Meldungen | Interview, Marktkommentar
15.01.2014

Herausforderung der Normalisierung

Die Erholung der Weltwirtschaft wird sich 2014 fortsetzen, wenn auch regional unterschiedlich, schreibt Didier Saint-Georges im aktuellen Kommenater "Carmignac's Note".

Didier Saint-Georges, Investmentkomitee Carmignac Gestion

Didier Saint-Georges, Investmentkomitee Carmignac Gestion

Foto: Carmignac

Das Jahr 2013 stand im Zeichen der geldpolitischen Unterstützung durch die Zentralbanken, vor allem seitens der US-Notenbank, die das Jahr mit dem dritten Anleihenkaufprogramm, auch Quantitative Easing 3 genannt, begann. Die sehr akkommodierende Geldpolitik sollte die schwächelnde Wirtschaft in den Industriestaaten ankurbeln. Vor dem Hintergrund der niedrigen Inflation rechtfertigte sie nicht eine positive Haltung zu den Aktienmärkten, sondern auch ein Exposure in sicheren Anleihen. Die Überraschung kam aus den USA, wo auch die Fiskalklippe und der Haushaltsstreit die Wirtschaftsdynamik nicht länger dämpfen konnten und die Fed veranlassten, eine baldige Drosselung der Anleihenkäufe anzukündigen.

Folglich entwickelten sich die Anlageklassen sehr unterschiedlich: Die weltweiten Aktienmärkte beendeten das Jahr mit einem Plus von 17,5%, während der globale Rentenindex einen Verlust von mehr als 8% verbuchen musste. Nur in den Schwellenländern büßten die Aktienbörsen infolge des drohenden Auslaufens der geldpolitischen Lockerung im Jahresverlauf durchschnittlich 7% ein. 2014 beginnt also mit einer völlig anderen Dynamik als 2013. Das Wirtschaftswachstum in den USA beschleunigt sich weiter, obwohl es bereits in der Mitte des Zyklus angekommen ist, und bald nicht mehr unter den Haushaltskürzungen leiden wird. In Europa und den Schwellenländern, die in den letzten Jahren einen deutlichen Abschwung – wenn auch in sehr unterschiedlichem Ausmaß – verzeichnen mussten, stabilisiert sich die Konjunktur, während Japan eine wirtschaftliche Renaissance erlebt. Ziel der Anlagestrategie ist es nun, die Chancen des von den USA angetriebenen Aufschwungs zu nutzen und sich gleichzeitig vor den Risiken einer Zinsnormalisierung zu schützen.

Die US-Wirtschaft hat sich unerwartet schnell erholt. Das Wachstum erreichte 2013 beinahe 2% und führte zu einer deutlichen Steigerung der Steuereinnahmen. Der Aufschwung der Indus- trie und die Energieautarkie ermöglichten es den USA, einen Großteil der Binnennachfrage ohne Importe zu decken und so die Leistungsbilanz zu sanieren, deren Defizit seit 2009 von 6,5% auf 2% geschrumpft ist. Der stete Rückgang der Arbeitslosigkeit ist ebenfalls ein Ergebnis der neuen Wirtschaftsdynamik. Die Fundamentaldaten der US-Wirtschaft haben sich also zweifelsohne verbessert. In den meisten Sektoren meldeten die Unternehmen, die wir beobachten, eine Beschleunigung des Geschäfts zum Jahreswechsel, was auf eine Fortsetzung der Dynamik im neuen Jahr deutet. Obwohl das Niveau der Aktienmärkte kaum mehr Spielraum für einen Anstieg der Kurs-Gewinn-Verhältnisse bietet, scheint es logisch, dass die US-Börsen weiterhin an der Spitze liegen, insbesondere da ihr Beitrag zum Vermögenseffekt die Stimmung der Konsumenten im Land aufhellt.

Im Euroraum sieht die Wirtschaftslage völlig anders aus. Die Indikatoren des vierten Quartals bestätigen, dass die Region das Jahr 2013 mit einem annuali- sierten „Wachstum“ von insgesamt -0,5% abschloss und große Schwierigkeiten haben dürfte, im neuen Jahr mehr als 1% zuzulegen. Anpassung in den Peripherie-Staaten haben das Ungleichgewicht zwar gemindert, aber gleichzeitig Deflationsdruck erhöht. Trotz der Senkung der Nominalzinsen sind damit die realen Finanzierungskosten (d. h. nach Abzug der Inflation) 2013 in Italien und Spanien sogar gestiegen! Infolge des Abklingens des systemischen Risikos und der Rückkehr der ausländischen Anleger wurden die europäischen Aktienmärkte vor allem von einem Nachholbedarf sowie der Erwartung eines ca. 15-prozentigen Wachstums der Unternehmensgewinne in Europa (gegenüber einem Rückgang von 5% im Jahr 2013) angetrieben. Die europäischen Volkswirtschaften beginnen 2014 mit einer positiven Dynamik, die jedoch noch stark von der weltweiten Konjunkturerholung und der Unterstützung der Europäischen Zentralbank (EZB) abhängt, die dieses Jahr vielleicht wieder eingreifen muss.

 

Den vollständige Marktkommentar "Carmignac's Note" finden Sie hier als PDF.