Meldungen | Emerging Markets, Marktkommentar
05.04.2012

Indische Aktien: Ist eine Rückkehr in den Markt wieder sicher?

Manish Bhatia, Fondsmanager bei Schroders, beschäftigt sich damit, wie sich Anleger für die nächste Konjunkturphase in Indien aufstellen sollten und ob die Aktien des Landes das Schlimmste überstanden haben.

Manish Bhatia, Fondsmanager bei Schroders

Manish Bhatia, Fondsmanager bei Schroders

Im vergangenen Jahr ist in Indien so gut wie alles schief gelaufen, was in einer Volkswirtschaft schieflaufen kann: Die Inflation schoss in die Höhe, es gab Korruptionsskandale und die Regierung durchlief eine Phase der politischen Lähmung. Doch 2012 legten die indischen Märkte einen erstaunlichen Start hin und verschafften sich einen deutlichen Vorsprung gegenüber der Region insgesamt. Die Rally schien zu schön, um wahr zu sein – und das war sie dann auch.

Die indischen Märkte haben in der Vergangenheit zu stark und zu schnell zugelegt. Und der Einbruch, den wir in jüngster Zeit beobachtet haben, ist vielleicht ein Zeichen dafür, dass es in Indien einige weitere turbulente Monate geben wird. Zwar heißt das nicht, dass eine richtige Erholung überhaupt nicht in Sichtweite ist. Doch es bedeutet, dass die Anleger den Gürtel vielleicht noch ein bisschen länger enger schnallen müssen. Nach unserer Ansicht ist ein nachhaltigerer Aufschwung erst in der zweiten Jahreshälfte wahrscheinlich. Doch bis dahin dürften indische Aktien noch ein wenig Achterbahn fahren.

 

Der Aufschwung: wenn nicht jetzt, wann dann?

 

In den ersten Wochen des Jahres profitierten indische Aktien vom globalen Handel durch überverkaufte Anlagen. Indische Aktien waren im vergangenen Jahr nicht nur der am stärksten überverkaufte Markt in der Region. Sie erhielten auch einen zusätzlichen Auftrieb dadurch, dass sich die Anlegerstimmung durch den Inflationsrückgang aufgehellt hat. Vor allem die Lebensmittelinflation ging Ende 2011 – als Ergebnis einer guten Ernte – deutlich zurück, wodurch die Märkte in die Höhe schnellten. Doch in den anderen Bereichen ist die Inflation nach wie vor hoch, was uns sehr beunruhigt. Da sich die Folgen der schwachen Währung erst zukünftig bemerkbar machen werden, dürfte die Inflation noch einige Zeit hoch bleiben. Aus diesen Gründen und weil sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zunächst noch stabilisieren müssen, sind wir der Ansicht, dass die Rallye ein wenig zu früh kam und der anschließende Einbruch dadurch gerechtfertigt war.

Trotz langfristig starker wirtschaftlicher Fundamentaldaten muss Indien in einigen Wirtschaftsbereichen erst noch die Kurve kriegen, bevor sich die Wertentwicklung bei Aktien nachhaltig bessert. Erstens müssen Inflation und Zinssätze sinken. Voraussetzung dafür ist aber eine Abschwächung des Wachstums. Das zeichnet sich zwar bereits ab, doch die Anleger müssen sich noch ein wenig gedulden. Alles in allem lief in Indien im vergangenen Jahr vieles schief. Inflation und Zinsen schossen in die Höhe, Korruptionsskandale erschütterten den Unternehmensbereich und die Regierung versäumte wichtige politische Entscheidungen. Es ist wahrscheinlich, dass wir in den kommenden Monaten noch einige Rückschläge bei der Marktentwicklung auszuhalten haben.

 

Auf welche Zeichen müssen Anleger bei einer nachhaltigen Rallye achten?

 

Vor einer nachhaltigen Erholung bei Aktien müssen zunächst einmal die Zinssätze zurückgehen, womit erst in der zweiten Hälfte dieses Jahres zu rechnen ist. Doch vor einer Zinssenkung muss es einen Konjunkturabschwung geben, der sich in vielerlei Hinsicht bereits abzeichnet. Der Konsum ist seit sechs neun Monaten, der Investitionsbereich seit über einem Jahr rückläufig. Da sich die Konjunktur weiter entspannt, gehen wir davon aus, dass auch die strukturelle Inflation langsam zurückgehen wird. Das dürfte nach unserer Einschätzung in den kommenden vier oder fünf Monaten der Fall sein.