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22.08.2013

Finanzdienstleister in Europa wollen Manager-Gehälter erhöhen

Die Fixgehälter sollen heuer oder 2014 zu Lasten der gesetzlich regulierten Boni angehoben werden, sagten 80% der Finanzhäuser bei einer Umfrage des Unternehmensberaters Mercer.

Foto: Kasper/pixelio

Ein Viertel der europäischen Finanzinstitute plant die Fixgehälter der leitenden Mitarbeiter noch in diesem Jahr anzuheben. Mit Blick auf 2014 liegt die Quote sogar bei 57%, ergab die aktuelle Mercer-Studie "Global Financial Services Executive Remuneration Report", für die 78 Finanzdienstleister weltweit befragt wurden, davon 36 in Europa. Hintergrund sind die aktuellen Boni-Regulierungen auf EU-Ebene, allen voran den geplanten Regelungen zu "Say on Pay" (Aktionärsmitbestimmung beim Gehalt) und der bereits verabschiedeten Bonideckelung. 18% der befragten Unternehmen wollen darüber hinaus 2013 Zulagen und Nebenleistungen erhöhen (2014: 39%). Laut Mercer hat etwa die Hälfte der befragten europäischen Unternehmen (52%) keine Begrenzung für das Verhältnis von fixer zu variabler Vergütung eingeführt. 47% der Unternehmen gaben an, dass sie dieses Thema vor Verabschiedung der Capital Requirements Directive (CRD IV), die eine solche Begrenzung ab Anfang 2014 fordert, nicht auf der Agenda hatten.

Die Bestimmungen der CRD IV treten zusätzlich zu den bereits geltenden Boni-Regelungen CRD III in Kraft. Die Bonushöhe muss dann auf 100% des Fixgehalts begrenzt werden (bis zu 200% sind möglich, sofern die Hauptversammlung zustimmt). Sofern ein Aufschub der variablen Vergütung um mindestens fünf Jahre erfolgt, können 25% davon diskontiert angesetzt werden.

Verbindung mit Performance geschwächt

"Unsere Untersuchung zeigt, dass sich bereits jetzt viele Institute auf die neuen Vorschriften unter CRD IV vorbereiten“, sagt Bernd Thomaszik, Leiter der Vergütungsberatung bei Mercer Deutschland. Allerdings führte die Verringerung der variablen Gehaltsbestandteile durch eine Erhöhung der fixen Vergütung dazu, dass die Verbindung zwischen Vergütung und Performance geschwächt wird: „Je weniger variable Gehaltsbestandteile mit der Leistung eines Mitarbeiters verknüpft sind, desto weniger Gehalt kann zurückbehalten und die Vergütung so gegebenenfalls nicht mehr ausreichend auf die mit dem Risiko verbundenen Zeiträume des Geschäfts ausgerichtet werden". Diese Entwicklung widerspräche den Prinzipien, die vom Financial Stability Board nach der Finanzkrise entwickelt wurden und die besagen, dass die Vergütung in Banken und anderen Finanzinstituten mit der mehrjährigen Leistung verbunden sein sollte, so Thomaszik.

Nicht-monetäre Leistungen werden wichtiger

75% der Befragten arbeiten laut Studie bereits daran, "kreative" Vergütungsmodelle zu entwickeln, und 89% der Institute rechnen damit, dass sich der Fokus von der Vergütung weg und hin zu anderen Teilen der Gesamtleistungen für die Mitarbeiter bewegen wird. "Da es mit den geplanten regulatorischen Änderungen und der damit einhergehenden Erhöhung der fixen Vergütungen unter Umständen teurer wird, neue Talente in die Unternehmen zu holen, konzentrieren sich immer mehr Institute darauf, die Fähigkeiten der Mitarbeiter zu entwickeln und ihren vorhandenen Talentpool stärker an das Unternehmen zu binden", stellt Thomaszik fest. "Dabei rücken verstärkt nicht-monetäre Leistungen in den Vordergrund, z. B. flexible Arbeitszeitmodelle, Trainings und Maßnahmen zur Karriereentwicklung."