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18.01.2011

Geldvermögen der Deutschen steigt auf 4,88 Billionen Euro

Zuwachs um 4,7% im Jahr 2010 dank hoher Ersparnis und guter Börsenentwicklung 

Nachdem die deutschen privaten Haushalte schon 2009 die Vermögensverluste aus dem Krisenjahr 2008 mehr als ausgleichen konnten, setzte sich der Vermögensaufbau im Jahr 2010 fort. Nach Schätzungen von Allianz Global Investors legte das Bruttogeldvermögen im abgelaufenen Jahr um knapp 220 Milliarden Euro zu und erreichte gegen Jahresende einen neuen Höchststand von 4,88 Bio. Euro. Ende 2009 hatte das Geldvermögen der Deutschen noch 4,67 Billionen Euro betragen. Im Rückspiegel betrachtet verlief das Anlagejahr 2010 damit dem Vorjahr nicht unähnlich. Auch 2010 führten die hohe Sparquote der Deutschen sowie ein per Saldo sehr gutes Börsenjahr zu einem Vermögensplus von 4,7%. Im Durchschnitt verfügt damit jeder Bundesbürger über 59.900 Euro, nach 57.000 Euro Ende 2009.
Etwa zwei Drittel des Geldvermögenszuwachses sind als neue Anlagemittel zugeflossen, erklärt Renate Finke, Senior Economist und Autorin der Studie Aktuelles Geldvermögen in Deutschland: "Die sogenannte Geldvermögensbildung dürfte sich 2010 auf rund 150 Milliarden Euro belaufen haben, nach 147,7 Milliarden Euro im Vorjahr. Weitere rund 70 Milliarden Euro sind auf Bewertungsgewinne zurückzuführen. Hieran hatte der kräftige Anstieg des DAX einen großen Anteil." Nach einer volatilen Seitwärtsentwicklung in den ersten neun Monaten des Jahres legte der DAX 2010 durch einen fulminanten Endspurt per Saldo um 16% zu. 
 
Sparquote und verfügbare Einkommen gestiegen 
 
Das höhere Sparvolumen im Jahr 2010 resultierte einerseits aus einer leicht höheren Sparquote (11,3% nach 11,1% im Jahr 2009) sowie einem Anstieg der verfügbaren Einkommen um etwa 2,6%. Letzteres wiederum resultierte aus einem Abbau der Kurzarbeit, aus der steuerlichen Absetzbarkeit von Krankenversicherungsbeiträgen und nicht zuletzt dem Beschäftigungszuwachs im Zuge der wirtschaftlichen Erholung in Deutschland.
Auch wenn die konjunkturelle Erholung und wieder gestiegene verfügbare Einkommen die Bundesbürger im abgelaufenen Jahr zunehmend optimistisch stimmten, blieben ihre Anlageentscheidungen von Vorsicht geprägt. So schichteten sie ihr Geld auch 2010 weiter auf kurzfristig verfügbare Konten um. Entsprechend war bei dieser Anlageform ein nochmaliger Anstieg von rund 10% zu verzeichnen. "Mit einem Bestand von rund 750 Milliarden Euro übertreffen die täglich verfügbaren Gelder mittlerweile den Bestand an Spareinlagen von gut 600 Milliarden Euro", so Renate Finke, "Seit Ausbruch der Krise im September 2008 verzeichneten Sicht- und Spareinlagen damit Mittelzuflüsse von knapp 330 Milliarden Euro." Einbußen mussten dagegen Termineinlagen und Sparbriefe im Portfolio der privaten Haushalte hinnehmen. Eine geringe Verzinsung gepaart mit der terminlichen Bindung machte diese Anlagen unattraktiv, so dass 2010 weitere rund 30 Milliarden Euro aus diesen Anlagen abgezogen wurden (nach 120 Milliarden Euro im Vorjahr). 
 
Mischfonds profitieren 
 
Die deutlichen Spuren, die die Finanzmarktkrise beim Anleger hinterlassen hat, zeigen sich auch in einer anhaltenden Zurückhaltung bei der Aktienanlage. Zwar haben die Wertzuwächse wieder zu einem höheren Aktienvermögen im Portfolio der privaten Haushalte geführt, dennoch schauen die Privatanleger bei ihrer Suche nach Rendite noch nicht unvoreingenommen auf den Aktienmarkt. Eine Präferenz für risikoärmere Investitionen zeigt sich auch bei der Fondsanlage. Hier konnten im vergangenen Jahr insbesondere Mischfonds Boden gut machen. James Dilworth, CEO Allianz Global Investors, sieht ein Ende der Buy-and-Hold-Strategie kommen: "Der Trend geht von Kaufen und Halten zu einer echten Vermögensverwaltung mit aktivem Risikomanagement. Hier ist Allianz Global Investors mit seinen von externer Seite ausgezeichneten Vermögensverwaltungs-Konzepten sehr gut aufgestellt."
In der Zusammensetzung des Geldvermögens der privaten Haushalte haben sich im Vergleich zu 2009 nur marginale Veränderungen ergeben. Nach wie vor dominieren mit knapp 38% die Anlagen bei Banken und Sparkassen. Rund 1,85 Bio. Euro liegen dort als Sicht-, Termin- und Spareinlagen sowie als Sparbriefe. Zwar nahm die Bedeutung von Kapitalmarktprodukten wie Aktien, Investmentfonds, Rentenpapiere und nicht börsennotierte Beteiligungen 2010 wieder leicht zu, dennoch erreicht ihr Anteil derzeit nur knapp 28%. Noch 2006 hatten die Anteile der Bank- und Kapitalmarktanlagen dicht beieinander gelegen. Vergleichsweise stabil blieb dagegen mit knapp 29% der Anteil der Versicherungen am Geldvermögensbestand der Deutschen.