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17.07.2014

Für „Smart Beta“ gibt es so viele Definitionen wie Asset Manager

Gemeinsam sollte "Smart Beta" aber dafür stehen, das Risikopotential von kapitalmarktgewichteten Indizes zu verkleinern. Mehr dazu von Christina Böck, CIO Switzerland und Head Solution Strategist Central Europe bei AXA IM.

Christina Böck

Christina Böck

Foto: AXA IM

„Als in der großen Krise von 2008 die Nachteile der kapitalisierungsgewichteten Benchmarks deutlich wurden, begann die Finanzbranche über neuartige Indizes nachzudenken“, so Böck. Die Grundfrage: Wie verschafft man den Investoren Zugang zu einer bestimmten Risikoprämie, ohne die Nachteile der traditionellen Indizes zu tragen? Die Antwort darauf sind die so genannten Smart-Beta-Konzepte. „Allerdings gibt es dafür so viele Definitionen wie Asset-Management-Firmen, die es anbieten“, unterstreicht die Investmentexpertin. „Gemeinsam ist diesen Ansätzen in der Regel nur, dass sie auf eine ausgewogenere Gewichtung der Titel abzielen, wobei ausgewogen ein relativer Begriff ist.“ In der jüngeren Vergangenheit haben sich die Kundensegmente in dieser Hinsicht deutlich auseinanderentwickelt. So sind für private Kunden in vielen europäischen Ländern die Total-Return- oder Absolute-Return-Produkte wieder im Vormarsch. Diese Ansätze zielen darauf ab, in allen Marktkonfigurationen eine Performance über Null zu liefern, zumindest über längere Zeitperioden. „Heute sind diese Versprechen allerdings realistischer als in den neunziger Jahren, in denen die ersten Total-Return-Produkte auf den Markt kamen“, betont Böck. „Seither haben sich nicht nur die Risikomanagement-Techniken weiterentwickelt, sondern auch das Angebot an derivativen Produkten. Heute lassen sich nahezu alle Anlageklassen kostengünstig absichern.“ Zudem seien die Schattenseiten dieser Produkte heute besser bekannt, etwa die Tatsache, dass Investoren in Haussezeiten mit etwas weniger Performance rechnen müssten.

 

Lösungen gefragt

 

Für institutionelle Kunden finden die neuesten Entwicklungen auf einem ganz anderen Terrain statt. Böck: „Auf Grund von immer mehr und immer komplexerer Regulierung und extrem tiefen Zinsen und Renditen, sind insbesondere die Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen immer komplexeren Investitionsanforderungen ausgesetzt.“ So sind sie gezwungen, verschiedenste Auflagen zu erfüllen, die sich zum Teil widersprechen, wie etwa im Fall der Solvenzanforderungen gemäß Solvency II und den Garantiezinsen, die in manchen Ländern sehr hoch sind. Kleinere Gesellschaften oder Vorsorgeeinrichtungen können nach Einschätzung Böcks nicht mehr Schritt halten: „Oft fehlt es ihnen an den internen Ressourcen, um diese Anforderungen zu bewältigen. Daher delegieren sie Teile ihrer Wertschöpfungskette an externe Dienstleister und werden dies in der Zukunft noch verstärkt tun.“

Aus dieser Entwicklung resultiert der Trend zum Wandel vom Produkt- zum Lösungsanbieter, den viele Asset-Management-Firmen derzeit durchlaufen. Bei nahezu allen größeren Adressen entstehen Abteilungen, die den Namen Solutions im Titel tragen und deren Ziel es ist, institutionellen Kunden bei der zielführenden Strukturierung ihrer Investitionen zu beraten. „Dafür sind fundierte Kenntnisse über Regulierung, Buchhaltung, Aktiv-Passiv-Verhältnisse und sonstige Ansprüche der Kunden erforderlich“, unterstreicht Böck. Ihr Fazit: „Der Ansatz ist sicher der richtige – ob wirklich alle Asset Manager diese Expertise mit ausreichender Qualität anbieten können, bleibt abzuwarten.“