Meldungen | Marktkommentar
06.05.2016

Gelingt den Emerging Markets die Trendwende?

Geraldine Sundstrom, Leiterin des europäischen Asset-Allokation-Teams bei Pimco, sieht die Zeit reif für einen Wiedereinstieg in Schwellenländer-Aktien.

Geraldine Sundstrom, Managing Director Pimco

Geraldine Sundstrom, Managing Director Pimco

Foto: Pimco

Das Umfeld in den Schwellenländern hat sich in den vergangenen Monaten kontinuierlich verbessert. Die Rohstoffpreise haben einen vorläufigen Boden gefunden, die Transformation von Chinas Wirtschaft macht gute Fortschritte, und die US-Notenbank hat ihren Plan, die Leitzinsen anzuheben, abgemildert, was auch den US-Dollar schwächer gemacht hat. Auf Basis dieses Szenarios beginnen wir, zunehmend Kapital in diejenigen Schwellenländer umzuschichten, wo wir einen Mehrwert erwarten.

Aktien

Die dramatische negative Entwicklung bei den Unternehmensgewinnen sollte bald zu Ende gehen, weil die Rohstoffpreise nicht weiter fallen und die Einkaufsmanager-Indizes steigen. Bezogen auf den MSCI EM- und den ACWI-Index bieten die aktuellen KGVs für Schwellenländer einen 25-prozentigen Abschlag gegenüber den KGVs in den Industriestaaten. Die Dividendenrenditen sind etwas höher, und zudem bieten Schwellenländer-Firmen deutlich höhere freie Cash-Flow-Renditen (8 % versus 6 %), bei vergleichbaren (Eigenkapital-) Renditen. Wir glauben deshalb, dass Aktien derzeit ein sehr gutes Anlageinstrument sind, um sich selektiv in den Schwellenländern zu engagieren.

Währungen

Uns gefällt eine Reihe von Währungen, die deutlich abgewertet haben und die Renditen bieten, die mit jenen von Hochzinsanleihen mithalten können, die aber deutlich liquider sind und deren Kurse weniger stark schwanken. Dazu gehören etwa der mexikanische Peso und der russische Rubel.

Zinsen

Einige Zinskurven wie die von Mexiko und Südafrika sind besonders attraktiv, da Investoren aus unserer Sicht bereits zu viele Zinserhöhungen eingepreist haben.

Die Rolle von Schwellenländer-Titeln in einem Gesamtportfolio

Mit Blick auf ein Gesamtportfolio gab es in den letzten Jahren wenig Anlass, die Finanzmärkte der Industriestaaten zu verlassen. Die Aktien und Anleihen aus diesem Teil der Welt brachten überdurchschnittliche Gewinne über fünf Jahre hinweg, gestützt von stetig fallenden Leitzinsen und der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken. Parallel dazu fielen Anlagen aus Schwellenländern zurück, weil die Wachstumsraten und die Rohstoffpreise dramatisch gesunken waren, und zudem die US-Notenbank damit begonnen hatte, die Leitzinsen auf ein normales Niveau zurückzuführen. Jetzt allerdings reflektieren die Bewertungen in den entwickelten Märkten bereits vollständig den Vorteil niedriger Abzinsungssätze. Der Rückenwind der Zentralbanken und ihrer Zinspolitik wird schwächer und vielleicht bald ganz abflauen: Wir haben in vielen Ländern den Wendepunkt bei negativen Zinsen erreicht und wir fragen uns, ob diese überhaupt hilfreich sind, weil sie mit einer Verschlechterung der finanziellen Rahmenbedingungen einhergehen. In dem Maße, indem dieser Rückenwind abnimmt, verbessert sich gleichzeitig der Ausblick für die Märkte der Schwellenländer. Natürlich bleiben einige Risiken bestehen. Bei den drei großen drei Variablen China, den Zentralbanken und den Rohstoffen hat eine Beruhigung stattgefunden. Aber wir müssen auf mögliche Störfaktoren acht geben, einschließlich einer schneller als erwartet eintretenden Abwertung des Yuan oder eines abermals abrupt fallenden Ölpreises. Zu Beginn dieses Jahres waren wir noch vorsichtig mit Blick auf die Märkte der Schwellenländer, aber wir beobachteten diese unvoreingenommen. Jetzt denken wir, dass die Zeit reif ist, um sich wieder aktiv zu engagieren.