Meldungen | Anleihen, Zinsen
23.04.2020

EZB folgt dem Vorbild der FED

Auch die europäischen Währungshüter werden ausgewählte Hochzinsanleihen kaufen. Michael Krautzberger von BlackRock erklärt, weshalb er die Entscheidung sinnvoll findet.

Michael Krautzberger, BlackRock

Michael Krautzberger, BlackRock

BlackRock

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich zuletzt entschlossen, auch bestimmte Hochzinsanleihen im Rahmen der Geldpolitik zu kaufen, und folgt damit der US-Notenbank FED. In Ihrem Refinanzierungsgeschäft mit den Banken in der Eurozone kommen damit erstmals Anleihen mit eigentlich unzureichender Qualität in Frage, da sie über ein Rating verfügen, das schlechter als das Mindestmaß von einem BBB- ist.

Das ist die niedrigste Bonitätsstufe im oberen Ratingsegment, dem sogenannten Investment-Grade-Bereich. Die Banken können solche Wertpapiere bei der EZB als Sicherheit gegen Notenbankgeld einreichen, wenn bestimmte Anforderungen erfüllt sind. Die Regelung soll bis September 2021 gelten.

Corona-Krise belastet

Konkret betroffen sind jene Anleihen, die bis zum 7. April noch den Mindestanforderungen der EZB entsprochen haben. Diese sehen vor, dass zumindest eine der vier größeren Ratingagenturen (S&P, Moody's, Fitch, DBRS) eine Investment-Grade-Bewertung vergibt. Doch aufgrund der Corona-Krise könnten bald noch jede Menge Abstufungen in das Hoch-Zins-Segment drohen, was auch den Anleihemarkt belasten würde. Mit den geplanten Käufen wollen die europäischen Währungshüter dem gegensteuern.

Mit diesem Schritt folgt die EZB dem Vorbild der FED, die bereits solch eine Maßnahme eingeleitet hat. Im englischen Fachjargon werden übrigens jene Bonds, die in das Hochzinssegment abrutschen „Fallen Angels“ genannt.

Sinnvolle Entscheidung

Für Michael Krautzberger, Leiter des Teams für fundamentale Anleihestrategien in Europa, dem Nahen Osten und Afrika bei BlackRock, macht die EZB-Entscheidung, Fallen-Angels-Bonds als Collateral zuzulassen, durchaus Sinn. „Die EZB kann Firmen, die vorher solide dastanden und Investmentgrade-Ratings hatten, helfen, durch die Krise zu kommen. So kann temporär verlorene Wirtschaftsleistung nach der Krise schnell wieder zurückkommen.“

Er meint auch, Rating-Änderungen könnten prozyklisch wirken und Herabstufungen aufgrund der Corona-Krise die Situation für Unternehmen verschlimmern. „Insofern hilft die EZB-Maßnahme den betroffenen Unternehmen sehr direkt. Zudem kann sie bei Unternehmen mit BBB-Ratings, die also gerade noch Investmentgrade-Qualität haben, bewirken, dass Banken ihnen gegenüber nicht schon vorsorglich restriktiv sind.“