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13.04.2012

Feri-Umfrage: Deutsche Fondsbranche favorisiert Emerging Markets

Den Schwellenländer-Fonds werden von den Anbietern zwar die besten Vertriebsaussichten für 2012 attestiert, aber auf ihre Produktpolitik wirkt sich das offenbar nicht aus.

Christian Michel, Teamleiter Fonds bei Feri EuroRating

Christian Michel, Teamleiter Fonds bei Feri EuroRating

Feri EuroRating

Gefragt nach den größten Absatzpotenzialen im Jahr 2012, bescheinigen mehr als 96% der befragten Fondsgesellschaften Schwellenländer-Aktienfonds die besten Vertriebschancen. Dies ergab die Frühjahrsumfrage „Trends in der Fondsbranche“ von Feri EuroRating unter 60 deutschen Fondsgesellschaften. Auch bei den Rentenfonds liegen die Schwellenländerprodukte vorn: Ihnen rechnen 90% der Befragten gutes bis sehr gutes Absatzpotenzial zu. Aktienfonds mit Fokus auf Deutschland räumen mehr als drei Viertel der befragten Häuser gute bis sehr gute Absatzpotenziale ein, wenngleich sich hier die Stimmung im Vergleich zur Vorjahresumfrage merklich eintrübte.
„Schwellenländer sind die neuen alten Lieblinge der Fondsgesellschaften“, resümiert Christian Michel, Teamleiter Fonds bei Feri EuroRating. „Im letzten Jahr waren die Asset Manager fast euphorisch mit Blick auf die Vertriebsaussichten von Produkten mit Deutschlandfokus. Diese Begeisterung hat sich gelegt: Zum einen wegen der Eurokrise, zum anderen aber auch, weil viele Aktien deutscher Unternehmen mittlerweile schon keine Schnäppchen mehr sind. Daher erwarten die Fondsanbieter, dass sich die Anleger in den nächsten Monaten verstärkt auf die wachstumsstarken Emerging Markets konzentrieren werden.“

Euro-Anleihen holen auf

Auf Ebene der Assetklassen allgemein sehen die Fondsgesellschaften Aktien- und Multi-Asset-Fonds im Vertrieb weit vorn: Mehr als 80% der Befragten bescheinigen hier jeweils die besten Absatzpotenziale. Ähnlich wie in der Vorjahresumfrage sieht auch für Wandelanleihefonds und Alternative Investments jeweils eine Mehrheit gute Absatzchancen.
Gebessert haben sich gegenüber dem Vorjahr auch die Erwartungen für den Vertrieb von Rentenfonds. Waren die Absatzprognosen der Befragten für 2011 überwiegend negativ, so gestehen jetzt fast 64% der Anbieter Rentenfonds in diesem Jahr gute bis sehr gute Vertriebsaussichten zu. Neben Emerging-Markets-Anleihen werden hier nach Ansicht der Anbieter auch europäische Hochzinsanleihen verstärkt nachgefragt werden.
Am stärksten aufgeholt in den Vertriebserwartungen haben jedoch die Euro-Investment-Grade-Anleihen. Sah hier im letzten Jahr nur eine Minderheit von 46% der befragten Fondsgesellschaften gutes oder sehr gutes Absatzpotenzial, so stellt das Optimisten-Lager in der aktuellen Befragung mit rund 68% die klare Mehrheit. An Zuversicht der Anbieter eingebüßt haben dagegen Fonds mit Schwerpunkt auf inflationsgeschützte Anleihen. Hatten 2011 noch 70% der Anbieter diesen Produkten gute bis sehr gute Chancen eingeräumt, sind in der aktuellen Umfrage nur noch 50% der Befragten dieser Ansicht. Die andere Hälfte sieht hier nur schwaches bis sehr schwaches Potenzial.

Missverhältnis zwischen Erwartungen und Produktpolitik

Die Befragung offenbarte allerdings auch einen Widerspruch: Wenngleich Multi-Asset- und Schwellenländerfonds in der Befragung die größten Absatzpotenziale zugestanden wurden, stellen die meisten der befragten Fondsgesellschaften ihre Produktpalette nicht darauf ein. Denn obwohl mehr als drei Viertel der Gesellschaften erwarten, dass sich das Nettomittelaufkommen von Multi-Asset-Fonds mit Fokus auf Emerging Markets vergrößern wird, plant nicht einmal ein Drittel der befragten Häuser, ein entsprechendes Produkt anzubieten. Gerade einmal gut 20% bieten sie bereits an, etwas mehr als 10% wollen in diesem oder im nächsten Jahr solche Fonds lancieren.