Meldungen | Emerging Markets, Marktkommentar
02.08.2013

„Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich“

Wojciech Stanislawski, Co-Fondsmanager des Comgest-Aktienfonds Magellan warnt vor einer Talfahrt von Aktien, Anleihen und Währungen in den Emerging Markets. Länder die Reformen verzögern, werden ins Hintertreffen geraten.

Wojciech Stanislawski

Wojciech Stanislawski

Foto: Comgest

„Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich“. Dieses Zitat von Mark Twain passt sehr gut auf die Schwellenmärkte, die sich wieder einmal als verwundbar erwiesen. Die Story ähnelt stark dem, was wir schon in der Vergangenheit erlebt haben: Nachlassendes Wachstum hat die Begeisterung der Anleger für die aufstrebenden Volkswirtschaften gedämpft. Diese bleiben von den internationalen Liquiditätsströmen abhängig, um ihr Wachstum und ihre oft negativen Handelsbilanzen zu finanzieren. Freundliche Liquiditätsbedingungen, ein abwertender US-Dollar und steigende Rohstoffpreise – drei eng miteinander verknüpfte Gegebenheiten – haben die Aktienmärkte der Schwellenländer jahrelang sehr begünstigt. Die mögliche Straffung der Geldpolitik, der Rückgang der Rohstoffwährungen und die wahrscheinliche Aufwertung des Dollars könnten die Situation nun ein Stück weit umkehren und damit die Aktien, Anleihen und Währungen der Schwellenländer auf Talfahrt schicken. Darüber hinaus weckt derzeit die Kreditverknappung in China, die von den Behörden gewollt ist, um die Zunahme der Nichtbankenkredite einzudämmen, Ängste vor einer stärkeren Abkühlung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Wie häufig in solchen Fällen scheinen uns die Reaktionen übertrieben und bestrafen eine Reihe von qualitativ hochwertigen Wachstumstiteln über Gebühr.

Die schwache Wertentwicklung der Währungen der Schwellenländer, ausgelöst durch die erwartete Straffung der quantitativen Lockerung und befeuert durch starke Abflüsse aus Emerging Markets-Anleihen und -Aktien im Juni 2013, hat die seit Jahresbeginn schwache Performance des MSCI EM noch betont. In lokaler Währung liegt der MSCI EM seit Jahresbeginn 7% im Minus, in USD ist der Index um 11,7% zurückgegangen.

Während die Schwellenländer in der Hochphase niedriger Zinsen und hoher Liquidität von 2002 bis 2007 wie eine turbogeladene Version der entwickelten Volkswirtschaften funktionierten, beginnt nun die lang anhaltende Periode wirtschaftlichen Abschwungs seit der weltweiten Finanzkrise – zuletzt begleitet von steigenden Zinsen und niedrigerer Liquidität – in die entgegengesetzte Richtung zu arbeiten. Die hohe wirtschaftliche Korrelation zwischen aufstrebenden (EM) und entwickelten Märkten (DM) bedeutet nicht nur eine Verstärkung (bei gleichwohl nach wie vor stärkerem Wachstum) der Konjunkturzyklen in den EM, sondern auch starke Auswirkungen auf die Zins-, Währungs- und Kreditmärkte. Länder mit geringem Wachstum, hoher Abhängigkeit von Rohstoffzyklen, Reformdruck und hohen Leistungsbilanzdefiziten werden zunehmend kritisch von Anlegern beäugt.

Diese Länder, vor allem Brasilien, Südafrika, die Türkei, Indien und Polen, sind am anfälligsten für Mittelabflüsse aus Schwellenmärkten, was ihre Währungen und Aktienmärkte unter vergleichsweise hohen Druck gesetzt hat.

Es hat sich gezeigt, dass die Konzentration auf Qualitätswachstumsunternehmen bei unbeständigen lokalen Marktbewegungen wie ein Stoßdämpfer funktionieren kann. Wir setzen daher weiterhin auf qualitativ hochwertiges Wachstum auf Mikroebene. Die Unternehmen in unseren EM-Aktienportfolios sind von Natur aus weniger sensibel gegenüber Konjunkturzyklen und aufgrund ihrer Bilanzstärken und Selbstfinanzierungskapazitäten recht unabhängig von internationalen Geld- und Währungsbewegungen – wie etwa die führenden brasilianischen Werte Localiza (größter lateinamerikanischer Autovermieter), WEG Equipamentos Elétricos (globaler Produzent von Elektromotoren), Natura (führender brasilianischer Kosmetikhersteller) oder CCR (Autobahn-betreiber).

Angesichts des allgegenwärtigen Wachstums in den Schwellenmärkten bis zur weltweiten Finanzkrise wurde in einer Reihe von aufstrebenden Volkswirtschaften nicht genügend investiert und reformiert. Es ist wahrscheinlich, dass jene Länder, die weiter Reformen betreiben – und mit ihren Volkswirtschaften einen autonomen Weg zu Wachstum beschreiten – auch die meisten ausländischen Investitionen und Mittelzuflüsse in ihre Aktienmärkte locken werden.

 

Den vollständigen Kommentar finden Sie hier als PDF.