Meldungen | Marktkommentar
09.11.2017

Gesucht wird: Aktienähnliche Rendite bei geringerer Volatilität

Thomas Altmann, Leiter des Portfolio-Managements von QC Partners in Frankfurt, zu den Vorteilen sogenannter "Collar"-Strategien gegenüber direkten Aktienanlagen.

Thomas Altmann, Leiter des Portfolio-Managements von QC Partners

Thomas Altmann, Leiter des Portfolio-Managements von QC Partners

Foto: QC Partners

Dass angesichts des historischen Niedrigzinsumfelds viele professionelle Investoren dazu angehalten sind, neben klassischen risikoarmen Investments auch in risikoreichere Anlagen zu investieren, ist hinlänglich bekannt. Dies betrifft nicht nur Privatbanken, Vermögensverwalter, Family Offices und Stiftungen, sondern in besonderem Maße auch Altersversorgungseinrichtungen, Lebensversicherer und Pensionskassen. Diese Marktteilnehmer stehen vor der Herausforderung, einen veranschlagten Rechnungszins zu erwirtschaften, müssen für ihre Kapitalanlagen jedoch sehr genaue Eigenkapitalvorgaben erfüllen. Der „Solvency Capital Requirements”-Katalog listet dabei auf, in welcher Höhe diese Ausrichtung an den Eigenmitteln - je nach Risiko der Anlage – zu erfolgen hat. So sind Aktien aus Schwellenländern mit mehr Eigenkapital abzusichern als solche aus dem EU-Raum, Staatsanleihen erfordern (allerdings je nach Bonität) zum Beispiel niedrigere Auflagen. Für diese institutionellen Investoren stellt sich also die Frage, mit welchen Anlagen sie im Vergleich zu einem direkten Aktieninvestment aktienähnliche Renditechancen erwirtschaften. Und das bei geringerer Volatilität oder höhere Renditen bei aktienähnlicher Schwankungsbreite, bei gleichzeitig geringerem Drawdown-Risiko und bei geringeren Eigenkapitalanforderungen.

Regelmäßig wiederkehrende Erträge

Optionen auf Aktien- und Volatilitätsindizes erfordern unter bestimmten Voraussetzungen ein niedrigeres Risikokapital als direkte Aktieninvestments. Um die Vorteile dieser Anlageform zu heben und regulatorisches Kapital effektiv zu schonen, empfiehlt sich eine Konstruktion in Form einer sogenannten „Collar-Strategie“. „Collar“ bedeutet wörtlich übersetzt „Bandbreiteoption“. Sie bildet einen Rahmen, innerhalb dessen sich die zukünftige Wertentwicklung bewegen wird. Ziel ist es, neben den Zinszahlungen aus dem Basisportfolio (die Mehrzahl der Investoren wählt hierfür Anleihen staatlicher Emittenten) regelmäßige Optionsprämien zu realisieren.

Genaue Marktkenntnisse erforderlich

Wie funktioniert solch eine Vereinnahmung zusätzlicher Renditebeiträge in der Praxis und in welchen Marktphasen spielen diese Strategien ihre Stärken besonders aus? Auswertungen zeigen, dass diese Strategien weitgehend unkorreliert vom aktuellen Marktumfeld funktionieren, ihren Mehrwert gegenüber direkten Aktienanlagen jedoch in Seitwärtsphasen oder tendenziell fallenden Märkten besonders ausspielen. Der Verkäufer schreibt dafür Put-Optionen und wird für das Risiko entlohnt, dem Käufer zu einem bestimmten Zeitpunkt den Basiswert zu einem bestimmten Preis abnehmen zu müssen. Notiert der Basiswert bei der Optionsausübung über dem Basispreis, profitiert der Verkäufer. Um solche Zusatzeinkommen zu generieren, bedarf es einer intimen Kenntnis relevanter Volatilitätsindizes und einer klaren Meinung des Portfoliomanagers zu aktuellen Marktentwicklungen und -ereignissen, etwa zu geopolitischen Themen (z. B. Konflikt USA-Nordkorea) oder ökonomischen Risiken (z. B. Brexit).

Risiken begrenzen

Zur systematischen Risikobegrenzung werden gleichzeitig Put-Optionen mit niedrigeren Basispreisen auf dieselben Aktien- und Volatilitätsindizes gekauft. Damit wird das Risiko – unabhängig vom Ausmaß möglicher Kursverluste am Aktienmarkt – begrenzt. Ein maximal möglicher Verlust ist durch den Collar festgelegt und jederzeit quantifizierbar. Berechnungen anhand der Ergebnisse unserer eigenen Strategie zeigen, dass das reine Alpha, also die Optionsstrategie, in den vergangenen zwölf Monaten (Oktober 2016 bis September 2017) eine Wertentwicklung in Höhe von 5,66 Prozent bei einer Volatilität von 0,76 Prozent erzielen konnte. Während der DAX 13 positive und sechs negative Monate hinter sich hat, konnte die Optionsstrategie (Alpha) 19 positive Monate seit März 2016 verzeichnen. Da die Umsetzung dieser Strategie praktisch keinen Kapitaleinsatz erfordert, kann dieser Ertrag zusätzlich zur Rendite eines bestehenden Anleihenportfolios generiert werden.

Zusätzliche Optionsprämien vereinnahmen

Leider wird es den „risikolosen Zins“ (aufgrund eingeschränkter Performancepotenziale bei Staatanleihen mit teilweise negativen Renditen) in absehbarer Zukunft nicht geben. Informierte Anleger, die auf der Suche nach alternativen Renditequellen sind oder das Risiko eines Aktienkaufs erwägen, sollten daher auch solche Strategien in Betracht ziehen, die die Vereinnahmung zusätzlicher Optionsprämien ermöglichen. Die Vorteile liegen in einer aktienähnlichen Rendite bei gesenkter Kursschwankung im Portfolio oder alternativ in höheren Renditen bei gleichzeitiger Begrenzung von Risiken sowie optimiertem Solvenzkapitalaufwand.