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09.09.2013

Institutionelle entdecken Senior Loans

Für drei Viertel der institutionellen Anleger in Deutschland spielen Senior Loans eine wichtige Rolle und ein Drittel ist schon in die junge Assetklasse investiert, besagt eine Umfrage von AXA IM.

Jörg Schomburg, AXA Investment Managers Deutschland

Jörg Schomburg, AXA Investment Managers Deutschland

Foto: AXA IM

Senior Loans sind für institutionelle Investoren in Deutschland offenbar eine Alternative zu einer Investition in traditionelle festverzinsliche Wertpapiere. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie von AXA Investment Managers in Zusammenarbeit mit der SMF Schleus Marktforschung. Befragt wurden 201 institutionelle Investoren mit einem Gesamtanlagevolumen von 965 Milliarden Euro zu den Chancen und Herausforderungen im Senior-Loans-Markt. Knapp ein Drittel (31%) der institutionellen Investoren sind der Umfrage zufolge schon in dieser Assetklasse investiert. Weitere 44% der Befragten haben das Thema bereits in ihre Investitionsüberlegungen einbezogen. Damit spielen Senior Loans für drei Viertel der institutionellen Anleger eine wichtige Rolle. Insbesondere die Möglichkeit zur Diversifikation sowie attraktive Renditemöglichkeiten werden als Hauptgründe für eine Investition genannt. Befragt wurden Versicherungen, Pensionskassen, Versorgungs-werke, Unternehmen und Family Offices. „Der Markt für Senior Loans wächst. In den USA und in Europa zusammen liegt das Volumen inzwischen bei 1.800 Milliarden US-Dollar. In Deutschland ist diese Anlageklasse jedoch noch relativ jung“, sagt Jörg Schomburg, Head of Institiutional Sales Deutschland bei AXA IM, zu den Ergebnissen, „Noch 2011 bestand das Fremdkapital europäischer Unternehmen zu über 80% aus Bankkrediten. Umso bemerkenswerter finden wir das Ergebnis, dass diese Assetklasse für einen Großteil der institutionellen Investoren eine Rolle spielt“.

Senior Loans sind erstrangig besicherte Darlehen, die von Banken oder anderen Finanzgesellschaften für große Unternehmen strukturiert werden. Sie haben in der Regel eine Bonitätsnote im Non-Investment-Grade-Bereich (BB+ oder tiefer). Die höhere Risikostruktur wird dadurch ausgeglichen, dass sie als die hochrangigsten Schuldtitel innerhalb der Kapitalstruktur eines Unternehmens geführt werden. Im Konkursfall werden sie somit als erste bedient. Senior Loans sind nicht an der Börse erhältlich, sondern werden zwischen Banken und institutionellen Investoren verbrieft am Sekundärmarkt gehandelt.

Pensionskassen greifen am meisten zu

Insbesondere Versicherungen und Pensionskassen haben Senior Loans für sich entdeckt. Die Investitionsquote liegt mit 36% bzw. 38% deutlich höher als bei Unternehmen mit Plan-Assets (28%), Versorgungswerken (24%) sowie Family Offices (20%). Bei Versorgungswerken und Family Offices gab allerdings zusätzlich rund die Hälfte der Befragten an, dass das Thema für sie von Interesse sei. Vor allem große Investoren mit einem Anlagevolumen von 10 Milliarden Euro oder mehr sind bereits in Senior Loans investiert (88%). Dennoch haben etwa die Hälfte der Investoren mit einem Anlagevolumen von weniger als 10 Milliarden Euro das Thema Senior Loans auf der Agenda.

Den größten Nutzen von Senior Loans sehen institutionelle Investoren vor allem in einer erhöhten Diversifikation. 37% der Befragten gaben dies als Vorteil an. Daneben spielen attraktiven Rendite- und Performanceaussichten (für 19%), die Vermeidung von Zinsänderungsrisiken (11%) sowie ein Inflationsschutz (10%) für Investoren eine Rolle. Die einzelnen Investorengruppen bewerten die Attraktivität von Senior Loans allerdings unterschiedlich. So ist zum Beispiel für Versicherungen neben der Diversifikation auch die Besicherung ein wichtiges Thema. Versorgungswerke und Family Offices stellen die variable Verzinsung in den Vordergrund. Für Unternehmen mit Plan-Assets ist vor allem die Höhe der Verzinsung für die Investition ausschlaggebend.

Befragt nach den größten Herausforderungen im Umgang mit Senior Loans gaben die Investoren vor allem regulatorische Rahmenbedingungen, das Risikomanagement, einen schwierigen Marktzugang sowie fehlende Kenntnisse in diesem Bereich an. Große Investoren mit einem Anlagevolumen von 10 Milliarden Euro und mehr, die bereits in Senior Loans investiert sind, sehen tendenziell größere Herausforderungen als kleinere Anleger. „Das ist nicht überraschend. Da die Großen bereits zu 88% in Senior Loans investiert sind, haben sie sich bereits intensiver mit der Umsetzung beschäftigt und sehen deshalb auch eher mögliche Herausforderungen. Spezialfondsfähigkeit von Senior Loans, intern managen oder extern vergeben oder auch Compliance-Aspekte – das alles sind Fragen, mit denen sich die großen Investoren bereits auseinandergesetzt haben“, erklärt Jörg Schomburg.