sich fast alle Investoren zuversichtlich, ihre Verbindlichkeiten erfüllen zu können. Fortschritte bei der Entwicklung von langfristigen Ansätzen werden von der Mehrheit vermisst.

John Hailer, CEO Natixis Global AM

John Hailer, CEO Natixis Global AM

Foto: Natixis

Laut der aktuellen Studie von Natixis Global Asset Management sind Pensionsfonds und andere institutionelle Investoren davon überzeugt, ihre langfristigen Anlageziele erreichen zu können. Aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung ihrer Leistungsempfänger wird es für sie aber immer schwieriger, stabile kurzfristige Erträge zu erzielen: Sie sind verpflichtet, Vermögenswachstum und Sicherheit der Anlagegelder gegeneinander abzuwägen und sich auf die kurzfristige Performance zu konzentrieren. Sie setzen dabei jedoch nur zögerlich auf innovative Ansätze zur Ertrags- und Alphagenerierung. Die Natixis-Studie untersuchte Marktaussichten, Portfoliostrukturierung und Risikomanagement von 642 institutionellen Investoren weltweit. Das Anlagevermögen der befragten staatlichen und betrieblichen Pensionsfonds, Staatsfonds und Versicherer betrug dabei insgesamt 31 Billionen US-Dollar.

Prinzipiell sind institutionelle Investoren bezüglich Aktien für das Jahr 2015 optimistisch gestimmt. Ihr Ausblick wird aber durch unkontrollierbare Marktrisiken getrübt. Hinzu kommen unbekannte künftige Haftungsrisiken aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung. Grundsätzlich müssen institutionelle Investoren zwar ein Vermögenswachstum erzielen. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit für eine Risikoreduzierung in ihren Portfolios in den nächsten zwölf Monaten doppelt so hoch wie für eine Anhebung. Und trotz des Einsatzes von Liability-Driven-Investment-Strategien (LDI) besteht die größte Herausforderung darin, ausreichend hohe Erträge zu erzielen.

Fast 7 Prozent realer Ertrag erwartet

87 Prozent der Investoren rechnen damit, ihre langfristigen Zusagen einhalten zu können. Mehr als die Hälfte (52%) ist jedoch der Ansicht, dass dies den meisten anderen Organisationen nicht gelingen wird. 80 Prozent halten es für schwierig, auf kurze Sicht stabile Erträge zu erzielen. 60 Prozent der Investoren rechnen mit Problemen bei der Finanzierung ihrer langfristigen Verbindlichkeiten. Ebenfalls 60 Prozent der Befragten verweisen darauf, dass die Branche bei der Entwicklung von LDI-Anlagelösungen bisher nicht einfallsreich genug gewesen ist. Auf Jahresbasis rechnen institutionelle Investoren mit Erträgen von durchschnittlich 6,9 Prozent nach Inflation. Mehr als drei Viertel (77%) sorgen sich um ihre Fähigkeit, das „Tail Risk“ zu steuern.

„Für institutionelle Investoren, allen voran Pensionsfonds, steht eine Menge auf dem Spiel. Die von ihnen aktuell verwalteten Portfolios sind für eine immer älter werdende Bevölkerung weltweit eine wichtige Quelle für künftige Erträge“, so John Hailer, President und Chief Executive Officer von Natixis Global Asset Management in America and Asia. „Unsere Durable-Portfolio-Construction-Plattform konzentriert sich bei der Asset Allocation vorrangig auf den Faktor Risiko. Damit eröffnen wir Anlegern jene umfassende Perspektive, mit der sie Schwankungen und Überraschungen an den Märkten ausgleichen und die angestrebten Erträge erzielen können.“

Alternative und ethisch saubere Investments

Über die Hälfte (55%) der institutionellen Investoren findet, dass traditionelle Anlageformen zu eng miteinander korreliert sind. Damit lassen sie sich nur schwer als Ertragsquellen klar voneinander abgrenzen. Da die Märkte zunehmend effizienter werden, halten sie deshalb nach neuen Performancequellen Ausschau. So hat die Studie ergeben, dass die meisten Investoren von einer traditionellen Asset Allocation inzwischen teilweise abgerückt sind. Sie setzen stattdessen verstärkt auf alternative Anlagestrategien. Die meisten Investoren (75%) sind der Ansicht, dass es wegen der effizienteren Märkte schwieriger geworden ist, ein Alpha zu generieren. 81 Prozent der Befragten hält alternative Investments im Rahmen institutioneller Portfolios für geeignete Anlagevehikel. Gleichzeitig bezeichnet mehr als die Hälfte (60%) diese Asset-Klasse als vielversprechende

Nach Ansicht vieler Investoren sind sogenannte ESG-Investments eine gute Ertragsquelle. Sie können auch Risiken auf Portfolioebene reduzieren. Ein ESG-Investmentansatz berücksichtigt zudem ökologische und soziale Kriterien sowie Aspekte der Corporate Governance. Mehr als die Hälfte der Befragten (54%) ist der Ansicht, dass ESG-Investments auf lange Sicht vorteilhafte Auswirkungen auf das Wachstum sowie das Alpha haben. Über die Hälfte der Befragten (55%) gibt an, dass ESG-Investments Risiken wie den Verlust von Vermögenswerten aufgrund von Rechtsstreitigkeiten, sozialen Konflikten und Umweltkatastrophen eindämmen können.

Aktien und Private Equity bevorzugt

Für 2015 befürchten institutionelle Investoren einen Anstieg der Zinsen und setzen deshalb auf Aktien. „Obwohl sie Aktien mit Blick auf das kommende Jahr für die aussichtsreichste Anlageklasse halten, sind institutionelle Investoren derzeit aber noch zurückhaltend“, so Hailer. „Investoren dürften verstärkt in ertragsorientierten Anlageformen oder Value-Investments anlegen, anstatt ihre Engagements in riskanten Anlagevehikeln zu erhöhen. Schließlich möchten sie von einem grundlegenden Umschwung an den Märkten nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden.“ Konkret erwartet knapp die Hälfte (46%) der internationalen Investoren, dass sich Aktien, allen voran Papiere aus den USA, im Jahr 2015 am besten entwickeln werden. Weitere 28 Prozent geben an, dass alternative Anlageformen die Top-Performer sein werden, wobei das Segment Private Equity als führend eingestuft wird. Lediglich 13 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich Anleihen am besten entwickeln werden. Noch weniger Befragte setzen auf Immobilien (7%), Energie (3%) und liquide Mittel (2%).