Meldungen | Marktanalyse, Volkswirtschaft
11.01.2021

EU-Handelsabkommen pr├Ągen derzeit das Wirtschaftsgeschehen

Neben dem Brexit-Deal ist der EU über Weihnachten noch eine Überraschung geglückt: Das für die Exporteure langfristig ähnlich wichtige Investitionsabkommen mit China, zeigt Martin Moryson, Chefvolkswirt Europa bei der DWS.

Martin Moryson, DWS

Martin Moryson, DWS

DWS

Neben der Einigung auf ein Handelsabkommen nach dem Brexit konnte in den letzten Tagen des vergangenen Jahres noch der Abschluss eines weiteren Abkommens gemeldet werden. Etwas überraschend für viele Beobachter haben die Europäische Union (EU) und China ein „Investitionsabkommen“ (englisch „Comprehensive Agreement on Investment“ oder CAI) bekannt gegeben.

Fast alle EU-Länder haben bereits bilaterale Abkommen mit China über den Schutz getätigter Investitionsprojekte. Das neue Abkommen sorgt für mehr Sicherheit und Transparenz bei neuen Unternehmensinvestitionen. Ein deutscher Mittelständler kann in Zukunft beispielsweise besser und freier entscheiden, ob eine neue Fabrik in China über ein eigenes Tochterunternehmen oder ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem chinesischen Partner entwickelt werden soll. Theoretisch jedenfalls. Ein weiterer geplanter Vorteil ist der verbesserte Marktzugang zu wichtigen Sektoren wie Autos und Telekommunikation. Das alles ist auch insofern wichtig, als sich Firmeninvestitionen und Handel wechselseitig unterstützen.

Aus den Spekulationen, welches Motiv für die Beschleunigung der Verhandlungen ausschlaggebend war, möchten wir uns heraushalten. Klar ist auf jeden Fall, dass der Handel mit China für Europa enorm an Bedeutung gewonnen hat. So sind die Exporte aus der Eurozone seit 2000 pro Jahr um fast zwölf Prozent gestiegen, während die Steigerungsrate für die Exporte in die USA im gleichen Zeitraum 1,8 Prozent betrug. Machten die Exporte nach China in 2000 nur zwölf Prozent der Exporte in die USA aus, so waren es in den letzten zwölf Monaten bereits 56 Prozent. Unter den großen europäischen Volkswirtschaften profitierte besonders Deutschland von der steigenden Nachfrage aus China. Die deutsche Industrie exportierte in den vergangenen zwölf Monaten kumulativ beinahe genauso viele Waren nach China wie in die USA.

Vergleicht man statt kumulativer Zwölfmonatswerte die Exporte einzelner Monate, so gab es im vergangenen Jahr sogar mehrere Fälle, in denen mehr Güter Deutschland in Richtung China verließen als in die USA. Moryson, Chefvolkswirt Europa bei der DWS, ergänzt: „China wächst einfach deutlich stärker als die USA. Der Absatzmarkt der Zukunft gerade für deutsche Produkte, man denke nicht nur an Industrieprodukte wie Maschinen, sondern auch an langlebige Konsumprodukte wie Autos, liegt damit eben eher in China."