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28.11.2016

Faktor-Produkte bei institutionellen Investoren gefragt

Weltweit interessieren sich immer mehr institutionelle Investoren für faktorbasierte Strategien oder nutzen diese sogar bereits, so das Ergebnis einer neuen Invesco-Untersuchung. Die Steuerung sollte aber im eigenen Haus bleiben.

Bernhard Langer, CIO Invesco Quantitative Strategies

Bernhard Langer, CIO Invesco Quantitative Strategies

Foto: Invesco

Die für die qualitative und quantitative Studie befragten 66 Investoren wie Pensionskassen, Versicherungsgesellschaften, Staatsfonds, Vermögensberater und Privatbanken planen in den nächsten fünf Jahren im Schnitt eine Verdoppelung ihrer Allokation in Faktor-Strategien. Diese beruhen auf der Theorie, dass die Risiken und Renditen aller Investitionen auf ein bestimmtes Spektrum an zugrundeliegenden Faktoren zurückzuführen sind. Neben makroökonomischen Faktoren wie „Wirtschaftswachstum“, „Inflation“ und „Zinsniveau“ gibt es Stil-Faktoren wie „Value“, „Momentum“ und „Volatilität“.

Von den 70% der Befragten, die laut der Studie bei der Portfoliokonstruktion schon heute faktorbasierte Anlageansätze nutzen, wollen mehr als zwei Drittel (71%) dieses Engagement in den nächsten fünf Jahren ausbauen. Als wichtigste Motivation für den Einsatz faktorbasierter Strategien nennen die Investoren die Risikominderung, an zweiter Stelle steht die Erwartung höherer Mehrerträge. Die Hälfte der Befragten, die bislang noch nicht in Faktoranlagen investieren, ziehen eine derartige Anlage aktuell in Erwägung. Viele Umfrageteilnehmer testen faktorbasierte Strategien derzeit mit kleineren Allokationen und planen, diese künftig auszuweiten. Zulauf gewinnen dürften vor allem quantitative Multi-Faktor-Strategien, interne Faktormodelle sowie Faktor-Produkte für Anleihen und liquide Alternativen, die als alternative Renditequellen gelten.

Unterschiedliche Investoren und Bedürfnisse

83% der Befragten sind der Meinung, dass Faktoren einen wichtigen Beitrag zu überdurchschnittlichen Anlageerträgen leisten. Gleichzeitig interessieren sich die Investoren aber weniger für standardisierte faktorbasierte Anlageprodukte, die auf einzelne Faktoren abzielen, als für strategische Faktor-Modelle und ganzheitlichere Multi-Faktor-Ansätze. Während die Staatsinvestoren in Asien beim Einsatz interner Risikofaktormodelle weiter sind als alle anderen, führen die Liquiditätsvorgaben und regulatorischen Anlagebeschränkungen für deutsche Versicherer dazu, dass diese vermehrt fundamentale Anlagen durch Smart-Beta-ETFs und Aktienfaktormodelle ersetzen, um ihre risikoadjustierte Rendite aufzubessern. In Großbritannien sind die institutionellen Investoren seit Einführung der Finanzmarktrichtlinie Retail Distribution Review (RDR) neue Wege gegangen. Hier haben das Provisionsverbot für Bankprodukte und das Stakeholder-Engagement den Smart-Beta-Produkten auf die Sprünge geholfen, so dass beitragsorientierte Pensionspläne hier jetzt zunehmend Faktorprodukte als günstigeres Mittel der Diversifikation nutzen. „Unsere Analysen bestätigen, dass faktorbasierte Anlageansätze immer gefragter sind und von den Investoren zunehmend genutzt werden“, sagt Bernhard Langer, Co-Vorsitzender des Factor Investing Council und CIO von Invesco Quantitative Strategies. „Die Investoren haben aber sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Diesen muss die Asset-Management-Industrie mit maßgeschneiderten faktorbasierten Anlagelösungen und entsprechender Beratung gerecht werden.“

Interne Steuerung bevorzugt


Wie die Invesco-Studie außerdem zeigt, wollen die Investoren ihre Faktormodelle im eigenen Haus steuern und kontrollieren. 61% der Befragten halten ihre Organisation für am besten aufgestellt, um die Rolle des Faktor-Engagements in ihrer Gesamtanlagestrategie zu bewerten. 71% meinen, dass sie ihr Faktor-Engagement am besten selbst steuern. „Genau hier zeigt sich aber auch das größte Hemmnis, das eine schnellere Durchsetzung von Faktorstrategien derzeit noch verhindert: die fehlende Kompetenz im eigenen Haus“, meint Langer. Dementsprechend erhoffen sich die institutionellen Investoren bei der Steuerung ihrer Faktor-Strategien auch explizit mehr Unterstützung von Asset Managern, vor allem durch fachliche Schulungen und Beratung. Mit ihrer Erfahrung in der Umsetzung von Asset-Liability-Modellen könnten diese zum Beispiel die Entwicklung strategischer Faktor-Ansätze wirkungsvoll begleiten. Viele der befragten Investoren bewerten auch die Qualität der von Beratern konzipierten internen Faktorprodukte grundsätzlich positiv. Allerdings sei damit nicht immer die erforderliche Entwicklung eines fundierten internen Verständnisses des Investmentansatzes und der internen Investmentexpertise verbunden.

Den Beitrag der Wissenschaft zum Thema Factor Investing schätzen die befragten Investoren. Allerdings halten sie die Forschungsaktivitäten bislang für zu wenig praxisnah und zu stark auf Aktien fokussiert. Unter den Nichtnutzern von Faktor-Strategien meinen 40%, dass wissenschaftliche Untersuchungen ihre Bedenken im Hinblick auf den Einsatz dieser Strategien am effektivsten adressieren könnten. Nur 9% meinen aber, dass wissenschaftliche Institutionen die Rolle von Faktoren in ihrem Portfolio am besten bewerten können. Trotzdem erwägen viele, entsprechende Experten in ihre Investmentteams zu holen. Um ihre Defizite im Faktor-Bereich zu adressieren, setzen die befragten Investoren auch explizit auf die Zusammenarbeit mit der Asset-Management-Industrie. Gleichzeitig haben sie den Eindruck, dass es die Asset Manager häufig zu sehr darauf anlegen, ihre Faktor-Produkte und -philosophie zu bewerben, anstatt Investoren ganzheitlich zu beraten und ihnen die kundenorientierten Lösungen zur Verfügung zu stellen, die diese benötigen. „Die Botschaft ist klar: Die Investoren erwarten von der Asset-Management-Industrie, dass sie sich stärker daran orientiert, wie Investoren das Faktorengagement in ihren Portfolios steuern möchten, und entsprechende Lösungen entwickelt, um sie dabei optimal zu unterstützen“, schließt CIO Bernhard Langer daraus. „Je besser Faktorprodukte verstanden werden und je vertrauter Investoren mit dem Einsatz dieser Produkte sind, desto mehr dürfte es auch zu einer Trennung von grundsätzlicher Ausrichtung und Management des Faktorengagements kommen.“