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01.08.2014

Honorarberatung wird neu geregelt

Das neue Honoraranlageberatungsgesetz tritt am 1. August 2014 in Kraft. Aus der Branche kommt aber weiterhin Kritik am ungleichen Wettbewerb zwischen Provisionsvertrieb und Honorarberatung.

Am 1. August 2014 tritt in Deutschland das neue Gesetz zur Förderung und Regulierung einer Honorarberatung über Finanzinstrumente ("Honoraranlageberatungsgesetz") in Kraft. Voraussetzung für die Verwendung der künftig vom Gesetz geschützten Bezeichnung "Honoraranlageberater" oder "Honorar-Finanzanlageberater" ist die Registrierung in dem von der jeweils zuständigen Aufsichtsbehörde geführten und öffentlich einsehbaren Beraterregister. Finanzinstitute, die keine Honoraranlageberatung anbieten, müssen allerdings noch nicht klar erkennbar machen, dass sie provisionsabhängig beraten. Die Entwicklung hin zu mehr Transparenz in der Finanzberatung bekam aber zuletzt Unterstützung von höchster juristischer Instanz. So bekräftigte der Bundesgerichtshof (BGH) das neue Honoraranlageberatungsgesetz jüngst durch ein Urteil (Az.: XI ZR 147/12), das eine schärfere Aufklärungspflicht für Banken fordert. Danach haben Berater ihren Kunden ab dem 1. August 2014 alle Vergütungen von Finanzprodukten offenzulegen, die die Bank erhält, wenn sie ein Investmentprodukt verkauft. Dazu gehören auch sämtliche versteckten Innenprovisionen von Seiten Dritter.

Versicherungsvertrieb ist nicht erfasst

"Der Begriff 'Honoraranlageberater' muss sich bei den Verbrauchern erst noch durchsetzen", so Schmidt. "Umso wichtiger ist es, dass der Kunde weiß, ob er einem Berater gegenübersitzt, der unabhängig von Provisionsinteressen handelt oder einem Verkäufer, der Provisionsinteressen verfolgt“, sagt Karl Matthäus Schmidt, Vorstandschef der auf Honorarberatung spezialisierten quirin bank und ist optimistisch: "Grundsätzlich begrüßen wir das neue Gesetz, ist es doch ein erster richtiger und wichtiger Schritt, der Honorarberatung in Deutschland den nötigen Rückenwind zu verschaffen." Die Bundesregierung komme damit erstmals den Forderungen von Verbraucherschützern und Anlegeranwälten nach, mit der Honorarberatung eine verbraucherfreundliche Alternative zur provisionsbasierten Finanzberatung einzuführen. In einigen Details sieht Schmidt aber noch Nachbesserungsbedarf: "Unter anderem weist die vorgesehene Einführung der Berufsbezeichnung 'Honoraranlageberater' in entscheidenden Punkten Schwachstellen auf: Die Honorarberatung umfasst keine Versicherungen - das widerspricht dem Gedanken einer ganzheitlichen Beratung. Auch sind Honorare für Anleger weiterhin nicht steuerlich absetzbar. Vom Zustand gleicher wettbewerblicher Rahmenbedingungen für die Honorarberatung sind wir damit noch weit entfernt". Es bleibe nun abzuwarten, ob das Gesetz von der Finanzbranche angenommen werde. Das Gesetz werde helfen, finanzielle Schäden von etwa 30 bis 90 Milliarden Euro zu senken, die Anlegern Expertenschätzungen zufolge jährlich durch Falschberatung entstehen, ist der quirin-Chef überzeugt. Nur ein Verbot der provisionsabhängigen Beratung kann jedoch in seinen Augen Interessenkonflikte im Finanzvertrieb dauerhaft beenden. "Ich gehe davon aus, dass auch in Deutschland der provisionsgetriebene Verkauf von Finanzprodukten mittelfristig untersagt werden wird. In sechs Jahren sind wir genauso weit, wie die Niederlande oder Großbritannien bereits heute", so Schmidt weiter.

Großbritannien und Niederlande gehen voran

Andere Länder sind bereits etwas weiter bei der Regulierung des Finanzberatergewerbes als Deutschland. Großbritannien hat Provisionen bei Vorsorge- und Investmentprodukten für Makler bereits 2013 abgeschafft. Nach Angaben der britischen Finanzbehörde FCA habe es zwar eine Konzentration unter den Finanzberatern stattgefunden, wodurch die Zahl der Berater bei Banken und Bausparkassen zurückgegangen sei, die Zahl der unabhängigen Finanzberater sei jedoch insgesamt stabil geblieben. Gleichzeitig seien die Erlöse auf Seiten der unabhängigen Finanzberater gestiegen. In den Niederlanden gilt seit 2013 ebenfalls ein Verbot für Provisionen auf bestimmte komplexe Finanzprodukte, das Anfang 2014 auf Investmentprodukte insgesamt ausgeweitet wurde. Ab 2015 sind auch Rückvergütungen der Produkthersteller an den Vertrieb, sogenannte Kickbacks, von dem Verbot betroffen. Das niederländische Finanzministerium will mit dem Provisionsverbot die enge Abhängigkeit zwischen Produktgeber und Berater auflösen. Auch in Deutschland werde schon in wenigen Jahren ein Verbot der provisionsabhängigen Beratung kommen, schätzt quirin-Vorstand Schmidt: „Nur ein Verbot kann Interessenkonflikte im Finanzvertrieb dauerhaft beenden."