Meldungen | Aktien, Marktkommentar
13.03.2012

„Europäische Aktien sind trotz Staatsschuldenkrise attraktiv“

Eine Anlage in europäische Aktien ist nicht das Gleiche wie eine Anlage in europäische Staaten, meint Miguel Corte-Real, Head of European Equity Product Management bei Fidelity.

Miguel Corte-Real

Miguel Corte-Real

Griechischer Schuldenschnitt, Ratingherabstufungen, schlechte Bonität – das sind derzeit die Begriffe, die am häufigsten fallen, wenn von Europa die Rede ist. Anleger werden in diesem Jahr angesichts der andauernden Schuldenkrise und einer anhaltenden Gefahr von Länder- und Bankenherabstufungen mit erheblichen gesamtwirtschaftlichen Schwierigkeiten rechnen müssen. Gerade konnte Griechenland durch den Schuldenschnitt seinen Berg an Verbindlichkeiten um 100 Mrd. Euro reduzieren. Aber das Land befindet sich in einer höchst schwierigen wirtschaftlichen Situation und ein Ausstieg aus dem Euro – samt aller möglichen Auswirkungen auf Währung und Märkte – ist noch nicht vom Tisch.


Die europäische Gesamtwirtschaft wird 2012 voraussichtlich rückläufig sein. Nichtsdestotrotz gibt es viele europäische Unternehmen, die von den Wirtschaftsbedingungen in Europa nicht übermäßig beeinträchtigt werden und gute Aussichten haben. Die europäischen Aktienmärkte haben sich 2012 bislang stabil entwickelt. Der MSCI Europe Index stieg seit Jahresanfang um rund 8%, etliche europäische Einzelmärkte erreichten zweistellige Zuwächse. Für viele Anleger dürfte es auch überraschend sein, dass der MSCI Europe Index trotz aller Schwierigkeiten das letzte Jahr mit einer positiven Rendite von 2,6% beendete.
Der Grund dafür ist simpel: Eine Anlage in europäische Aktien ist nicht das Gleiche wie eine Anlage in europäische Staaten. Unternehmen sind nicht auf ihren Heimatmarkt beschränkt und auch nicht so hoch verschuldet wie viele Länder der Eurozone. Außerhalb des Finanzsektors verfügen viele europäische Unternehmen über robuste Bilanzen mit stabilen Cashflows und eine Ausrichtung auf schnell wachsende Schwellenländer. Denn zu Beginn der Finanzkrise 2008/2009 haben viele europäische Unternehmen begonnen, angesichts der zu erwartenden schwierigen Zeiten ihre Bilanzen zu säubern und profitieren nun von diesem vorausschauenden Handeln. Viele europäische Unternehmen stehen derzeit besser da und weisen einen niedrigeren Schuldenstand aus als vor der letzten Krise – im Gegensatz zu vielen Staaten. Ihre Gewinne und Dividendenausschüttungen konnten viele europäische Firmen selbst während der Schuldenkrise weiter steigern, was den Unterschied zwischen dem Zustand der Unternehmen und dem der Regierungen Europas verdeutlicht.


Zugleich sind Dividenden auch einer der momentan attraktivsten Aspekte europäischer Unternehmen: Sie haben schon immer höhere Dividenden ausgeschüttet als viele Aktiengesellschaften in anderen großen Anlageregionen. Dies ist besonders in einem Umfeld interessant, in dem Einkommen durch Unternehmensausschüttungen einen immer größeren Anteil an der Gesamtrendite für Investoren ausmachen wird. Der MSCI Europe Index bietet momentan eine Dividendenrendite von über 4,3% – deutlich mehr, als die meisten Staatsanleihen der Industrieländer und anderer interessanter Staaten abwerfen.


Viele europäische Unternehmen weisen zudem Aufwärtspotenzial an der Börse auf und haben außerhalb des Finanzsektors so hohe Barbestände wie seit zehn Jahren nicht mehr. Unterdessen liegen die Bewertungen von europäischen Aktien auf historischen Tiefständen – mit erwarteten Kurs-Gewinn- und Kurs-Buchwert-Verhältnissen auf einem Niveau, das wir zuletzt nach dem Kollaps von Lehman Brothers erlebt haben.

 

Anleger sollten sich vor Augen halten, dass eine Anlage in europäische Aktien nicht das Gleiche ist wie eine Anlage in europäische Staaten. In ganz Europa kann man auf Einzeltitelbasis viele gute Anlagechancen finden. Eine gründliche Analyse der Fundamentaldaten der Unternehmen ist dabei weiterhin ausschlaggebend, um eine überdurchschnittliche Wertentwicklung erzielen zu können.